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Steueraffäre des DFB : Dem Staatsanwalt fehlt die Selbstanzeige

Wieder einmal im Fokus: der Deutsche Fußball-Bund Bild: Reuters

Der Deutsche Fußball-Bund hat zwar nachträglich seine Steuerschuld bezahlt, aber die Verantwortlichen sind nicht aus dem Schneider. Wie steht der Verband zu ihnen?

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          Seit gut einer Woche stehen Führungsmitglieder des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) wieder am Pranger. Eine fremdnützige Steuerhinterziehung „in besonders schweren Fällen“ vermutet die Staatsanwaltschaft Frankfurt. Ihr Verdacht ist so plausibel, dass das Frankfurter Amtsgericht einen Durchsuchungsbeschluss für die Zentrale des DFB und die Privatwohnungen von sechs Beschuldigten ausstellte – ehemalige und aktive Mitglieder des DFB-Führungszirkels. Umgehend wurden die Herren wie der Verband in den sozialen Medien zu Zielscheiben. Das pauschale wie rücksichtslose Vorurteil zusammengefasst: eine kriminelle Bande. Der Image-schaden ist schon vor Ende des Ermittlungsverfahrens, geschweige denn eines möglichen Prozesses immens.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Gustav Theile

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Im Raum schwebt die bis zum Mittwochnachmittag einzige offizielle Auskunft eines Verbandes, der seit Jahren behauptet, mit Transparenz dem immensen Vertrauensverlust zu begegnen. Seit der Enthüllung seiner Falschdarstellungen rund um das Sommermärchen 2006 folgte zwar die Bemühung um einen neuen Geist in der Führungsetage, aber parallel dazu eine Skandalmeldung nach der anderen: über Saufgelage, einen Präsidenten, der sich eine 6000 Euro teure Uhr von einem Oligarchen schenken ließ und über die Lancierung dieser Affäre durch das eigene Lager stürzte, bis hin zum Vorwurf der Frankfurter Fahnder. Der DFB äußerte sich dazu bislang sinngemäß nur so: umfassende Kooperation zur Klärung des Vorwurfs von Steuerstraftaten.

          Viel Spielraum für Interperationen

          Ein Fußball-Analyst würde sagen, der größte Spieler ziehe sich zurück und überlasse in dieser heiklen Partie um nicht weniger als seine Existenz anderen den Ball. Das ergibt viel Spielraum – für Interpretationen. Eine lautet so: Wenn der DFB es unterlässt, sich nach außen demonstrativ hinter die angegriffenen Mitglieder seiner Führungsriege zu stellen, dann scheint zurzeit nicht jeder im Verband mit Verantwortung in seinen Händen sicher zu sein, dass sich der Verdacht in Luft auflöst. Ist das so? Wir wissen es nicht. Ein Blick auf die Chronologie des jüngsten Steuerfalles stützt den Eindruck. Und verrät die Zerrissenheit des Verbandes. Strategen mit Verantwortung im DFB, daran gibt es keinen Zweifel, haben die Warnungen von Experten in den eigenen Reihen über Jahre ignoriert oder sich nicht dafür interessiert.

          Am Anfang steht ein Vertrag des größten Dachverbandes im Fußball mit dem Schweizer Unternehmen Infront über die Vermarktung der Bandenwerbung bei Heimspielen der Nationalmannschaft und bei Auswärtsspielen für den Zeitraum vom 1. Juli 2009 bis Ende Juni 2014. Einnahmen aus diesem Geschäft müssten eigentlich nicht versteuert werden, weil sie der steuerfreien Vermögensverwaltung eines gemeinnützigen Vereines zugerechnet werden dürfen. Vorausgesetzt, der DFB habe nicht selbst eingegriffen. Das hat er aber, behauptet die Staatsanwaltschaft. Weil er Infront unter anderem vorschrieb, bei der Akquise den Generalsponsor und Generalausrüster zu schützen. Deshalb müssten die Einnahmen als Teil des wirtschaftlichen Geschäftsbetriebs des DFB deklariert werden – und wären steuerpflichtig. Der Verband wird diese Feststellung nicht angreifen.

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