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Ultimatum für Eishockey-Bund : Der Konflikt um Franz Reindl geht in die nächste Runde

  • -Aktualisiert am

Hat Franz Reindl als Präsident des DEB wirklich nur ehrenamtlich gearbeitet?  Diese Frage soll ein Gutachten klären. Bild: dpa

Der Hessische Verband stellt dem Deutschen Eishockey-Bund ein Ultimatum und droht dann mit gerichtlichen Schritten. Die Opposition erkennt ein Muster aus Demütigungen und unmenschlichen Umgängen.

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          Eigentlich hatten sie sich im deutschen Eishockey den Winter 2021/2022 ganz anders vorgestellt. Gute Stimmung in den Ligen, erfolgreiche Nationalteams bei U-20-WM und Olympia. Doch dank Corona ist davon wenig übrig. Die Hallen sind wieder größtenteils leer, mehrere Teams sitzen in Quarantäne, die U-20-WM wurde abgebrochen, und mit dem besten Olympia-Kader der Geschichte um Leon Draisaitl wird es ebenfalls nichts. Die Eliteliga NHL gibt ihr Personal nicht frei.

          Beim Deutschen Eishockey-Bund (DEB) werden die Sorgenfalten nicht nur deswegen tiefer. Kurz vor Weihnachten stellte der hessische Landesverband dem DEB ein Ultimatum und drohte, „staatliche Instanzen“ einzuschalten. Hintergrund ist die Debatte um die jahrelange Doppelrolle von Franz Reindl als ehrenamtlicher DEB-Präsident und bezahlter Geschäftsführer einer Tochtergesellschaft des Verbandes. Kritiker aus mehreren Landesverbänden werfen Reindl einen „Interessenkonflikt“ vor, weil sowohl DEB als auch Tochterfirma geschäftlich mit der Vermarktungsagentur Infront verbunden waren.

          Im Herbst riet die Ethikkommission des Deutschen Olympischen Sportbundes über ihren Vorsitzenden Thomas de Maizière „dringend“ dazu, den „Sachverhalt im DEB umfassend und unabhängig zu prüfen“, um zu ermitteln, „ob eine verdeckte Finanzierung der ehrenamtlichen Funktion des Präsidenten vorliegt“. Nun erstellt die Kölner Anwaltskanzlei Verte im Auftrag des DEB ein Gutachten über das Zusammenspiel von Verband, Tochter und Infront. Es soll in den kommenden Wochen vorliegen.

          „Konstruierter Vorwurf“

          Doch das reicht der Opposition nicht, die in den vergangenen Monaten Fragen an das Präsidium stellte, die unzureichend beantwortet worden seien. Also schickte der hessische Verband am 23. Dezember zwei Dokumente an das DEB-Präsidium, die der F.A.Z. vorliegen. Das erste ist eine „Anzeige zu einem Ordnungsverfahren“ gegen Franz Reindl und zwei weitere Mitarbeiter „aufgrund Verstößen gegen verbandsrechtliche Vorschriften des DEB“. Der zweite Schriftsatz richtet sich an den Kontrollausschuss und fordert die „Herausgabe von Daten und Dokumenten“.

          Auf die Untersuchung der Kölner Kanzlei will man sich nicht verlassen. Auch die internen Instanzen im DEB wecken bei der Opposition wenig Vertrauen. Versehen sind die Schreiben mit einem Ultimatum: „Sollte der Kontrollausschuss bis zum 11. Januar 2022 nicht zu erkennen geben, dass er die zuständigen staatlichen Stellen eingeschaltet hat und mit diesen zusammenarbeitet, werden wir konsequent ergänzende Verfahren über die staatlichen Instanzen einleiten“, schrieb Hendrik Ansink, Vorsitzender des hessischen Verbandes, in seiner Mail an den DEB sowie die anderen Landesverbände.

          Der DEB bestätigt den Eingang der Dokumente, bewertet sie aber als „kon­struierten Vorwurf“, das „Vorgehen des Antragstellers dient ausschließlich der unlauteren Diskreditierung einzelner Personen“. Ohnehin seien die Fragen der Opposition „fristgerecht und vollumfänglich beantwortet“ worden. Es habe auch mehrere Gesprächsangebote zur „umfangreichen Auskunft“ gegeben, die die Kritiker nicht wahrgenommen hätten – was die wiederum anders sehen. Niemand im DEB-Präsidium sei an Aufklärung interessiert, stattdessen sei es nach Bekanntwerden der Vorwürfe im Juni 2021 durch das Magazin „Der Spiegel“ zum Angriff übergegangen.

          Erst sei Druck auf Mitarbeiter sowie die übrigen Landesverbände aufgebaut worden, sich mit Reindl zu solidarisieren. Dann sei der DEB gegen die Kritiker vor Gericht gezogen, habe erfolglos versucht, „Ehrenamtler“ zum „Schweigen zu bringen“, heißt es in dem Schreiben vom 23. Dezember. Insgesamt sei laut der Opposition ein Muster „aus Demütigungen, Verbreitung falscher Tatsachenbehauptungen und unmenschlich-rücksichtslosem Umgang“ zu erkennen.

          Der DEB weist das von sich. Er habe „stets zu verstehen gegeben, dass er sachliche Kritik ernst nimmt und Eingaben im vereinsrechtlich zulässigen Rahmen bearbeitet werden“, heißt es auf Nachfrage. Vielmehr halte er „die Art und Weise des Vorgehens der Kritiker und die entsprechenden öffentlichen Verlautbarungen derselben für unredlich“. Doch die scheinen fest entschlossen, öffentliche Gerichte einzuschalten. „Es ist an der Zeit, dass die Verantwortlichen im DEB die Verantwortung für die Folgen ihrer Handlungen und Entscheidungen übernehmen und über die gebotenen persönlichen Konsequenzen nachdenken“, schrieb Hendrik Ansink und drohte: „Beim Gang an die staatlichen Gerichte muss alles auf den Tisch – dann ist vieles in der weiteren Entwicklung irreversibel, liegt nicht mehr allein in einer Hand.“

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