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Freitag führt Sportausschuss : Mehrkampf mit Verbänden

Kampfstarke Politikerin: Dagmar Freitag Bild: dpa

Die SPD-Politikerin Dagmar Freitag wird doch wieder den Sportausschuss des Bundestags führen. Höchste Zeit, dass auch die öffentliche Debatte über Sport ein Comeback erlebt. Ein Kommentar.

          Dagmar Freitag gibt ihr Comeback. Das verspricht bei der Erfahrung dieser Politikerin reizvolle Vergleiche und harte Duelle. Statt sich vom Sport zu verabschieden und sich auf die Außenpolitik zu verlegen, wie sie das vorhatte, wird die SPD-Abgeordnete den Vorsitz des Sportausschusses im Deutschen Bundestag übernehmen – zum dritten Mal in Serie. Das ergab sich am Dienstag. Als die 23 Ausschüsse verteilt wurden, griff die SPD-Fraktion bei Kultur, Bildung, Verteidigung, Arbeit und Soziales sowie beim Sport zu. Dagmar Freitag erfuhr in ihrem Wahlkreis in Iserlohn davon. Nun muss, eine Formalie, die Fraktion sie nominieren und sich die SPD, keine Formalie, zum Koalieren entscheiden.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Ende vergangenen Jahres hatten die Zeichen noch auf Abschied gestanden. Die Parlamentarierin schien des sportpolitischen Gezänks müde und gab ihr Amt als Vizepräsidentin des Deutschen Leichtathletik-Verbandes auf. Mag sein, dass sie mit der Einführung des scharfen Anti-Doping-Gesetzes, für das sie nicht nur gegen Sportverbände, sondern auch gegen SPD-Minister gekämpft hatte, das politische Ziel ihres Lebens erreicht zu haben glaubte.

          Doch längst stolpert sie auch in anderen Bereichen über die Risse und Brüche, die sich im Sport auftun. Sie macht kein Geheimnis daraus, dass sie verhindern will, dass ausgerechnet die Athleten die Verlierer der Reform der Spitzensportförderung werden; sie sollen existentielle Unterstützung mitsamt Altersversorgung und eine professionelle Vertretung erhalten. Sie will die Fähigkeit des Sports zur Integration nutzbar machen und dafür die Infrastruktur – Plätze und Hallen – vor dem Verfall bewahren oder neu bauen.

          Von der Politik der AfD, die Sport und Sportler auch dazu nutzt, Ressentiments zu schüren, fühlt sich die Politikerin herausgefordert. Nicht zuletzt die Vertreter der Verbände können sicher sein, dass es augenzwinkerndes Unterhaken im Kampf um Ressourcen aus dem Haushalt und um Macht mit dieser Volksvertreterin nicht geben wird. Dazu hat sie in den Auseinandersetzungen der vergangenen Jahre zu viele Verletzungen erfahren; zuletzt, als es der Deutsche Olympische Sportbund nicht für nötig hielt, sie zur Jahreshauptversammlung im vergangenen Dezember einzuladen.

          Die politischen Auseinandersetzungen über den Sport und mit dem Sport, die mit der konstituierenden Sitzung des Ausschusses am Mittwoch nächster Woche beginnen sollen, verdienen es nicht, weiter hinter verschlossenen Türen stattzufinden. Es ist höchste Zeit, dass auch die öffentliche Debatte, wie sie vor bald einem Jahrzehnt dort geführt wurde, im Sportausschuss ein Comeback erlebt. Das wird das erste Ziel von Frau Freitag sein. Zuletzt war sie mit diesem Vorstoß gescheitert.

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