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Sportförderung : Leere Versprechen

Alfons Hörmann und Thomas de Maizière: Mit dem Sport sei verabredet, dass es nach der Reform mehr Geld geben werde. Bild: dpa

Mit einer Reform soll es mehr Geld für den Sport geben – das verspricht zumindest de Maizière. Die Verhandlungen beginnen jedoch erst nach der Wahl im September. Aber warum sollte ein möglicher neuer Minister vage Versprechen seines Vorgänger einlösen?

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          „Alter Schwede“, das war das Leitmotiv im Festvortrag von Thomas de Maizière bei der Verleihung der Flatow-Medaille am Dienstag in Berlin. Der Innenminister erinnerte an den Turn-Wettbewerb von London 2012, dessen Reck-Finale er, damals noch Verteidigungsminister, an der Seite von Philipp Boy erlebte. Fabian Hambüchen galt als sicherer Gewinner der Goldmedaille – bis Epke Zonderland kam.

          Der Niederländer reihte eine riskante Übung an die andere und nötigte Boy ein ums andere Mal den Ausruf ab: „Alter Schwede!“ Als Hambüchen vier Jahre später statt Zweiter Olympiasieger wurde, fehlte de Maizière. Dafür war er, nun der für den Spitzensport zuständige Mann in der Bundesregierung, bei deren Reform ganz dicht dran. Weil er forderte, der deutsche Sport müsse dreißig Prozent mehr Gold gewinnen, setzte er gemeinsam mit Alfons Hörmann, dem Präsidenten des Deutschen Olympischen Sportbundes, Änderungen, Straffungen und neue Zuständigkeiten durch.

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          Die Bereitschaft der Verbände, dem bis heute nicht abgeschlossenen Prozess schon auf der Vollversammlung im November 2016 zu fast hundert Prozent zuzustimmen, gewannen de Maizière und Hörmann, wie nun bekannt wird, indem sie eine Steigerung der staatlichen Förderung um knapp vierzig Millionen Euro in Aussicht stellten. Da Finanzminister Wolfgang Schäuble sich weigert, die Summe in den Entwurf des Haushalts aufzunehmen, fühlt sich der Sport geprellt. DOSB und Fachverbände jedenfalls warnen vor dem Scheitern – nicht nur der Reform, sondern auch der Olympia-Kampagne Tokio 2020.

          Dem trat de Maizière nun mit einem Exkurs in seinem Vortrag entgegen. Mit dem Sport sei verabredet, räumte er ein, dass es nach der Reform mehr Geld geben werde (als die derzeit 167 Millionen Euro), und deshalb werde er sich bei den Parlamentariern für eine Erhöhung des Budgets einsetzen; statt von einer Zahl sprach er von substantiellem und nachhaltigem Aufwuchs.

          Die Vertreter der Verbände und Sportorganisationen bat er, den enttäuschenden Haushaltsentwurf nicht ernst zu nehmen. Die eigentlichen Verhandlungen begännen, wie jeder wisse, sobald nach der Wahl im September die neue Regierung ihre Arbeit beginne. Dann werde der Finanzminister die berechtigten Ansprüche des Sports berücksichtigen. Das habe er so mit dem Kollegen Schäuble verabredet.

          Selbst wenn Angela Merkel wieder Kanzlerin werden sollte, was keine Überraschung wäre, ist längst nicht absehbar, welche Koalition ihr Kabinett bilden, ganz zu schweigen davon, ob ihr langjähriger Weggefährte de Maizière als Innenminister zurückkehren wird. Wenn der Spitzensport-Etat 2018 tatsächlich aufgestockt werden sollte, werden die Verbände erst im Laufe des Jahres mit dem Geld rechnen dürfen. Doch steht zu befürchten, dass auch der nächste Innenminister bei seinem Kollegen vom Finanzressort abblitzt. Oder gar nicht erst fragt. Warum sollte ein neuer Minister vage Versprechen seines Vorgängers einlösen? „Alter Schwede!“

          Michael Reinsch
          Korrespondent für Sport in Berlin.

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