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Dagmar Freitag im Gespräch : „Die ehrlichen Sportler vor Betrügern schützen“

  • Aktualisiert am

Dagmar Freitag (SPD) Bild: dagmar-freitag.de

Dagmar Freitag wird am Mittwoch den Sportausschuss-Vorsitz im Bundestag übernehmen. Die DLV-Vizepräsidentin spricht im Interview mit FAZ.NET über den Fußball-Wettskandal und die Forderung nach einem Antidoping-Gesetz.

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          Dagmar Freitag ist seit 1994 Mitglied des Deutschen Bundestages. Die 57 Jahre alte SPD-Politikerin und Realschullehrerin aus Iserlohn wird am Mittwoch Vorsitzende des Sportausschusses des Parlaments werden. Am Samstag wurde sie als Vizepräsidentin des Deutschen Leichtathletikverbandes wiedergewählt. Im Interview mit FAZ.NET spricht Dagmar Freitag über den Wettskandal im Fußball, die Forderung nach einem Antidoping-Gesetz, ihren Vorgänger und einen möglichen Interessenskonflikt.

          Warum ist der Fußball-Skandal beim Leichtathletik-Verbandstag in Berlin ein Thema?

          Diese Fragestellung geht uns alle an. Natürlich ist das hier ein Thema, wie immer, wenn Manipulation im Sport auffliegt. Jetzt ist der Fußball betroffen. Ein andermal können die Leichtathletik und andere Sportarten durch Doping betroffen sein. Man kann das subsumieren unter der Fragestellung: Wie gefährdet ist der Sport durch Betrug?

          Ist der Staat gefordert?

          Der Staat engagiert sich durch die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Bochum. Mich freut, dass der Deutsche Fußball-Bund und die Deutsche Fußball-Liga diese Ermittlungen unterstützen. Auch hier wird offensichtlich, dass der Sport, in diesem Fall der Fußball, solch ein Problem nicht allein regeln kann. Nur mit dem Einsatz von Polizei, Staatsanwaltschaft und ordentlichen Gerichten ist solchen Manipulationen erfolgreich beizukommen.

          Mit dieser Argumentation fordern Sie seit Jahren ein Antidoping-Gesetz. Ist der Sport so gefährdet, dass der Staat einschreiten muss?

          Ziel meiner politischen Arbeit ist, die sauberen und ehrlichen Sportler vor Betrügern zu schützen. Damit stehe ich nicht allein. Die bayrische Justizministerin Beate Merck hat jetzt den Vorschlag aufgegriffen, ein Gesetz zum Schutz des Sports zu schaffen. Ich kann mir vorstellen, mit ihr darüber Gespräche führen, um zu sehen, ob wir parteiübergreifend vorankommen können.

          Ist eine solche Übereinstimmung, zwischen Politikerinnen von SPD und CSU, in der Sportfraktion des Bundestages vorstellbar?

          So einheitlich gab und gibt es die Sportfraktion nicht. Im Gegenteil: In den vergangenen Jahren haben sich ganz erhebliche Unterschiede zwischen den Fraktionen gezeigt, gerade in der Frage von gesetzlichen Regelungen. Und jetzt ist eine Fraktion an der Regierung beteiligt, die gesetzlichen Regelungen grundsätzlich ablehnend gegenüber stand.

          Sie meinen die FDP. Auch der CDU-Innenminister Schäuble und der SPD-Innenminister Schily waren grundsätzlich gegen ein Antidoping-Gesetz…

          Das ist richtig. Das heißt aber nicht zwangsläufig, dass der Ansatz der SPD falsch war. Wir stellen uns jetzt der Aufgabe, aus der Opposition heraus die Notwendigkeit einer solchen Regelung zu verdeutlichen. Das hat übrigens nichts mit einem Eingriff in die Autonomie des Sports zu tun. Der Sport sollte solche Bemühungen vielmehr als Angebot verstehen, nicht als Angriff. Er sollte dringend davon abkommen, solche Überlegungen als Gegeneinander zu empfinden.

          Wie macht man Opposition, wenn man einem Ausschuss vorsitzt?

          Noch bin ich nicht Vorsitzende; der Ausschuss konstituiert sich am Mittwoch. Im Übrigen haben wir in der Vergangenheit gesehen: Wer dem Ausschuss vorsitzt, muss seine politische Überzeugung nicht an der Tür zum Sitzungssaal abgeben. Aber es ist völlig unstrittig, dass bestimmte Dinge neutral zu handhaben sind.

          Werden Sie nicht so einen Offensivgeist zeigen wie Ihr Vorgänger Peter Danckert?

          Jeder Vorsitzende, jede Vorsitzende hat ihren eigenen Stil.

          Ihr Vorgänger stand oft in Opposition zum organisierten Sport, insbesondere zum DOSB. Sie auch?

          Wir Parlamentarier sind zur Kontrolle verpflichtet; nicht nur gegenüber der Regierung, sondern auch, was die Verwendung von öffentlichen Geldern angeht. Das heißt, dass wir auch den organisierten Sport kontrollieren. Nicht jeder Verband mag es, dass wir genau hinschauen. Wer eine kritische Haltung einnimmt, dem schlägt nicht immer Sympathie entgegen. Aber das müssen wir aushalten.

          Welche großen Themen erwarten Sie in Zukunft?

          Vieles ist noch offen: vor allem eine effektive Bekämpfung von Doping und Manipulation im Sport. Spannend wird im Zusammenhang mit dem Wettskandal auch die Frage, ob die FDP weiterhin unbeirrt die weitere Liberalisierung von Sportwetten fordert. Weitere Themen liegen auf der Hand, von Haushaltsberatungen über die Olympiabewerbung von München bis hin zu Fragen der Prävention und vieles mehr. Darüber hinaus greifen wir jederzeit aktuelle Themen auf.

          Sie gehören dem Sportausschuss seit fünfzehn Jahren an. Was hat sich verändert?

          Ich habe eine rasante Wandlung des Gremiums miterlebt: von Sitzungen, in denen Tagesordnungspunkte lediglich hinter verschlossenen Türen abgearbeitet wurden, über eines, das begann, sich aktiv einzumischen - das war die Ära von Friedhelm Julius Beucher - bis zu einem Ausschuss, der öffentlich tagt und Sportpolitik damit transparenter gemacht hat . Dadurch ist nicht nur seine Bedeutung gewachsen, auch seine Akzeptanz in der Öffentlichkeit ist größer geworden. Dieser Ausschuss wird es sich nicht nehmen lassen, Themen aufzugreifen, für die er originär nicht zuständig ist. Zum Beispiel Schulsport.

          Sie haben sich am Samstag als Vizepräsidenten des Leichtathletikverbandes wiederwählen lassen. Sehen Sie keinen Interessenskonflikt?

          Es muss auch Politikern möglich sein, sich ehrenamtlich für die Gesellschaft zu engagieren. Das tue ich im DLV. Aber ich werde, wie in der Vergangenheit, mein Hobby strikt von meinem politischen Mandat trennen. Sollte es im Leichtathletikverband zu Vorfällen kommen, die uns als Kontrollorgan zu beschäftigen haben, wird es keine Lex Leichtathletikverband geben. Dann wird sich der DLV genau so den Fragen zu stellen haben wie jeder andere Verband, auch von meiner Seite.

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