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Das Spiel mit der Gesundheit : Volkssport Doping

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Die Rolle der Ärzte: „Genügend schwarze Schafe“

Auch die Rolle der Ärzte hat Kläber in seiner Dissertation untersucht - und ist dabei zu erschreckenden Ergebnissen gekommen. „Es gibt genügend schwarze Schafe, um die User-Netzwerke zu versorgen“, sagt er. Doping unterstützende Mediziner geben Präparate ohne medizinische Indikation unter der Hand weiter, verschreiben sie per Privatrezept oder verordnen sie per Scheinindikation. Doping-Ärzte, sagt Kläber, würden weiterempfohlen und hätten oft einen beachtlichen Kundenstamm. „Wenn Sie als Arzt in dieses Szene reingehen, können Sie daraus ein absolut lukratives Geschäftsmodell entwickeln“, bestätigt der Darmstädter Internist Dr. Weimer. Bei einer Studie von 2011 im Raum Frankfurt waren es 28 Prozent der „User“, die sich über einen Arzt eindeckten. Jeder Mediziner, sagt Weimer, habe die Möglichkeit, eine Indikation zu stellen und aufgrund dieser Indikation zu verordnen. Ein Fatigue-Syndrom, ein Müdigkeitssyndrom, zum Beispiel ist schnell diagnostiziert, und dann sind auch schnell fünf Spritzen Epo verschrieben, um den Hämoglobinwert (also die Zahl der für den Sauerstofftransport zuständigen roten Blutkörperchen) nach oben zu treiben.

So lässt sich vieles verordnen. Was immer es ist: Wenn privat abgewickelt, gibt es keine Institution, die das überprüft. „Deshalb läuft das in der Szene fast ausschließlich über Privatrezepte“, sagt Dr. Weimer. Man wolle damit vermeiden, dass der Medizinische Dienst der Krankenkassen nachfrage, warum plötzlich so viel Ritalin oder Testosteron verschrieben werde. Über Privatrezepte aber gibt es einen, der bezahlt - und keinen, der fragt.

Dr. Weimer selbst hält seine Praxis „sauber“. Es gebe in dieser Beziehung „entweder nur ein Ja oder ein Nein. Ein bisschen geht nicht, wenn man nicht in die Szene reinrutschen will.“ Und wenn einer mit der bei „Usern“ beliebten Argumentation kommt: „Wenn Sie die Einnahme nicht medizinisch begleiten, mache ich es allein“? Weimer hat dann eine Standardantwort: „Sie finden viele andere Ärzte, die Sie begleiten werden, aber nicht in dieser Praxis.“

Hat ein „User“ den passenden Mediziner gefunden, so interpretiert er die „ärztliche Kontrolle“ als vermeintliche Garantie der Unbedenklichkeit von Doping und Medikamentenmissbrauch. Die Doping-Unterstützer in weißen Kitteln sorgen für Stoff - und für ein gutes Gefühl: das Gefühl, mit der regelmäßigen Kontrolle der Blutwerte alle Nebenwirkungen im Griff zu haben. Langzeitfolgen werden ausgeblendet.

Was tun gegen die Volksseuche Doping? Gegen Medikamentenmissbrauch im Freizeit- und Breitensport? Der DOSB setzt auf Aufklärung und Präventionsmaßnahmen. Vereinseigenen Fitnessstudios wird das Qualitätssiegel „Sport Pro Fitness“ angeboten mit dem Zusatz: „Fitness- und Gesundheitsstudio im Sportverein“. Wer es will, muss unter anderem einen Missbrauchsbeauftragten benennen und eine Erklärung gegen Doping und Medikamentenmissbrauch unterzeichnen. Ein fast schon rührender Versuch, einem Problem zu begegnen, das völlig aus dem Ruder zu laufen droht.

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