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Dennis Rodman : Liebesgrüße an Pjöngjang

Irre Freundschaft: Schriller Provokateur trifft schrecklichen Herrscher Bild: REUTERS

Der frühere NBA-Star Dennis Rodman ist wieder auf Irrfahrt und organisiert ein Spiel zu Ehren des nordkoreanischen Diktators Kim Jong-un.

          Dennis Rodman hat’s wieder einmal bunt getrieben im tristen Nordkorea. Als er am Freitag in der volkseigenen Sporthalle saß und ein paar Basketballspieler aus dem Reich des Kim Jong-un auf ihre Tauglichkeit für ein Spiel gegen alte NBA-Kämpen prüfte, trug er ein Hemd in Rosa, einen fliederfarbenen Schal und den dazu passenden Silberschmuck an den gepiercten Körperteilen Nase, Ohr und Lippe. Dazu schmauchte Rodman eine Zigarre – während des Basketball-Castings.

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Der schrille Amerikaner, fünfmaliger Meister in der amerikanischen Profiliga NBA und 52 Jahre alt, gab äußerlich den Dandy, versteht sich aber selbst als „Sport-Diplomat“. Als einer allerdings, der sich um Moral nicht schert und den die brutalen Machenschaften des nordkoreanischen Diktators nicht bekümmern.

          Einige Tage vor Ankunft des Amerikaners am vergangenen Donnerstag in Pjöngjang hatte Kim Jong-un seinen Onkel und Mentor Song-thaek wegen Landesverrats hinrichten lassen. Doch Rodman kann oder will die Bestürzung der Welt über die anhaltende Gewaltherrschaft nicht teilen. „Ich kann nicht kontrollieren, was sie sagen oder wie sie die Dinge hier machen“, sagte er in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AP. „Ich versuche, hier als Sportler herzukommen, und hoffe, ich kann die Tür für eine Menge Menschen in das Land öffnen.“

          Basketball-Casting im rosa Hemd: „Ich versuche, hier als Sportler herzukommen“

          In Wahrheit dient auch seine dritte Reise nach Nordkorea in diesem Jahr nicht humanitären Zwecken, sondern der Publicity. Bezahlt wurden Rodmans Trips vom irischen Wettbüro „Paddy Power“, dem amerikanischen Magazin „Vice“ und dem Fernsehkanal HBO. In diesen Tagen bereitet der unverbesserliche Rodman ein Freundschaftsspiel zwischen einer nordkoreanischen Auswahl und früheren NBA-Akteuren zu Ehren von Kim Jong-un vor. Die Partie soll am 8. Januar steigen, dem Geburtstag des Diktators. Familiäre Hinrichtung hin oder her.

          Rauschende Partys im Hungerland

          International hat sich das kommunistische Nordkorea zwar isoliert, aber das hindert den Enkel des „Großen Führers“ Kim Il-sung nicht daran, den Sportsfreund aus dem verfeindeten Amerika mit Wein und rauschenden Partys zu verwöhnen, während das Volk weiter hungert.

          Schon im Februar, bei seiner ersten Reise auf dem Höhepunkt des Atomstreits zwischen Nordkorea und den Vereinigten Staaten, hatte sich Rodman Kritik und Häme anhören müssen. Diesmal wird von offizieller amerikanischer Seite versucht, die Irrfahrt des einstigen Chicago-Bulls-Stars herunterzuspielen. „Rodman ist ein großartiger Basketballspieler. Und als ein Diplomat ist er ein großartiger Basketballspieler“, sagte Außenminister John Kerry im Fernsehsender NBC. Doch Menschenrechtsaktivisten sehen mit Schaudern, wie sich Rodman einem Diktator an den Hals wirft und ihn voller Stolz „meinen Freund“ nennt.

          Duo Infernale: Kim Jong-un und Dennis Rodman

          Der in Nordkorea geborene Menschenrechtler Shin Dong-hyuk, dem nach langer Haft die Flucht aus der Heimat gelang, schrieb einen offenen Brief an Rodman, den die Zeitung Washington Post in der vorigen Woche veröffentlichte. Darin klärt er Rodman auf, dass viele Nordkoreaner wie er selbst grundlos in Konzentrationslager verfrachtet und gefoltert würden. „Wenn Sie ihren Spaß haben mit dem Diktator, dann denken Sie bitte daran, was er und seine Familie getan haben und weiter tun“, schreibt Shin Dong-hyuk: „Vielleicht können Sie Ihre Freundschaft und Ihre gemeinsame Zeit nutzen, damit er versteht, dass er die Macht hat, die Lager zu schließen und die Wirtschaft wieder in Gang zu bringen, damit jeder sich etwas zu essen leisten kann.“

          Nichts deutet darauf hin, dass sich der am ganzen Körper tätowierte und auch sonst schrille Provokateur sich um mehr kümmert als um die Organisation des Fest-Spiels zu Kim Jong-uns Geburtstag. Bislang reißen sich seine früheren NBA-Kollegen nicht um einen Einsatz – trotz Rodmans besten Grüßen. Keine Bange, lautet seine Botschaft aus Nordkorea, „es ist alles Liebe hier“.

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