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Deutsche Sporthilfe : Ann Kathrin Linsenhoff gibt auf

  • -Aktualisiert am

Es kann nur einen geben: Ann Kathrin Linsenhoff will nicht mit Hans Wilhelm Gäb weitermachen Bild:

Nach einer Nacht Bedenkzeit reicht die Vorstandsvorsitzende der Stiftung Deutsche Sporthilfe ihren Rücktritt ein. Grund: Fehlendes Vertrauen zu Aufsichtsratchef Hans Wilhelm Gäb.

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          Nur rund dreizehn Stunden lagen zwischen der Pressemitteilung der Stiftung Deutsche Sporthilfe zur sonntäglichen Aufsichtsratssitzung mit der Überschrift „Vertrauen für Hans Wilhelm Gäb und Ann Kathrin Linsenhoff“ und der Rücktrittsankündigung Frau Linsenhoffs als Sporthilfe-Vorstandsvorsitzender. Spätestens am 31. März 2009, teilte sie Montagmittag mit, werde sie das Ehrenamt aufgeben. Nun hat ihr Machtkampf mit dem Aufsichtsratvorsitzenden Gäb die Stiftung endgültig in eine schwerwiegende Führungskrise gestürzt.

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          „Durch die Vorkommnisse der vergangenen Wochen fehlt jegliches Vertrauen zwischen Hans Wilhelm Gäb und meiner Person“, heißt es in der Linsenhoff-Pressemitteilung auf Sporthilfe-Briefpapier. Sie habe dem Aufsichtsrat nach dessen Sitzung schon am Sonntag informiert, das sie „keine Basis für eine weitere Zusammenarbeit sehe“ und zum Jahresende das Amt niederlegen werde. „Im Sinne der Stiftung“ komme sie der Bitte um eine Fristverlängerung nach, „um eine geordnete Übergabe sicherzustellen“.

          Linsenhoffs Stellungnahme macht den Bruch mit Gäb deutlich

          „Ich habe mein Amt mit großer Freude ausgeübt, um dem Sport auch etwas zurückzugeben“, schrieb die frühere Dressurreiterin und Mannschaftsolympiasiegerin von 1988. „Sollte sich die personelle Situation des Aufsichtsrates an entscheidender Stelle ändern, bin ich daher gerne bereit, für die Stiftung Deutsche Sporthilfe, den deutschen Sport und die Aktiven erneut langfristig Verantwortung zu übernehmen.“ Eine Stellungsnahme, die den Bruch mit Gäb und ihre Bedingung für eine Umkehr noch einmal deutlich machte.

          Die Erklärung des Aufsichtsrats war im Unterschied dazu weniger klar formuliert, hatte aber dennoch den Sieger der Auseinandersetzung erkennen lassen: Gäb. „Der Aufsichtsrat der Stiftung Deutsche Sporthilfe hat in einer außerordentlichen Sitzung am 21. 9. 2008 sowohl dem Aufsichtsrat-Vorsitzenden Hans Wilhelm Gäb als auch der Vorsitzenden des Vorstands Ann Kathrin Linsenhoff das Vertrauen ausgesprochen. Der Aufsichtsrat hat festgestellt, dass der Vorstand der Stiftung seit seiner Neubesetzung am 1. 1. 2008 über uneingeschränkte Handlungsfreiheit verfügt hat und dass der Aufsichtsrat selbst die in der Verfassung vorgesehenen Rechte pflichtgemäß wahrgenommen hat.

          Gäb: „Ich habe ihr ungefragt keine Ratschläge gegeben“

          Der Aufsichtsrat hat auch sein Auswahl- und Berufungsrecht für die Mitglieder des Vorstands ausdrücklich bekräftigt. In diesem Zusammenhang bedauern beide Seiten die Irritationen, die bei der zum Teil öffentlichen Diskussion um die Zuwahl von Kandidaten in den Vorstand (konkret ging es um den Fernsehmoderator Johannes Kerner als möglichen stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden/die Redaktion) aufgetreten sind. Der Vorwurf, der Aufsichtsrat habe in diesem Fall ,nicht sauber‘ gehandelt, ist unberechtigt.“ Für Ann Kathrin Linsenhoff besaß die Vertrauenserklärung offenbar keinen Wert.

          Gäb hat Linsenhoff wegen ihrer Amtsführung, mangelnder Teamfähigkeit, auch gegenüber dem hauptamtlichen Apparat der Sporthilfe, und wegen eines Interessenskonflikts mit ihrer Position als stellvertretende Vorsitzende des Kinderhilfswerks Unicef kritisiert. Den Linsenhoff-Vorwurf der Gängelei weist er zurück. „Ich habe nie eingegriffen, ihr ungefragt keine Ratschläge gegeben und mich nicht operativ eingemischt. Ich habe nicht versucht, sie zu dominieren. Es war Frau Linsenhoff, die schon im Januar, ohne dass ich es ahnte, den Vorsitzenden der Geschäftführung Michael Ilgner angewiesen hat, keine Gespräch mit mir zu arrangieren.“

          Gäb behauptet, mit Linsenhoff nie über Sachfragen gesprochen zu haben

          Dabei habe sie vor ihrer Wahl ausdrücklich um seine Unterstützung und auch von Jürgen Hubbert, dem Vorsitzenden des Stiftungsrates, gebeten. „Ohne Frau Linsenhoffs Bitte, sie zu unterstützen, hätte ich mich total zurückgezogen. Mein einziges Ziel war ihr Erfolg, denn ich hatte ihr mein Amt ja voller Vertrauen übergeben und mich für sie stark gemacht.“

          Er habe sie „mit viel Liebe und Sympathie“ als seine Nachfolgerin ausgesucht, behauptete der ehemalige Autobilmanager und Tischtennis-Nationalspieler. In den bisherigen knapp neun Monaten ihrer Amtszeit habe er, so Gäb, nur einen einzigen Außenauftritt absolviert, das sei seine politische Rede bei der Eröffnung der „Hall of Fame“ in Berlin gewesen – auf Bitten Frau Linsenhoffs. Er habe mit ihr niemals über Sachfragen geredet, meint Gäb.

          Michael Gross nennt Rücktritt eine Katastrophe

          Mit großem Bedauern hat Rolf Müller, Präsident des Landessportbundes Hessen den Rücktritt von Ann-Kathrin Linsenhoff zur Kenntnis genommen. Sie habe die Stiftung mit viel Engagement, profunder Sachkenntnis und vor allem dem notwendigen Gespür für die Anforderungen der Zukunft geführt. „Frau Linsenhoffs Rücktritt stellt einen herben Rückschlag für die Institution als solche, möglicherweise aber auch für die von der Stiftung betreuten Sportlerinnen und Sportler dar“, sagte Müller, derzeit Sprecher der Landessportbünde.

          Schwimm-Olympiasieger Michael Gross schlug in dieselbe Kerbe und sagte, ein Rücktritt der Vorsitzenden wäre eine Katastrophe für die Stiftung. Er hoffe noch auf Vernunft im Aufsichtsrat. Der Aufsichtsrat muss nun zusammentreten, um die Nachfolge zu regeln. Ann Kathrin Linsenhoff ist in der 41-jährigen Geschichte der Sporthilfe, nach fünf Männern an der Spitze, die erste Frau als Vorsitzende.

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