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DFB-Machtkampf : Koch sagt viel, aber erklärt wenig

DFB-Vizepräsident Rainer Koch geht in die Offensive, erklärt aber nicht viel Bild: dpa

Die Tage von Präsident Keller beim DFB scheinen gezählt. Der langjährige Drahtzieher Koch schließt seinen Rücktritt dagegen aus. Einen Treffer landet er im Sportstudio nur bei der Generalprobe.

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          Rainer Koch hat am Samstagabend im Sportstudio des ZDF einen schönen Treffer gelandet. Der erste Vizepräsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) versenkte den Ball in der Torwand. Dieser Erfolg, den Koch umgehend in den sozialen Medien teilte, gelang ihm jedoch nur bei der Generalprobe. Als es in der Sendung darauf ankam, machte er keinen Punkt.

          Michael Horeni
          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Kochs Auftritt an der Torwand stand ein bisschen für all seine öffentlichen Auftritte an diesem Wochenende. Am Freitag hatte der innerhalb der DFB-Krise ebenfalls stark in die Kritik geratene Multifunktionär eine umfangreiche Erklärung im Netz zu den zahlreichen Vorwürfen abgegeben, mit denen er sich seit Wochen und Monaten konfrontiert sieht. Dann versuchte Koch am Samstagabend im ZDF-Sportstudio, seine verschiedenen Positionen wortreich zu erklären und seinen Posten zu stärken. Am Sonntag schob er ein Zeitungsinterview hinterher. So öffentlich wie in diesen Tagen dürfte das große Fußballpublikum den langjährigen DFB-Drahtzieher vermutlich noch nie kennengelernt haben.

          Viel zur Aufklärung seiner Rolle und der entsprechenden Vorwürfe hatte Koch allerdings nicht mitzuteilen. Koch wies den vom früheren DFB-Präsidenten Reinhard Grindel erhobenen Vorwurf zurück, er sei schon vor der Veröffentlichung im Spiegel von entsprechenden Recherchen rund um das „Sommermärchen“ informiert gewesen. Entscheidende Fragen blieben auch zu Kochs Verhältnis zum hochdotierten und umstrittenen DFB-Medienberater Diekmann offen – sowie über dessen offenbar weitreichende Aufgaben innerhalb des Verbandes.

          Im DFB-Machtkampf verwies Koch auf das frische Votum der Präsidenten der Regional- und Landesverbände, die am Freitag mit großer Mehrheit DFB-Präsident Keller abermals zum Rücktritt aufgefordert hatten. Mit 33 Stimmen wurde Kellers Rückzug nach dessen Gleichsetzung des Richters Koch mit dem Präsidenten des Volksgerichtshofs, Freisler, gefordert. Bei drei Enthaltungen gab es keine Stimme für Keller.

          Der DFB-Präsident, seit einer Woche abgetaucht, scheint nicht gewillt, das Feld sofort zu räumen, wie er am Freitag in einer Erklärung indirekt mitteilte. Koch wiederum gestand ein, für das schlechte Bild des DFB ebenfalls verantwortlich zu sein. Doch nachdem Generalsekretär Curtius und Schatzmeister Osnabrügge ihre Abschiede bereits angedeutet haben und auch Kellers Tage gezählt scheinen, schloss Koch seinen eigenen Rückzug aus. Es seien nicht nur diese vier Funktionäre für den aktuellen Zustand des DFB verantwortlich, so Koch im ZDF, sondern auch der andere DFB-Vizepräsident Peter Peters sowie Christian Seifert, der Geschäftsführer der Deutschen Fußball-Liga.

          Für einen möglichen Übergang an der DFB-Spitze hat sich unterdessen die Anti-Korruptions-Expertin Sylvia Schenk in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung ins Spiel gebracht. Sie stehe „für einen Übergangszeitraum bereit“, um „mit einem Team von unabhängigen Personen den DFB in ruhiges Fahrwasser zu bringen“. International spiele der DFB laut Sylvia Schenk wegen seiner Führungskrise „keine Rolle“ mehr: „Wir machen uns lächerlich.“

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