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Debatte um die Sportförderung : Harter Kampf ums Geld

Athletensprecher Max Hartung (rechts) in Aktion beim Säbelfechten. Bild: AFP

In der Debatte um die Förderwürdigkeit des deutschen Sports kommt es zu zahlreichen Reaktionen. Während für manche die Kritik am Sport nicht „von der Hand zu weisen“ ist, klagen direkt Betroffene über drängende Probleme.

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          Der Bericht des Bundesrechnungshofes (BRH) über die Förderwürdigkeit der deutschen Spitzensportreform hat zu zahlreichen Reaktionen in Sport und Politik geführt. „Er ist an Klarheit und Deutlichkeit kaum zu übertreffen“, sagte der SPD-Abgeordnete Martin Gerster der F.A.Z. Gerster ist Hauptberichterstatter für den Einzelplan 06 im Haushaltsausschuss: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein starker Aufwuchs der Sportförderung möglich ist ohne eine vorherige intensive Auseinandersetzung mit der Bewertung des Bundesrechnungshofs.“

          Anno Hecker
          Verantwortlicher Redakteur für Sport.
          Michael Reinsch
          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Nach Angaben des BRH sind die Bedingungen für eine signifikante Erhöhung des Spitzensportetats nicht erfüllt. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hatte für 2018 ursprünglich einen Zuschlag von 71 Millionen gefordert und für die nächsten Jahre bis zu 134 Millionen. 2018 betrug das Budget des Bundesinnenministeriums 175 Millionen Euro. Die neue Regierung hatte dem Sport von 2019 an im Haushaltsplan 30 Millionen Euro zugebilligt, mehr als zwei Drittel weniger als gefordert. Da der Bericht des Bundesrechnungshofes als Grundlage für die Beratungen der Haushälter dient, wie Gerster erläuterte, steht der Sport vor einem schweren Kampf um eine große Mittelerhöhung.

          Unterstützung erhielt er am Freitag von Stephan Mayer, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesinnenministerium (CDU). „Ich empfinde die Kritik des Bundesrechnungshofes nicht als so dramatisch, weil man bei der Umsetzung der Spitzensportreform noch nicht so weit ist, wie man ursprünglich sein wollte“, sagt er. „Ich bin zuversichtlich, dass dies in einem intensiven und konstruktiven Dialog mit allen Beteiligten in den kommenden Monaten gelingen wird. In der Folge sehe ich gute Chancen für einen signifikanten Aufwuchs bei den Fördermitteln.“ Unterdessen bittet die Athletenkommission den Innen- und den Finanzminister sowie die Fraktionsvorsitzenden im Bundestag, die Streichung von 225.000 Euro zur Unterstützung von „Athleten Deutschland“ aus dem Etat 2018 rückgängig zu machen.

          Mit dem Geld soll eine hauptberufliche Geschäftsstelle zur Athletenvertretung geschaffen werden. „Athleten und Trainer brauchen schnellstmöglich bessere Arbeitsbedingungen“, sagte Athletensprecher Max Hartung. „Ich hoffe, dass wir die Politik davon überzeugen können.“ Die Vorsitzende des Sportausschusses, Dagmar Freitag (SPD), mahnt: „Wir müssen in den bevorstehenden Haushaltsberatungen zwei Dinge im Auge behalten: die Vorgaben des Bundesrechnungshofes, die nicht von der Hand zu weisen sind. Und die Athleten, die darauf warten, dass sich die Bedingungen, unter denen sie Sport treiben, verbessern.“

          Während ein Olympiastützpunktleiter gegenüber der F.A.Z. von einem Desaster sprach, weil er Trainer nach den Versprechungen von Sport und Politik nur mit der Aussicht auf Gehaltsaufbesserungen noch in diesem Jahr habe halten können, reagierte der DOSB bis zum Freitagnachmittag nicht auf die Bitte um eine Stellungnahme.

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