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Pläne des DOSB : Zoff um die Trainerakademie

Nicht mehr erwünscht: Thomas Weikert soll in den Planungen des DOSB keine Rolle mehr spielen. Bild: Picture-Alliance

Der DOSB und sein Präsident Alfons Hörmann wollen Thomas Weikert als Vorstandsvorsitzenden des Trägervereins ablösen – gegen dessen Willen. Der Verband tut das aus einem bestimmten Grund.

          Als forderte die Reform des Spitzensports in Deutschland sie nicht genug, haben der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und sein Präsident Alfons Hörmann einen Streit mit der Trainerakademie Köln vom Zaun gebrochen. Praktisch aus heiterem Himmel kündigte Hörmann der Einrichtung an, Dirk Schimmelpfennig, im Vorstand des DOSB für Spitzensport zuständig, solle Vorstandsvorsitzender von dessen Trägerverein werden – „in Nachfolge von Herrn Thomas Weikert“.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Doch der Mann, dessen Nachfolge Hörmann regeln will, möchte gar nicht aufhören. Weikert, Rechtsanwalt und Präsident des Welt-Tischtennisverbandes ITTF, erinnert sich, dass 2008 noch Thomas Bach, der heutige Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), ihn bekniet habe, den Posten zu übernehmen. Nun will er sich nicht mit einem vier Sätze langen Brief abservieren lassen, in dem Hörmann verlangt: „Ich darf Sie bitten, diese Personalien auf Ihrer Mitgliederversammlung am 24. November zu bestätigen.“ Demnach solle Schimmelpfennig zusätzlich auch einen vakanten Posten im Kuratorium übernehmen und die ehemalige Fechterin Britta Heidemann, als Mitglied der Athleten-Kommission des IOC auch Vorstandsmitglied des DOSB, einen Posten im Vorstand des Trägervereins übernehmen.

          Orientieren und informieren

          Weikert hat die Vollversammlung mit Vorstandswahl, die auf den 24. November terminiert war, abgesagt. Zunächst müsse sich der Vorstand orientieren und die Mitglieder informieren, sagt er. Weikert bestreitet das Recht des DOSB, den Posten des Vorstandsvorsitzenden zu besetzen, schon gar mit einem hauptamtlichen Mitarbeiter. Er verurteile die Vorgehensweise des DOSB, schreibt er Hörmann, „die uns erstmals mit Zugang Ihres Schreibens am 10.11.2016 bekannt gemacht wurde“. In seiner Antwort vom 14. November heißt es weiter: „Öffentlich und per Brief eine Ablösung an der Spitze der Akademie anzustreben, ohne die bisher Verantwortlichen im geringsten darüber zu informieren und mögliche Beweggründe zu nennen, widerspricht den Geboten des Fairplay und den moralischen Grundsätzen in einer Sportorganisation. Ihre Vorgehensweise ist des Deutschen Olympischen Sportbundes nicht würdig.“

          Die Auseinandersetzung ist auch deshalb pikant, weil Weikert und Schimmelpfennig ein Jahrzehnt lang im Deutschen Tischtennis-Bund zusammenarbeiteten, der eine als Präsident, der anders als überaus erfolgreicher Sportdirektor. „Ich will vermeiden, dass dies persönlich wird“, sagt Weikert. Schimmelpfennig gehörte während seiner Zeit beim Tischtennis-Bund dem Kuratorium der Trainerakademie an. Alle olympischen Sportverbände Deutschlands sind Mitglied des Trägervereins.

          Die Einrichtung, um deren Führung es geht, heißt offiziell „Trainerakademie des DOSB“. Das Budget von 643 000 Euro tragen in erster Linie der Bund und das Land Nordrhein-Westfalen. Der DOSB hat erst in diesem Monat angekündigt - auch dies für die Führung der Akademie völlig überraschend -, seinen finanziellen Beitrag um 5000 auf 33.000 Euro zu reduzieren. Akademiedirektor Lutz Nordmann sagt, er sei entsetzt. Die Finanzierung erfolge anhand eines Verteilerschlüssels. Deshalb gefährde die einseitige Reduzierung die Unterstützung durch die beiden größeren Zuwendungsgeber. Der Schaden für die Einrichtung könnte wesentlich größer sein als die Summe, die der DOSB einspart.

          Die Satzung der Akademie schreibt vor, dass ein Mitglied des fünfköpfigen Vorstands Vertreter des DOSB zu sein habe; dies soll Britta Heidemann werden. Der oder die Vorsitzende wird demnach „auf Vorschlag des Präsidiums des DOSB von der Mitgliederversammlung berufen“. Weikert kann nicht gegen das Votum des DOSB wiedergewählt werden, er müsste für eine neue Amtszeit von diesem vorgeschlagen werden. „Das Juristische war ein Hilfsargument“, sagt Weikert. „In erster Linie geht man anständig miteinander um.“

          DOSB-Chef Alfons Hörmann

          Michael Vesper, der Vorstandsvorsitzende des DOSB, erklärte gegenüber der F.A.Z.: „In der Diskussion zur Leistungssportreform gibt es eine Konstante: Allenthalben wird vom DOSB mehr sportfachliche Führung und klarere Steuerung im Leistungssport erwartet. Die will der DOSB auch ausüben, und im Zuge dessen hat das Präsidium beschlossen, bei der turnusmäßigen Neuwahl des Vorstands Ende dieses Jahres Dirk Schimmelpfennig für den Vorsitz der Trainerakademie des DOSB zu nominieren.“

          Vermutlich hat der Griff des DOSB nach dem Vorsitz des Vorstands der Trainerakademie Köln damit zu tun, dass die Ausbildung von Spitzensportpersonal gestrafft und professionalisiert werden soll. Dies ist Bestreben des DOSB in der gesamten Spitzensportreform. Da bereits eine Traineroffensive des deutschen Sports nahezu wirkungslos verpufft ist, rückt nun die fehlende Ausbildung von Spitzensportpersonal in den Fokus der Reformer.

          In Zusammenarbeit mit der Deutschen Sporthochschule Köln kann die Trainerakademie Köln ihren Absolventen einen Bachelor-Abschluss anbieten. Seit ihrer Gründung 1974 haben sich rund 1300 Absolventen in dem drei Jahre langen, berufsbegleitenden Studium als „staatlich geprüfte Trainerin/staatlich geprüfter Trainer des Landes Nordrhein-Westfalen“ qualifiziert und den Titel erworben, der heute lautet: Diplom-Trainer des DOSB.

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