https://www.faz.net/-gtl-7up7q

Das Spiel mit der Gesundheit : Volkssport Doping

  • -Aktualisiert am

Es beginnt ganz sanft. Es gibt Fitnessstudios, die mehr als zehn Prozent ihres Umsatzes mit Nahrungsergänzungsmitteln und „Sportlerernährung“ erwirtschaften. Es gibt harmlose Varianten: Vitamin- und Mineralpillen, Eiweißpulver. Es gibt Carnitin zur Fettreduktion, isolierte Aminosäuren zur besseren Regeneration. In der Apotheke gibt es Schmerzmittel, Koffeintabletten und Aspirin. Und dann fängt es richtig an. Dann kommt Kreatin zum Muskelaufbau, da beginnt das gefährliche Kuren-Denken. Man nimmt Kreatin nicht einmal, sondern in Blöcken - so nähert man sich dem genuinen Doping an. Experten sprechen von einer Grauzone zwischen Nahrungsergänzungsmitteln und Doping, die Grenze verschwimmt. Ephedrin zum Beispiel steht auf der Doping-Liste, seine Vorstufen, Pseudo- oder Synephedrin, aber nicht. In den Vereinigten Staaten sehr beliebt und in Europa stark im Kommen sind Prohormone als Vorstufe zum Testosteron-Doping, Gern wird in diesem Stadium auch Tribulus Terrestris genommen, es gilt als Potenzmittel mit Einfluss auf den Hormonhaushalt und als „natürliches“ Anabolikum, früher ausgesprochen beliebt bei bulgarischen Gewichthebern. Spätestens da ist die Doping-Mentalität etabliert, dann ist es nur noch ein kleiner Schritt zum systematischen Doper.

Die nächste Stufe sind verschreibungspflichtige Arzneien. Im Ausdauersport sind schon unter Jugendlichen kortisonhaltige Asthmasprays wie Beclometason ein Renner, sie wirken deutlich leistungssteigernd, sorgen für eine um fünf bis zehn Prozent höhere Sauerstoffaufnahme. „Diese Mittel“, sagt der Darmstädter Internist und Sportarzt Dr. Burkhard Weimer, „sind flächendeckend verbreitet.“

Bei Frauen beliebt: schnelle Schlankmacher

Bei Frauen beliebt sind Clenbuterol-Präparate, die in der Medizin wiederum Asthma-Patienten verabreicht werden. „Frauen“, sagt Kläber, „holen dramatisch auf, was Medikamentenmissbrauch betrifft.“ Ephedrin und Clenbuterol gelten als Fettverbrenner, als Schlankmacher. Besonders beliebt ist Spiropent, ein Medikament auf Clenbuterol-Basis, das eine leicht aufputschende Wirkung hat und die Körpertemperatur erhöht, wodurch der Körper auch in inaktiven Phasen mehr Fett verbrennt.

Männer in Fitnessstudios legen ihren Ehrgeiz traditionell in den Muskelaufbau, in die Körpermodellierung. Vielen geht es um das Aussehen, nicht um sportliche Herausforderungen. Oft wird der Körperkult zu einem Lebensstil. In jugenddominierten Milieus, sagt Kläber, sei mit einem muskulösen Körper leichter Anerkennung zu erzielen, deshalb sei Medikamentenmissbrauch besonders für männliche Jugendliche reizvoll. Hier lauert die Gefahr: Wer einen Großteil seiner Identität über den Körper (oder über die Leistung im Sport) definiert, ist anfällig für den Einstieg in die Doping-Spirale. Erfahrene „User“ geben dann Tipps, ein Medikament wird „mal ausprobiert“, die damit auf Anhieb erzielten „Erfolge“ sind oft beträchtlich. Die erste Einnahme ist meist der Einstieg in einen Kreislauf, dem nur schwer zu entkommen ist. Die Netzwerke in den Studios setzen sich aus klassischen Bodybuildern zusammen, aber auch aus fitness- und gesundheitsorientierten Sportlergruppen. Sie wirken in den Sport hinein, weil viele - ob Läufer, Fußballer oder Radsportler - auch regelmäßig in Studios trainieren. „Das zieht sich durch alle Sportarten“, sagt Kläber.

Weitere Themen

Topmeldungen

Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes gehen am Abend kurz vor Beginn der Ausgangsbeschränkungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie durch die Innenstadt von Hannover.

Einheitliche Corona-Regeln : Wann kommt die bundesweite Notbremse?

Das Kabinett hat die bundesweite Notbremse beschlossen. Bis das Gesetz durch das Parlament kommt, dauert es aber noch. Denn die Opposition will nicht, dass die Beratungsfrist verkürzt wird.
In der nächsten Saison nicht mehr in Frankfurt: Trainer Adi Hütter

Hütter verlässt die Eintracht : Schlag ins Gesicht

Dass Spieler gehen, wenn es läuft, ist im Fußball akzeptierte Wirklichkeit. Das vorzeitige Bye-bye von Sportvorständen und Trainern aber nicht. Vor allem, wenn darin kein sportlicher Aufstieg erkennbar ist.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.