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De Maizières Forderung : Geld, Gold, Tradition

  • -Aktualisiert am

Das ist das Ziel: Deutsche Goldmedaillen bei Olympia Bild: Imago

Deutschland gehört nach ganz oben! Das fordert Sportminister Thomas de Maizière. Doch dabei müssten Bund und Gesellschaft tatkräftig helfen. Das kostet viel Geld. Davon aber spricht de Maizière nicht.

          Das wird dem organisierten deutschen Sport gefallen: Sportminister Thomas de Maizière verlangt von der Spitzensportgemeinschaft im Lande geradezu, dem drohenden Absturz einen Aufstieg zurück in die Weltspitze entgegenzusetzen. Und verknüpft diesen Wunsch, man könnte es auch Auftrag nennen, mit Olympischen Sommerspielen in Deutschland – und zwar als nationale Sache, als Kern des Selbstverständnisses: Deutschland gehört nach ganz oben!

          Wenn dem so ist, wenn also ein gesellschaftspolitisches Ziel mit dem Leistungssport erreicht werden soll, dann reicht es nicht, dem naheliegenden Wunsch der Sportfunktionäre rhetorisch zu entsprechen. Der Bund, die Gesellschaft müsste tatkräftig helfen, die Position von Trainern zu verbessern. Junge Athleten in Randsportarten müsste mit überzeugenden Argumenten erklärt werden, dass sie auf dem harten Weg zum Olymp nicht ihre berufliche Zukunft verspielen.

          Das kostet viel Geld. Davon aber spricht de Maizière nicht. Der Ruck, der durch den Sport gehen soll, ist verbunden mit der großen Erwartung, zu sparen. Der Minister spricht von „schmerzhaften Einschnitten“. Dahinter steckt eine unverhohlene Ankündigung: Bei aller Treue zur Breite des Spitzensports könnte manche Disziplin ohne Steuergeld verschwinden.

          Ob dieser Wandel so dramatisch ist, hängt vom Ausmaß ab. Schlimmer ist in jedem Fall die Fortsetzung einer Tradition, die de Maizières Plädoyer suggeriert: sich nicht zu fragen, wie Medaillen zustande kommen. In ganz Deutschland fußt das Bild von der jahrzehntelangen Weltspitze auf einer entsprechend langen Manipulations-Bereitschaft. Solange das Doping-Problem national und schon gar nicht international auch nur annähernd gelöst ist, kann die unbedingte Forderung nach Weltklasse in vielen Sportarten nur wie eine versteckte Aufforderung verstanden werden. Denn ohne Gold gibt’s ja kein Geld.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

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