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Das Ende der Schiedsgerichte? : Mehr Biss

Die Sportschiedsgerichtsbarkeit ist bedroht. Aber nicht durch das Anti-Doping-Gesetz, wie der DOSB fürchtet. Sondern wegen der Schwächen im eigenen System.

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          Der Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) mag vor § 3 des AntDopG, des Anti-Doping-Gesetzes warnen, das an diesem Mittwoch in Berlin vorgestellt werden wird. Aber wer wissen möchte, wie bedroht die Sportgerichtsbarkeit ist, jedenfalls in Deutschland, sollte sich mit einem durchaus bedrohlichen Teil heimischen Kulturguts beschäftigen.

          Einen Streit im „Rassezuchtverein für den deutschen Schäferhund“ entschied vor vierzehn Jahren der Bundesgerichtshof (BGH) gegen den Klub zugunsten eines Züchters: Schiedsklausel unwirksam. Praktisch ebenso wurde Claudia Pechstein im Frühjahr vom Landgericht München beschieden.

          Das Anti-Doping-Gesetz im Wortlaut

          Seit vergangener Woche scheint wahrscheinlich, dass auch das Oberlandesgericht München der Ansicht ist, dass die Schiedsklausel zwischen der Eisschnellläuferin und der Internationalen Eislauf-Union, mit der Sportler vor die Sportgerichtsbarkeit gezwungen werden, unwirksam ist.

          Weil sie die Sportlerin unangemessen benachteiligt. Im Januar wollen die bayerischen Richter urteilen, anschließend wird die Frage wohl dem BGH vorgelegt werden. Falls die obersten deutschen Zivilrichter den Fall Pechstein so bewerten wie einst die Causa Schäferhund, ist den Sportlern hierzulande in Doping-Fällen der Weg zu staatlichen Gerichten eröffnet.

          Bei den Schiedsvereinbarungen, nicht bei der Bestrafung von Selbstdopern im Anti-Doping-Gesetz muss angesetzt werden. Denn trotz seiner Schwächen ist dringend reformbedürftige System der Sportschiedsgerichte erhaltenswert und deshalb endlich auf Vordermann zu bringen. Zum einen wäre es, wenn das Gesetz denn endlich verabschiedet ist, reichlich inkonsequent, Sportler nicht strafrechtlich zu verfolgen.

          Gierig und rücksichtslos

          Sie sind längst nicht immer das schwächste Glied einer Doping-Kette. Sondern häufig genug aus eigenem Antrieb gierig und rücksichtslos gegen sich und andere in ihrem betrügerischen Streben nach Erfolg und Reichtum.

          Zum anderen drängt die Zeit, um die Sportschiedsgerichtsbarkeit so attraktiv zu machen, dass die Sportler ihre Fälle vor dem Internationalen Sportgerichtshof in Lausanne, dem Cas, austragen wollen. Sie fühlen sich im System der Verbände und der Funktionäre systematisch benachteiligt. Vesper hat sich angesichts der juristischen Erfolge Claudia Pechsteins mit diesem Anliegen längst an die Juristen in der Schweiz gewandt und, unter anderem, einen Hilfsfonds und die Möglichkeit der Wiederaufnahme von Verfahren vorgeschlagen.

          Öffentlichkeit zu schaffen bei den Verhandlungen wären ein Vertrauen bildender Schritt. Das Anti-Doping-Gesetz in Deutschland ist nötig, weil es der Sport, auch „angesichts der Dimension, die Doping angenommen hat“, wie es in der Gesetzesbegründung heißt, eben nicht allein schafft, die Betrüger zu erwischen. Der Sport sollte derweil alles daran setzen, seine eigene Gerichtsbarkeit nicht vor die Hunde gehen zu lassen.

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