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25 Jahre Wiedervereinigung : Der deutsche Sport lebt vom DDR-Erbe

  • -Aktualisiert am

Erste Wiedervereinigung: Die Fahnenträger Gabriele Lippe aus der Bundesrepublik und Ulf Timmermann aus der DDR bei der Abschlussfeier der Leichtathletik-EM 1990 in Split Bild: dpa

15 Prozent der Bevölkerung stellen in einer Sportart 70 Prozent der Olympiateilnehmer. Seit der Einheit hat sich im Sport in Ost und West kaum etwas geändert.

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          Der Blick zurück auf die Olympischen Spiele in London 2012 und Sotschi 2014 mutet kurios an: Da stellen Bundesländer, die kaum einen Bruchteil der Bevölkerung ausmachen, in zahlreichen Sportarten fünfzig bis achtzig Prozent der Olympiakader - und in anderen kaum einen Athleten. In Kanu, Rad und Rudern, in Bob und Nordischer Kombination ist der Osten top, in Reiten oder Hockey dagegen flop. Mancher mag sich erinnern: Das sah im Medaillenspiegel Olympischer Spiele zu Zeiten des Kalten Krieges ähnlich aus. Aber kann das sein? Das Bild, das gleiche - 25 Jahre nach dem Ende der DDR?

          „Es ist ein Weiterleben alter Muster“, sagt der Sportsoziologe Eike Emrich. Die DDR hatte in den sechziger Jahren auch den Sport zu einer Planwirtschaft gemacht: Gefördert wurde nur, was im Wettstreit mit dem politischen Klassenfeind aus dem Westen möglichst viele Medaillen versprach. Die Kinder- und Jugendsportschulen sowie Sportklubs als Zentren des Spitzensports konzentrierten sich also zum Beispiel auf Leichtathletik, Rad und Rudern oder Bob und Rodeln - alles Sportarten, in denen Erfolg „steuerbar“ war, jedenfalls einfacher zu erreichen als in komplexen Mannschaftssportarten.

          Auch der finanzielle Aufwand für eine Medaille erschien den Funktionären zu hoch. Dass Fußball und Handball im Spiel blieben, hing mit der Popularität, den Erfolgen und dem Interesse der DDR zusammen, dem erfolgreichen Westen nicht das Feld in diesen Sportarten überlassen zu wollen. Basketball, Hockey und andere wurden fallengelassen. Den Verlust an Vielfalt nahm der Osten gern in Kauf: Bis zur Wiedervereinigung scheffelte die DDR 755 Olympiamedaillen, davon 203 goldene.

          Bei den Sommerspielen in London 2012 nun stammten von Radfahrern und Rennkanuten 50 Prozent der Athleten aus den neuen Ländern, in Judo, Rudern, Schießen und Leichtathletik immer noch 40 Prozent. Dagegen war der Osten in Reiten, Tennis und Hockey mit null bis 2,8 Prozent fast gar nicht vertreten. Die Mannschaft bei den Winterspielen in Sotschi stellte sich ähnlich kontrastreich dar: Hier lag der Ost-Anteil Snowboard, Ski Freestyle und alpin bei null Prozent - dagegen bei den Nordischen Kombinierern bei 60, im Rodeln, Bob und Skeleton sogar zwischen 70 und 80 Prozent. Gefördert und kaum berücksichtigt - beides findet sich in der Gegenwart wieder, ein Stillstand, 25 Jahre nach der Einheit.

          Infrastruktur und Tradition als Grundlage

          Funktionären, so scheint es, ist es nach der Wiedervereinigung nicht gelungen, den Sport zu entwickeln. Aber warum? Man hat es sich schlichtweg zu leicht gemacht, sagt Emrich: Da die DDR früher in Leichtathletik und Kanurennsport erfolgreich gewesen sei, sei das noch immer in den Köpfen der dort lebenden Menschen. Außerdem waren Athletikanlagen, Skischanzen und Eisbahnen schon da - ebenso das „Knowhow“ aus fast drei Jahrzehnten hochkonzentrierter Trainerarbeit.

          Die Eliteschulen des Sports, Nachfolgeeinrichtungen der früheren Kinder- und Jugendsportschulen der DDR, wurden ebenso wie die Verbandsarbeit vornehmlich auf Altbewährtes ausgerichtet. Zumal die alten und neuen Funktionäre kein Interesse hatten, von den beschränkten Mitteln und ihrer Macht etwas abzugeben.

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