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WM-2006-Affäre : Das Beckenbauer-Syndrom

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Auf Anfrage bei Oddset wird die Abmachung seinerzeit mit dem DFB bestätigt. Diese habe dem Sportwettenanbieter Werberechte mit Beckenbauer eingeräumt. „Dies lag im ureigenen Interesse des DFB, der über den 2002 geschlossenen Staatsvertrag nicht die erhofften Mittel aus den Umsätzen der Oddset Sportwette zur Finanzierung der WM 2006 erreichen konnte und sich mit den Werbemaßnahmen höhere Mittel versprach“, heißt es bei Oddset.

Einen anderen Vertrag direkt mit Beckenbauer habe es nicht gegeben. Marketingexperten halten die 5,5 Millionen Euro, die der DFB damals für Beckenbauer festsetzte, für wesentlich zu hoch. Jedoch lässt sich über Sponsoring-Marktwerte streiten. Allerdings hieß es damals vor der WM, Beckenbauer hätte im Jahr mit allen Werbeverträgen rund vier Millionen Euro im Jahr eingespielt. Dass hinter dem Betrag doch eine versteckte Vergütung für den Ehrenamtspräsidenten Beckenbauer stecken könnte, bleibt offen.

Auch innerhalb des DFB wurde die Zahlung zuletzt thematisiert. An dem Tag der Veröffentlichung des vom Verband in Auftrag gegeben Untersuchungsberichts der Kanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer zum WM-Skandal (4. März) gab es im DFB-Vorstand nach F.A.Z.-Informationen eine Nachfrage zu Werbeverträgen Beckenbauers. Die Freshfields-Anwälte hätten ihre Kenntnis über einen Kontrakt bestätigt, aber diesen Komplex als nicht relevant für die eigentliche WM-Untersuchung betrachtet. Sollte Beckenbauer hiermit geschont werden?

Eine weitere Frage stellt sich im Zusammenhang mit der steuerlichen Behandlung der 5,5 Millionen Euro. Beckenbauers Anwälte behaupten, dass ihr Klient das Geld damals „unverzüglich“ und „ordnungsgemäß“ an seinem Wohnsitz in Österreich versteuert habe. Doch weshalb kam Beckenbauer dann vier Jahre später noch so schnell einer Aufforderung des DFB nach und erstattete im März 2011 den offenen Betrag für die damals fällige Abzugssteuer (20 Prozent). Er zahlte rund 1,16 Millionen Euro an den Verband. Hat er dies nachträglich bei den Steuerbehörden in Österreich verrechnen lassen? Beim DFB war im Rahmen einer Betriebsprüfung die Steuerschuld ans Finanzamt Frankfurt aufgefallen. Abzugssteuer wird bei Zahlungen an Steuerausländer fällig.

Noch immer ungeklärt sind derweil die Hintergründe zu Beckenbauers Beteiligung im WM-Skandal am ominösen Zahlungskreislauf über 6,7 Millionen Euro, den auch die Staatsanwaltschaften in Deutschland und der Schweiz beschäftigen. Das Geld floss am Ende laut Freshfields-Bericht an den inzwischen lebenslang gesperrten qatarischen Fußballfunktionär Mohamed Bin Hammam. Der DFB bangt darum, dass zumindest die Steuerbehörden den Betrag als abzugsfähige Betriebsausgabe (Provision) akzeptieren, so dass der Gemeinnützigkeitsstatus fürs Jahr 2005 nicht gefährdet wäre. Die Antwort ist offen. Scheitert der Verband damit, drohen Nachzahlungen in Höhe von 25 Millionen Euro und unschöne zivilrechtliche Auseinandersetzungen um den Schadenersatz - auch gegen Beckenbauer.

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