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Machtkampf im Hockey : „Wir sind am kritischen Punkt“

Rasante Zweikämpfe: Im Hockey zeigt sich die Dynamik momentan nicht nur auf dem Platz – es brodelt gewaltig im deutschen Verband. Bild: EPA

Im Deutschen Hockey-Bund tobt ein Machtkampf um die Zukunft der bei Olympia erfolgreichsten deutschen Ballsportart. Ehrenpräsident Abel forderte eine Alternative zum Präsidium bei den Wahlen Ende Mai.

          Der Bundestag eines Verbandes ist in der Regel keine hochspannende Angelegenheit. Am 25. Mai in Grünstadt könnte dies ganz anders werden, wenn der Deutsche Hockey-Bund (DHB) mit seinen Landesverbänden und Vereinsvertretern tagen und das Präsidium gewählt werden soll. Nach Monaten, in denen anonyme Briefe in der Hockeyszene die Runde machten und vereinzelt Informationen aus Sitzungen durchgesteckt wurden, machten am Dienstag vier ehemalige Bundestrainer mit ihrem in der F.A.Z. sowie im „Berliner Tagesspiegel“ und in der „Deutschen Hockey Zeitung“ abgedruckten Offenen Brief an das aktuelle Präsidium erstmals öffentlich, dass es im Verband heftig – offen und noch mehr versteckt – brodelt. Nach Lage der Dinge scheint es derzeit ziemlich wahrscheinlich, dass es gleich mehrere Gruppen geben wird, die sich in Grünstadt zur Wahl stellen werden. Der Machtkampf um das Wohl und Wehe des DHB hat begonnen.

          Peter Penders

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

          „Ich stelle mir eine andere Kommunikation vor mit von uns geschätzten ehemaligen Trainern, mit denen wir ja immer noch im Dialog sind“, sagt DHB-Präsident Wolfgang Hillmann auf Anfrage zum Offenen Brief des Quartetts. Zu den alarmierten ehemaligen Bundestrainern gehören neben Peter Lemmen Bernhard Peters, der mit den Herren zweimal die Weltmeisterschaft (2002 und 2006) und einmal die olympische Bronzemedaille (2004), Markus Weise, der mit drei Olympiasiegen (2004 mit den Damen, 2008 und 2012 mit den Herren) Geschichte schrieb und Jamilon Mülders, Dritter mit dem Damen-Team 2016 beim Olympischen Turnier in Rio Dritter. Sie sprechen sich für eine neue Führungsstruktur im Verband aus, beklagen, dass zu viele Probleme auf zu wenigen Schultern verteilt seien. Und sie verweisen explizit auf die Ressorthäufung bei Remo Laschet.

          Compliance-Regeln beachtet

          Der ehrenamtliche Vize-Präsident ist zuständig für die Ressorts Finanzen und Recht. Er hat nach der für viele Hockeyexperten überraschenden Trennung von DHB-Direktor Jan Fischer im vergangenen Sommer kommissarisch dessen Aufgabengebiete Marketing, Kommunikation & Veranstaltungen übernommen. Dass im Juni 2018 die Zusammenarbeit des DHB mit der Agentur „llr msc GmbH“ verkündet wurde, hat für viele Irritationen gesorgt. Zum einen, weil Remo Laschet Partner der mit einem ähnlichen Namen versehenen Rechtsanwaltskanzlei „Legerlotz Laschet Rechtanwälte“ (LLR) ist. Zum anderen, weil der für die Agentur „llr msc gmbh“ tätige Jörg Neuß ebenfalls als Rechtsanwalt in der Kanzlei LLR tätig ist. Außerdem haben beide Unternehmen dieselbe Adresse in Köln.

          DHB-Präsident Hillmann sagt dazu: „Remo Laschet hat keinerlei Gesellschafteranteile an der Agentur. Die Vergabe von Aufgaben an die Agentur, die vom geschäftsführenden Vorstand (des DHB/d. Red.) initiiert wurde und vom Präsidium nach Prüfung genehmigt wurde, erfüllt alle Compliance-Regeln des Good Governance-Codes des Deutschen Olympischen Sport-Bundes, denen wir unterliegen. Sachverhalte, die falsch dargestellt werden, werden nicht dadurch wahr, dass man sie immer wieder wiederholt. “

          Mit Blick auf die im April beginnende Austragung der Heimspielserie in der vom Weltverband geschaffenen „Hockey Pro League“ weist Hillmann darauf hin, dass man dort mit der Sportmarketing-Agentur „Apollo 18“ zusammenarbeiten werde. Zu den Forderungen der ehemaligen Bundestrainer, auf Vorstandsebene sei es unumgänglich, den Nationalteams und auch der Bundesliga jeweils einen stimmberechtigten Sitz zu verschaffen, erklärt der Präsident: „Es gibt diese Positionen, und sie werden auch wahrgenommen. Die Bundesliga hat ihre Stimme im Vorstand durch unseren Sportdirektor und im Präsidium durch unsere Vizepräsidentin Sport. Die Athleten sind durch die Athletensprecher Janne Müller-Wieland und Martin Häner im Präsidium vertreten.“

          Viele Szenarien denkbar

          In die verworrene Gemengelage hat sich auch Hillmanns Vorgänger Stephan Abel eingeschaltet. Der Ehrenpräsident des Deutschen Hockey-Bundes sieht sich in der Pflicht, „Dinge, die veränderungswürdig sind und überdacht werden müssen, zu begleiten“. Er hält auch einzelne Punkte des Offenen Briefes der Bundestrainer für bedenkenswert. Den von vielen kritisierten möglichen Interessenskonflikt bei der Vergabe von Aufgaben an eine einem Präsidiumsmitglied zumindest nahestehenden Agentur sieht er nicht. „Aber man tut sich natürlich keinen Gefallen, den Anschein eines potentiellen Interessenkonflikts zu initiieren. Ich hätte das nicht gemacht, und von außen sieht man die Dinge manchmal anders und klarer“, sagt Abel. Aus Sicht des Kölners laufen grundlegende Dinge im Deutschen Hockey-Bund derzeit falsch. So seien anonyme und mit viel Fach- und Sachkenntnis verfasste Briefe ein deutlicher Beleg, dass es kein Vertrauen zu handelnden Personen gebe: „Wir sind in einer sehr kritischen Situation.“

          Dass er beim Bundestag noch einmal als Kandidat antreten werde, hält Abel derzeit für ausgeschlossen, „aber man weiß ja nie, wie ein Bundestag so läuft“. Vornehmlich versucht er momentan, eine Gruppe zusammen zu stellen, „die nicht nur Dinge kritisiert, sondern sich aus Sorge um unseren Sport auch engagieren will. Es sollte auf dem Bundestag eine Alternative geben.“ Da Abel für den Bundestag keine Blockwahl befürwortet – die es angesichts der großen Kritik am Präsidium ohnehin kaum geben wird –, ist so auch ein Szenario denkbar, dass der mit ihm befreundete Vize-Präsident Remo Laschet in Abels „Schattenkabinett“ eine Rolle spielt und Hillmann aus dem Amt gedrängt werden soll. „Ich arbeite mit Remo Laschet sehr vertrauensvoll zusammen“, sagt Hillmann dagegen: „Es gibt keinen Landes-Vorsitzenden, der mich nicht unterstützt. Und wenn es Gegenkandidaten beim Bundestag gibt, dann ist das halt so. Ich stelle mich der Verantwortung und einem demokratischen Prozess.“

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