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Hörmann übt Druck aus : Drohbrief vom DOSB

Noch Präsident des DOSB: Alfons Hörmann Bild: dpa

Alfons Hörmann versucht, ein früheres DOSB-Vorstandsmitglied zu einem Bekenntnis in der Affäre um den „anonymen Brief“ zu zwingen. Karin Fehres weist die „Unterstellungen“ als „absurd und haltlos“ zurück.

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          Der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Alfons Hörmann, und sein Führungsgremium haben mit massivem Druck versucht, ein früheres Vorstandsmitglied des Dachverbandes zu einem Bekenntnis in der Affäre um den „anonymen Brief“ zu zwingen. Das geht aus einem Brief hervor, den Karin Fehres am 9. November unter anderem dem Präsidium und dem Vorstand geschickt hat. Das Schreiben liegt FAZ.NET vor.

          Anno Hecker
          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Darin schildert Frau Fehres, bis Dezember 2020 Vorstand Sportentwicklung im DOSB, dass eine Berliner Anwaltskanzlei im Auftrag von Hörmann und des DOSB-Vorstands ihr schriftlich unterstellt habe, Autorin des im Mai veröffentlichten „anonymen Briefes“ zu sein, in dem von einer „Kultur der Angst“ im DOSB unter Hörmann die Rede ist. In ihrem Brief schildert Frau Fehres, wie Hörmann und der DOSB ihr gegenüber die Behauptung begründeten. Demnach „läge ein Gutachten eines Sprachsachverständigen vor, in dem festgestellt werde“, schreibt Frau Fehres und zitiert dann aus dem Anwaltsschreiben, „dass der offene Brief nur von Ihnen stammen kann“. Daher solle das Gutachten, so setzt sie ihre schriftliche Reaktion fort „(...) als Beweismittel vor den Ermittlungsbehörden bzw. den Gerichten dienen.“

          Karin Fehres weist die „Unterstellungen“ als „absurd und haltlos“ zurück. „Ich weise sie nachdrücklich und mit aller Entschiedenheit zurück und stelle unmissverständlich klar: Ich habe die anonyme Mail vom 6. Mai 2021 nicht verfasst, und ich habe in keinster Form daran mitgewirkt.“

          Hörmann und die DOSB-Führung sehen sich durch die anonyme Mail schwer belastet. Das schreiben sie nach Angaben von Karin Fehres im Anwaltsbrief: „Zahlreiche Medien griffen den offenen Brief wie auch die darauffolgende Empfehlung der Ethikkommission auf, um Herrn Hörmann und den DOSB zu kritisieren. Die zulasten unserer Mandantschaft eingetretene Rufschädigung ist immens.“

          Bereits vor dem anonymen Brief hatte es Klagen über die Amtsführung von Hörmann gegeben. Er hat nach der Empfehlung der Ethikkommission des DOSB, sich aus verschiedenen Gründen einem Misstrauensvotum zu stellen, seinen Rückzug vom Präsidentenamt bei der Mitgliederversammlung Anfang Dezember bekanntgegeben. Wie zu hören ist, will der scheidende DOSB-Chef Ehrenpräsident werden. Dagegen regt sich teilweise Widerstand.

          Frau Fehres macht in ihrem Brief auch deutlich, wie sie unter Druck gesetzt wurde. Im Schreiben des Rechtsanwaltes vom 13. Oktober ist ihr vorgeschlagen worden, einen Deal einzugehen. Der DOSB und der Präsident hätten ihr ein vermeintliches Entgegenkommen angeboten, schreibt Frau Fehres und zitiert dann wieder aus dem Angebot der Kanzlei an sie, „(...) auf die gerichtliche Geltendmachung von Unterlassungsansprüchen und die Erstattung einer Strafanzeige zu verzichten, wenn Sie sich zur Autorenschaft des offenen Briefes vom 06.05.2021 bekennen und gemeinsam mit unserer Mandantschaft an einer Erklärung gegenüber der Presse und den Medien mitwirken, in der Sie einräumen, den offenen Brief allein verfasst zu haben.“ Im Gegenzug sei ihr Anonymität zugesagt worden. Und eben der Verzicht auf eine Strafanzeige.

          „Die ungerechtfertigten Behauptungen und Vorwürfe des DOSB und von Herrn Hörmann machen mich fassungslos. Die juristische Relevanz der unbegreiflichen Aufforderung, ich möge eine wahrheitswidrige Erklärung zur Autorenschaft (...) abgeben, sowie weitere Ungereimtheiten in dem Schreiben der Berliner Anwaltskanzlei lasse ich von der Anwaltskanzlei Thon & Partner prüfen“, fügte Frau Fehres hinzu. Ein Schreiben vom 26. Oktober mit der Bitte um unverzügliche Aufklärung sei bis heute (9. November/d.Red.) unbeantwortet geblieben.

          Frau Fehres ist nach eigener Darstellung schon vor dem Anwaltsschreiben vom 13. Oktober von einer Wiesbadener Kanzlei aufgefordert worden, Auskunft zu dem anonymen Brief zu geben. Das habe sie nach Rücksprache mit der Ethik-Kommission des DOSB abgelehnt, da sie an der Untersuchung dieses Gremiums zum Fall „vollumfänglich“ mitgewirkt habe. Karin Fehres zitiert dazu eine Beurteilung der Ethik-Kommission unter Leitung des früheren Bundesinnenministers Thomas de Mazière: „Wir sind einmütig der Auffassung, dass wir die rechtsanwaltliche Beauftragung durch den DOSB Ihnen gegenüber für nicht zielführend und unangemessen halten.“ Der DOSB-Vorstand, teilt Frau Fehres mit, ist darüber informiert worden.

          Transparency fordert Neustart

          Einen eklatanten Mangel an Verständnis von guter Verbandsführung sieht die Antikorruptionsorganisation Transparency International im DOSB durch das Schreiben an Karin Fehres. Zu „Good Governance“ gehöre neben den strukturellen Grundlagen und Regeln „immer auch die Integrität der Verantwortlichen an der Spitze“, erklärt Nicole Espey, Leiterin der Arbeitsgruppe Sport von Transparency Deutschland.

          Der Vorwurf einer „Kultur der Angst“ im DOSB, wie er in dem anonymen Schreiben im Mai erhoben wurde, werde durch das jetzige Vorgehen voll und ganz bestätigt. Die DOSB-Spitze habe aus Sicht von Transparency überhaupt nicht verstanden, worum es bei den Beschwerden aus der Mitarbeiterschaft gehe. Deshalb fordert die Organisation einen kompletten Neustart im Hinblick auf „Good Governance“ im DOSB.

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