https://www.faz.net/-gtl-a8i7c

Die Pandemie und der Sport : Tausende Austritte in Corona-Krise

  • -Aktualisiert am

Kein Zutritt: Viele Sportplätze sind derzeit gesperrt. Bild: Picture-Alliance

Die Frankfurter Sportvereine haben in der Pandemie 9000 Mitglieder verloren, darunter überdurchschnittlich viele Jugendliche. Besonders problematisch ist die Situation bei Mädchen mit Migrationshintergrund.

          2 Min.

          Seit Monaten bewegt sich pandemiebedingt wenig in den Frankfurter Turn- und Sportvereinen. Während Athleten aus dem Spitzen- und Kaderbereich unter Hygienebedingungen für Wettkämpfe ohne Zuschauer trainieren, herrscht in großen Bereichen des Breiten-, Freizeit- und Gesundheitssports Stillstand. Wie sich das in den Statistiken auswirkt, dafür hat der Sportkreis Frankfurt am Donnerstag in einer Pressekonferenz Zahlen vorgelegt.

          Während nach Angaben des Vorsitzenden Roland Frischkorn der organisierte Sport im Stadtgebiet zwischen 2010 und 2020 kontinuierlich auf mehr als 262.000 Mitglieder wachsen konnte, verzeichneten die Frankfurter Vereine nach der neuesten, noch vorläufigen Erhebung des Landessportbundes Hessen (LSBH) nach einem knappen Jahr Krise etwa 9000 Austritte und einen Verlust von 3,5 Prozent.

          Am meisten leiden unter dem Schwund Vereine mit mehr als 1000 Mitgliedern, allen voran die FTG und der FSV, die etwa ein Fünftel weniger Sporttreibende in den eigenen Reihen registrierten. Die Anbieter der wenigen Disziplinen, die auch in Zeiten des Lockdowns absolviert werden dürfen, Tennis oder Reiten, profitierten derweil. So legte der SC Safo in Sachsenhausen um 19 Prozent zu, und auch der auf Outdoor-Sport spezialisierte Alpenverein ist gewachsen. „Fluktuation gibt es immer“, betont der Frankfurter Sportdezernent Markus Frank (CDU). Das Problem derzeit ist jedoch, dass die Vereine nicht bei Veranstaltungen um Zugänge werben können. So fehlen die Neuanmeldungen.

          „Sport ist viel mehr“

          Frischkorn sagte, er sei positiv gestimmt, dass die Vereine, sobald die Türen der Sportstätten wieder offen sind, ihre Karteien aufstocken können. Sorgen bereitet ihm, dass es hessenweit gerade die Jugendlichen sind, die fernbleiben. Und unter diesen die jungen Mädchen. „Die Frauen sind nicht nur im sportlichen Bereich die Verlierer der Pandemie“, sagt Frischkorn. Dass sie es auch dort sind, führt er darauf zurück, dass eher die Töchter in den Haushalten auf die jüngeren Geschwister aufpassen müssen, wenn Kindergärten und Schulen schließen und die Eltern arbeiten gehen. „Mädchen mit Migrationshintergrund hören sowieso oft in dem Alter mit dem Vereinssport auf.“

          Die zahlreichen Online-Angebote, von denen in Frankfurt bereits zwei Tage nach Beginn des ersten Lockdowns im März 2020 die ersten auf Sendung gingen, bieten keine gleichwertigen Alternativen. Diejenigen, die man am meisten in Schwung bringen müsste, werden von diesen nicht angesprochen oder können die Übungen nicht allein ausführen. Frischkorn appelliert dringend an die Bundes- und Landespolitik, den Sport nicht nur als Freizeitvergnügen anzusehen. „Sport ist viel mehr“, sagte er. Gesundheitsförderung, aber auch soziales Bindeglied.

          Wie der LSB plädiert der Sportkreis für eine stufenweise Öffnung der Sportstätten. Nach diesem Plan könnte bei Sieben-Tage-Inzidenzen zwischen 50 und 100, wie jetzt in Frankfurt, in Sporthallen wieder in Zehnergruppen geübt werden. Frischkorn sieht die Dringlichkeit solcher Angebote vor allem beim Nachwuchs und den Senioren.

          Weitere Themen

          Kein Sieger in Bochum

          2:2 gegen Köln : Kein Sieger in Bochum

          Anthony Modeste glänzt mit einem frechen Lupfer und bringt Köln in Führung. In der zweiten Hälfte gleicht Takuma Asano das Spiel für Bochum aus. Beide Mannschaften verweilen im Mittelfeld der Tabelle.

          Topmeldungen

          Sinnbild für einen narzisstischen Chef: Michael Douglas als Gordon Gekkoim Film „Wall Street“

          Narzissmus im Job : Wenn der Chef nur sich selbst liebt

          Der Vorgesetzte ist dominant, leicht kränkbar oder cholerisch? Schnell liegt der Verdacht einer Persönlichkeitsstörung in der Luft. Doch schwierige Chefs sind nicht immer gleich Narzissten.
          Muss sich auch Friedrich Merz gegen Markus Söder durchsetzen? Merz und Söder auf dem Parteitag der CDU.

          Merz souverän gewählt : Schon drohen der CDU neue Wunden und Wirren

          Die souveräne Wahl von Friedrich Merz ist ein Zeichen dafür, dass Angela Merkel fast schon vergessen ist. Ausgerechnet ein „Konservativer“ steht für den Wunsch, dass nun etwas Neues, Anderes beginnen möge.
          Im Parlamentarischen Rat vor Gründung der Bundesrepublik Deutschland war die Zentrumspartei 1948 noch vertreten.

          Comeback nach 64 Jahren : Die Zentrumspartei ist wieder da

          Ein früherer AfD-Abgeordneter beschert der Partei nach 64 Jahren die Rückkehr in den Bundestag. Die älteste deutsche Partei war das politische Sprachrohr der Katholiken im Kaiserreich und in der Weimarer Republik. Wofür steht sie heute?