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European Games in Minsk : Darum nehmen Deutsche an den Autokraten-Spielen teil

Willkommen in Belarus: Maskottchen Lesik Bild: Picture-Alliance

149 Sportler vertreten Deutschland bei den „European Games“ in Minsk bei einem der repressivsten Regime des Kontinents. Die deutsche Sportführung hält eine Teilnahme dennoch für alternativlos. Und Kritiker werden weitgehend ignoriert.

          5 Min.

          149 deutsche Sportler reisen nach Minsk. Uschi Schmitz ist ihre Chefin. Die Vizepräsidentin vertritt den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) in Belarus als Leiterin der deutschen Delegation bei den zweiten European Games, die am kommenden Freitag beginnen. 4082 Sportler aus 50 Ländern werden in der weißrussischen Hauptstadt erwartet. Gut 1000 mehr, als zu den Olympischen Winterspielen im vergangenen Jahr nach Südkorea gereist waren. Von der ersten Ausgabe dieser Europaspiele, vor vier Jahren in Baku, unterscheidet die zweite Austragung der Verzicht auf ostentativen Prunk, mit dem sich Aserbaidschans Herrscher-Familie Alijew umgab. Weißrusslands Alleinherrscher Aleksandr Lukaschenka, seit 1994 an der Macht, lässt die Bescheidenheit der Herangehensweise betonen. Ansonsten ändert sich nichts: Das Europäische Olympische Komitee (EOC) dient sich auch in der zweiten Runde einem Regime an, das als eines der repressivsten auf dem Kontinent bekannt ist, dem Herrscher, der als letzter in Europa Menschen hinrichten lässt.

          Christoph Becker
          Sportredakteur.
          Michael Reinsch
          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Der 13. Bericht zur Menschenrechtspolitik der Bundesregierung spricht von sieben vollzogenen Todesurteilen zwischen dem 1. Oktober 2016 und 30. September 2018. Dort heißt es: „Die Menschenrechtslage in Belarus hat sich im Berichtszeitraum nicht wesentlich verbessert. Es wird weiterhin gegen bestimmte bürgerliche und politische Rechte verstoßen, insbesondere gegen Medien-, Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit. Die belarussische Opposition ist in ihren Rechten weiterhin massiv eingeschränkt.“ Der DOSB stellt die Reise nach Weißrussland trotzdem nicht in Frage. „Es ist alternativlos“, sagte Uschi Schmitz am vergangenen Dienstag bei einem Empfang des weißrussischen Botschafters anlässlich der Spiele in Berlin. Es gehe ja schließlich für den ein oder anderen um Gelegenheiten zur Olympiaqualifikation.

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