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Forderung an die Politik : Tennis und Golf wollen wieder ab- und aufschlagen

  • Aktualisiert am

Wann kann es wieder losgehen? Golfer und Tennisspieler wollen wieder auf den Platz. Bild: obs

Der Dachverband DOSB steht zu den Beschlüssen der Bundesregierung und den Folgen für den Sport. Einige Sportarten und Landesverbände fordern aber nun Lockerungen.

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          Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) will die jüngsten Beschlüsse der Bundesregierung und der Landesregierungen im Zuge der Coronakrise verantwortungsbewusst mittragen. Derweil haben sich der Deutsche Tennis Bund (DTB) und der Deutsche Golf Verband (DGV) offensiv für eine Freigabe ihres Sports durch die Bundesregierung und die Länder ausgesprochen.

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          Wie der DOSB am Donnerstag mitteilte, werde er „auch weiterhin seinen Beitrag zur Eindämmung der Corona-Pandemie leisten“, heißt es in einem Statement. „Wie wertvoll der Sport in unserem Leben ist und wie stark der Verzicht darauf schmerzt, erleben und spüren wir alle von Tag zu Tag deutlicher“, sagte DOSB-Präsident Alfons Hörmann: „Wir wollen uns für eine verantwortungsbewusste Öffnung der Sportanlagen einsetzen, weil unser Land damit zum richtigen und wichtigen Zeitpunkt organisierte Beweglichkeit erfahren kann.“

          Der DTB ging am Donnerstag bereits einen Schritt weiter und sprach sich in einem Schreiben an relevante politische Entscheidungsträger auf Bundes- und Landesebene für eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs aus. Tennis könne, „gerade in der jetzigen Jahreszeit“, als Individualsport im Freien ausgeübt werden. Eine Kontaminierung durch das Spielgerät sei nicht möglich, Körperkontakt nicht Teil der Sportart Tennis.

          „Unverständnis und Enttäuschung“ bei Golfern

          Dem Verband mit seinen 1,4 Millionen Mitgliedern gehe es nicht um, „einen Sonderweg für den Tennissport. Aber durch seine beschriebenen Vorteile als Individualsportart in weitläufigen, großzügigen und sich im Freien befindlichen Sportanlagen sind Möglichkeiten gegeben, ernsthaft über eine schrittweise Wiederaufnahme des Tennisbetriebs nachzudenken.“

          Ein weiteres über einen langen Zeitraum verhängtes Tennisverbot würde „gewachsene Strukturen zerstören und die Existenz vieler Vereine in Frage stellen“, heißt es außerdem. Ein weiteres Berufsverbot für ca. 20.000 Tennistrainer „würde diese in den wirtschaftlichen Ruin treiben“.

          Der Deutsche Golf Verband kritisierte offen Teile der jüngsten Regierungsentscheidungen. „Mit Unverständnis und großer Enttäuschung nehmen wir wahr, dass das Verbot des Sportbetriebs auf Sportstätten jedenfalls bis Anfang Mai fortgeschrieben wurde“, sagte DGV-Präsident Claus M. Kobold am Donnerstag.

          Der DGV wolle stärker darauf drängen, dass gerade Golf, begleitet von sachgerechten Schutzregelungen, schnellstmöglich wieder zulässig sei. „Wenn Zeit zum sorgfältigen Prüfen besteht, wie es jetzt der Fall war, und wenn konkrete inhaltliche Empfehlungen des DOSB, von Landessportbünden und Sportfachverbänden, vorliegen, wie zumindest der Individualsport im Freien mit strengen Schutzregeln wieder zugelassen werden kann, dann fehlt uns das Verständnis“, sagte Kobold. Golfplätze seien mit Parks vergleichbar, Golfspieler würden ihren Sport dort weit voneinander entfernt ausüben.

          Bereits am Dienstag habe der DOSB der Bundes- und Landespolitik ein Angebot vorgelegt, wie sich der autonom organisierte Sport eine Übergangsphase nach dem Ende der aktuellen Kontakteinschränkungen vorstellen kann. Gemeinsam mit den Mitgliedsorganisationen werde man weiter an der sportartspezifischen Ausgestaltung arbeiten, erklärte der DOSB weiter.

          Niedersachsen fordert „begrenzten Sportbetrieb“

          Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder hatten am Mittwoch im Zuge der Corona-Pandemie zwar erste Schritte hin zu einer vorsichtigen Öffnung von Schulen und Geschäften angekündigt - die strengen Kontaktbeschränkungen sollen aber mindestens bis zum 3. Mai in Kraft bleiben, sagte Merkel. Großveranstaltungen sind bis zum 31. August untersagt.

          Nach den ersten vorsichtigen Lockerungen in der Corona-Krise hofft der Landessportbund Niedersachsen darauf, dass in den kommenden Wochen und Monaten „auch ein begrenzter Sportbetrieb nach einheitlichen Standards wieder anlaufen kann“. Der LSB fordert vor allem den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) dazu auf, bundesweit einheitliche Leitlinien für die Sportvereine zu erstellen. Die sollen „einen Flickenteppich unterschiedlicher Regelungen und Handhabungen“ für die Vereine und ihre Mitglieder verhindern.

          „Wir setzen darauf, dass Bund und Länder bei ihrem nächsten Treffen am 30. April über das wertvolle Sporttreiben in Vereinen entscheiden und angepasste Sportangebote möglich machen“, werden der LSB-Präsident Wolf-Rüdiger Umbach und der LSB-Vorstandsvorsitzende Reinhard Rawe am Donnerstag in einer gemeinsamen Erklärung zitiert. Der DOSB müsse bis dahin „einen Handlungskatalog erarbeiten“ und den „in das nächste Treffen auf Bundesebene am 30. April“ einbringen.

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