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Das Spiel mit der Gesundheit : Volkssport Doping

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Volkssport Doping: Die Verbreitung ist flächendeckend Bild: dpa

Deutschland plant ein scharfes Anti-Doping-Gesetz für Profis. Doch sie sind nur die Spitze des Eisbergs. Geschluckt und gespritzt wird überall - auch ganz unten. Die Verbreitung ist flächendeckend.

          10 Min.

          Ben Johnson, Jan Ullrich, Lance Armstrong - überführte Doper allesamt. Wenn die Fahnder einen Eliteathleten erwischt haben, ist die Entrüstung groß. Wie können sie nur! Betrüger, die schlucken und spritzen, die alles dem Erfolg opfern, die Moral und womöglich auch ihre Gesundheit! Der angewiderte Zuschauer wendet sich ab und beklagt das Schlechte in der Welt. Nun soll es den Dopern an den Kragen gehen, die große Koalition plant ein Anti-Doping-Gesetz für Spitzensportler, in Deutschland für rund 7000 Athleten, denen - sollte das Gesetz in der vorgelegten Form beschlossen werden - bis zu drei Jahre Haft drohen, falls sie dopen und dabei erwischt werden. Ein wichtiger Schritt im Kampf gegen Sportbetrug, keine Frage, aber wird man dem Phänomen Doping damit gerecht?

          Man wird es nicht, denn die entdeckten Doper im Spitzensport sind nur das, was spektakulär aus der Masse ragt: die Spitze des Eisbergs. Der Gebrauch leistungssteigernder Substanzen ist kein Phänomen allein des Spitzensports, sondern auch gängige Praxis im Freizeit- und Breitensport. Mehr noch: Millionen von Deutschen werfen sich abseits des Sports - in der Schule, bei der Arbeit, beim Studium - chemische Helfer ein. Die Pharmakologisierung unseres Lebens hat eine Dimension erreicht, gegen die die Exzesse im Spitzensport nur noch wirken wie ein kleiner Anhang. Mehr als 1,5 Millionen Deutsche gelten als medikamentenabhängig.

          Doping-Videografik : Auf Abwegen an die Spitze

          Der Mainzer Psychiater Professor Klaus Lieb geht davon aus, dass rund zwei Millionen Deutsche „Hirndoping“ betreiben, also Medikamente nehmen, die ihr Wohlbefinden steigern, Medikamente gegen Müdigkeit, gegen Prüfungsangst, zur Stimmungsaufhellung, zur Leistungssteigerung. Amphetamine, Beruhigungsmittel, Ritalin - Medikamentenmissbrauch als Alltags-Doping.

          Seuchenartige Verbreitung von Schmerzmitteln

          Im Sport dasselbe Phänomen. Auch hier Medikamentenmissbrauch, wohin man schaut. Und nicht nur in der Spitze, sondern auch ganz unten, angefangen im Fitnessstudio. Der Schmerzmittelkonsum, darüber sind sich die Experten einig, breitet sich in Disziplinen wie Marathon, Triathlon, Schwimmen, Handball, Boxen, Fußball und vielen anderen schon in unteren Wettkampfklassen seuchenartig aus. Beim Gewichtheben und in der Leichtathletik zeigten Stichproben, wie Mario Thevis vom Zentrum für präventive Doping-Forschung an der Sporthochschule Köln sagt, „dass zum Teil 100 Prozent der getesteten Athleten Schmerzmittel genommen haben.“ Beim Bonn-Marathon 2010 räumten von mehr als 1000 Befragten 60 Prozent den Konsum von Schmerzmitteln vor dem Start ein. Beim Boston-Marathon 2005 waren es 61 Prozent der Frauen und 54 Prozent der Männer. Diclofenac und Ibuprofen sind des Läufers liebste Helfer, im Training und im Wettkampf. Beliebt ist auch Tramadol, ein verschreibungspflichtiges Opioid-Analgetikum, das, über längere Zeit angewendet, süchtig macht. Genommen werden die Mittel prophylaktisch - um weniger Schmerz zu spüren während der sportlichen Anstrengung.

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