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Debatte um Militärgruß-Jubel : Eine Frage der Ehre

Erdogan nutzt den Fußball: Die Debatte nutzt der Agenda des Staatspräsidenten. Bild: dpa

Die Debatte um den Militärsalut ist Wasser auf Erdogans Mühlen: Ihm helfen sowohl die Solidaritätskundgebungen türkischer Spieler wie auch die Reaktionen der europäischen Medien.

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          Welche Konflikte auch immer die Türkei beschäftigen oder gar zerreißen: Der Fußball als Resonanzboden der türkischen Gesellschaft gibt sie wie in einem Mikrokosmos wieder. So spiegelt sich der Kurdenkonflikt in den Schwierigkeiten des Zweitligaklubs Amed aus der Kurdenmetropole Diyarbakir, im Jahr 2013 waren die Ultras der Vereine Besiktas und Fenerbahce eine starke Stütze der Gezi-Protestbewegung, und der neue Istanbuler Oberbürgermeister Ekrem Imamoglu verdankte seine Wahl im Juni nicht zuletzt den Fußballfans, deren Herzen er gewann. Was nicht ohne Konsequenzen blieb. In den letzten Spielen vor der Wahl am 23. Juni skandierten die Fans in den Istanbuler Stadien Imamoglus Wahlslogan „Her sey güzel olacak“, alles werde gut.

          Das forderte Staatspräsident Erdogan heraus. Denn Imamoglu machte ihm nun dort Konkurrenz, wo er für sich ein Alleinstellungsmerkmal glaubte. Beide, Erdogan und Imamoglu, waren begabte Fußballamateure, und beide haben erkannt, dass Fußball in einem fußballverrückten Land wie der Türkei die beste Möglichkeit ist, die Massen zu erreichen. Die Verbindung zum Fußball bringt Wähler. Nun aber gibt es einen Rivalen, der ebenfalls bei öffentlichen Auftritten überzeugend den Schal eines Fußballklubs trägt.

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