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Wilhelmshaven gegen die Fifa : „Dann ist alles aus den Fugen“

Der Rechtsstreit mit der Fifa geht schon mehrere Jahre Bild: Picture-Alliance

Der Rechtsstreit zwischen dem SV Wilhelmshaven und der Fifa geht vor dem Bundesgerichtshof in die finale Runde. Der DFB fürchtet weitreichende Folgen für den Fußball insgesamt.

          Der SV Wilhelmshaven kämpft seit Jahren mit dem Weltverband Fifa um die Rechtmäßigkeit einer Ausbildungsentschädigung für den argentinischen Spieler Sergio Sagarazu, den der damalige Regionalliga-Klub aus Niedersachsen 2007 unter Vertrag genommen hatte. Die argentinischen Vereine Atlético River Plate und Atlético Excursionistas fordern zusammen 160.000 Euro Ausbildungsentschädigung. Wilhelmshaven verweist aber auf den italienischen Pass des damals 19 Jahre alten Spielers und somit auf das EU-Recht auf Freizügigkeit in der Berufswahl. Für seinen Widerstand hat der mittlerweile in der siebtklassigen Bezirksliga spielende Klub zwischenzeitlich einen Zwangsabstieg in Kauf nehmen müssen und ist nach einer Niederlage vor dem Sportgerichtshof Cas vor ein ordentliches Gericht gezogen. Im Berufungsverfahren entschied das Bremer Oberlandesgericht im Rechtsstreit mit dem Norddeutschen Fußballverband zu Gunsten des Vereins. An diesem Dienstag spricht nun der Bundesgerichtshof als höchste Instanz ein Urteil in dieser Sache. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) fürchtet für den Fall eines neuerlichen juristischen Erfolges des Vereins die weitreichenden Folgen dieses Rechtsspruches. Vize-Präsident Rainer Koch erklärt im FAZ.NET-Interview, warum.

          Herr Koch, wie fühlt sich der Goliath DFB als Dachverband des beklagten Norddeutschen Fußballverbands (NFV) vor der letzten Runde im Kampf mit dem David SV Wilhelmshaven?

          Wie der Fall selbst ausgeht, ist für uns nicht von zentraler Bedeutung, da DFB und NFV in diesem Fall ja eigentlich nur ausführendes Organ für die Fifa sind, deren Regularien die Ausbildungsentschädigung wie auch die Sanktionierung des Klubs mit dem Zwangsabstieg vorsehen. Die möglichen Folgen dieses Urteils können uns indes nicht gleichgültig sein. Diese können für uns als Verband, den Fußball und das gesamte Sportverbandswesen nämlich durchaus schwerwiegend sein. Der SV Wilhelmshaven hat irgendwann die Zuständigkeiten der Sportinstanzen nicht mehr anerkannt, so ähnlich, wie das auch Frau Pechstein getan hat. Im Fall Pechstein haben die höchsten Richter dann zum Glück letztlich doch zu Gunsten des Sports entschieden und festgestellt, dass sich Frau Pechstein an die vom internationalen Sport vereinbarten Instanzen wie CAS und Schweizer Bundesgericht zu halten hat. Im Fall Wilhelmshaven scheint dies jedoch fraglich. Deshalb machen wir uns in dieser Sache sehr große Sorgen, ob am Bundesgerichtshof in Karlsruhe die fundamentalen Folgewirkungen des Urteils wirklich bekannt sind.

          DFB-Vize-Präsident Rainer Koch

          Die Sache liest sich bislang so: Der kleine SV Wilhelmshaven ist im Kampf gegen die Fifa, und man hat das Gefühl, dass dem Underdog Unrecht getan wird. Sie erwecken den Eindruck, dass stattdessen dem Fußball Ungemach droht...

          Die Frage, die hinter dem Rechtsstreit steht, ist: Wie kann ich gemeinschaftlich geltende, internationale Normen, die für alle Beteiligten gleichermaßen gelten müssen, bis zum einzelnen Vereinsmitglied durchsetzen. Das Problem ist: Wilhelmshaven ist wie die anderen Vereine auch kein unmittelbares Mitglied im DFB oder der Fifa, sondern nur Mitglied eines der Landesverbände. Diese bilden neben dem Ligaverband und den Regionalverbänden die 27 Mitglieder des DFB, der Mitglied der Fifa ist. Wenn wir im DFB eine Bestimmung ändern beispielsweise im Transferrecht, dann muss das aber natürlich für alle unsere über 25000 Vereine und 80000 Mannschaften Gültigkeit finden. Nur so besteht Rechtssicherheit und Gleichheit für alle beteiligten Vereine und Sportler. Wenn Wilhelmshaven Recht bekommt, ist all das in Frage gestellt.

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