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Großer Knall beim DFB : Rückzug mit Hintertürchen

Drei aus der DFB-Spitze: Präsident Fritz Keller und die beiden Vizepräsidenten Rainer Koch (links) und Peter Peters (rechts) Bild: dpa

Nach der Schlammschlacht im DFB richten sich die kritischen Blicke nun auf Vizepräsident Koch. Der kündigt seinen Rücktritt aus dem Präsidium an, könnte dort aber schnell wieder auftauchen. Das wäre ein schlechter Witz.

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          Während der vielen Wochen im schmutzigen Kampf des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) wurde sonnenklar: Ein Neuanfang wird für den Verband selbst dann schwierig, wenn alle Spitzenfunktionäre zurücktreten. Unmöglich wird er, wenn sie es nicht tun.

          An dieser Konstellation hat sich auch nach den Rückzugsversprechen von Präsident Fritz Keller, Generalsekretär Friedrich Curtius und Schatzmeister Stephan Osnabrügge nichts geändert. Sie immerhin werden nun, nach und nach, ihre Posten räumen. Für Rainer Koch und Peter Peters gilt das allerdings nur bedingt. Oder gar nicht. Mehr noch: Die beiden ersten Vizepräsidenten – der eine mandatiert von den Amateuren, der andere von den Profis – sollen den DFB nach dem Rücktritt von Keller als Interimspräsidenten sogar gemeinsam führen bis zu einem vorgezogenen DFB-Bundestag zu Beginn des Jahres 2022. Auf so eine Idee kommt nicht einmal der DFB freiwillig. Die Satzung schreibt es vor.

          Kritische Blicke auf Koch

          Die kritischsten Blicke richten sich nun vor allem auf Koch, eine der zentralen Figuren in der beispiellosen Schlammschlacht des größten Sportfachverbandes der Welt. Der mächtige Präsident des bayerischen und süddeutschen Verbandes sieht sich seit Monaten mit Vorwürfen rund um einen umstrittenen und hochdotierten Medienberater konfrontiert. Zudem wird ihm vom früheren DFB-Präsidenten Reinhard Grindel vorgeworfen, von Recherchen des Spiegels rund um die Sommermärchen-Affäre schon vor der Veröffentlichung gewusst zu haben – und den Verband und seinen damaligen Präsidenten nicht entsprechend gewarnt zu haben. Diesen Fragen und Vorwürfen hat sich Koch zuletzt gestellt, aufgeklärt sind sie damit nicht. Das müssen sie aber, unbedingt.

          Neben womöglich konkreten Verfehlungen besteht für Koch aber nicht zuletzt eine sportpolitische Verantwortung, was den kläglichen Zustand des DFB angeht. Und die wiegt schwer – und ist unwiderlegbar. Diese Verantwortung teilen jedoch Koch und Peters als diejenigen Topfunktionäre, die seit vielen Jahren den Weg des DFB entscheidend mitbestimmen. Während der Verband unten angekommen ist, sind sie immer weiter aufstiegen – bis in die Topgremien der Europäischen Fußball-Union (UEFA) und des Internationalen Fußball-Verbandes (FIFA).

          Ein halbherziger Rückzug von Koch – der bloß als erster Vizepräsident definitiv aus dem DFB-Präsidium ausscheiden will, aber als „normaler“ Vizepräsident dort wieder auftauchen könnte – wäre angesichts der traurigen Bilanz der vergangenen Jahre ein schlechter Witz. Der Versuch eines Neuanfangs beim DFB wäre zum Scheitern verurteilt, wenn der Eindruck entsteht, dass Koch aus dem Hintergrund weiter seine Marionetten tanzen lässt.

          Klar wurde in den vergangenen Wochen zudem, dass die Amateurvertreter im Fall eines kompletten Rückzugs von Koch dies ebenfalls von Profivertreter Peters fordern würden. Und umgekehrt gilt: Solange sich Koch ein Hintertürchen im DFB-Präsidium offen hält, kann sich Peters dort sicher fühlen. Doch der Gesamtverantwortung für das desaströse Bild, das der DFB seit längerer Zeit abgibt, kann sich der ehemalige Schalker Finanzchef nicht entziehen. Auch dann nicht, wenn Peters in der jüngsten Schlammschlacht selbst nicht in vorderster Reihe auftauchte – und deswegen weniger Dreck abbekommen hat als mancher seiner Kollegen.

          Michael Horeni
          Korrespondent für Sport in Berlin.

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