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E-Sport-Kommentar : Dicke Bertha gegen den DOSB

  • -Aktualisiert am

Teilnehmer des E-Sport-Events „ESL One Hamburg“ spielen das Computerspiel „Dota 2“. Bild: dpa

Berlin hat sich zu einem Statement des Deutschen Olympischen Sportbunds bezüglich E-Sport geäußert. Selten hat die Politik den organisierten Sport so massiv ins Visier genommen. Die Schlacht hat erst begonnen: Sie wird blutig.

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          Wäre der Schlagabtausch um die Würde des sogenannten E-Sports ein virtuelles Spiel, dann hätte die Bundesregierung in bester Ego-Shooter-Manier wohl das größte Geschütz eingesetzt. Jedenfalls schoss Berlin am Mittwoch eine fette Salve auf den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB). Da war von Irrtum die Rede, von verpassten Chancen, „E-Sport als eine Bereicherung und Ergänzung zum analogen Sport“ zu begreifen. Selten hat die Politik den organisierten Sport so öffentlich wie massiv ins Visier genommen und abgedrückt. Obwohl es dazu beileibe in der Vergangenheit Gründe gegeben hätte.

          Warum so ein Sperrfeuer? Weil sich der DOSB erdreistet hatte, fortan zwischen einer „virtuellen Sportsimulation“ (gemeint ist die Übertragung von Fußball, Basketball, Formel 1 auf die Playstation) und dem „E-Gaming“, etwa dem totalen Krieg auf der Konsole im Kinderzimmer, zu unterscheiden. Mit dem Ziel, die einen mit ihrem potentiellen Werbewert zu akzeptieren und die Ballerfreunde aus ihrem Sportreich, der Dachorganisation des organisierten deutschen Sports am Tropf des Steuerzahlers, schön herauszuhalten.

          Die sonst so selbstbewussten Lobbyisten des „E-Sports“ heulten auf, Fans geben sich in den sozialen Netzwerken mitunter asozial. Einem Shitstorm auf den sich angeblich „blamiert“ habenden DOSB folgte nun der Frontalangriff der Staatsministerin und Beauftragten der Bundesregierung für die Digitalisierung, Dorothee Bär. Im ersten öffentlichen Gefecht konterte sie die vom DOSB angeführte Unvergleichbarkeit vom, sagen wir, Sprung in die Sandgrube mit dem virtuellen Sprung auf den Panzer des Feindes. Die Werte seien doch die gleichen: Verhaltensregeln, Prinzipien wie Fairplay und Respekt, ein Leistungsprinzip und Multikulti. Wie beim Ultimate Fighting.

          Das hätte gereicht, um ins Grübeln zu kommen. Aber Frau Bär verband ihre Mission mit einem Bildungsauftrag für den Sport („Begeisterung für die digitale Welt wecken“) und brachte noch – Ältere erinnern sich, Jüngere haben ganz andere Kaliber (virtuell) zur Hand – die dicke Bertha gegen den DOSB in Stellung, als sie „Citius, altius, fortius“ („höher, schneller, stärker“) zitierte, das olympische Motto. Es ist der Verbindungs-Code der Olympioniken und soll im Sinne Bärs die Grunddefinition für den Sport sein. Das kann man so sehen. Es würde bedeuten, dass der DOSB demnächst auch Hufeisenschleuderer oder den deutschen Skatverband kaum ablehnen könnte, sollten die Glücksritter und die Re-Bock-Contra-Fraktion um Aufnahme bitten.

          Dem geneigten Sportfreund bieten sich nach dieser ersten Runde zwei Erkenntnisse an: Erstens sind weder die Regierung noch der organisierte Sport derzeit in der Lage, mit ihren Argumenten zu überzeugen. Und zweitens hat die Schlacht erst begonnen. Sie wird blutig.

          Anno Hecker
          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

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