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Deutschland in Corona-Krise : Der Kampf des Sports um den Nachwuchs

Starke Bewegung aus der Netflix-Lethargie heraus: Kinder hocken nicht nur auf dem Ball, sie wollen spielen. Bild: Getty

Corona lähmt und bewegt: Geschlossene Sportstätten und verbaute Perspektiven führen zu erstaunlichen Reaktionen. Dem Rückzug von Medaillenkandidaten stehen Aufnahmestopps von Vereinen gegenüber.

          6 Min.

          Die Säbelfechter Lorenz und Luis stehen vor einem Experiment. Der eine, Lorenz Kempf, wird ausprobieren, ob es ihm guttut, sich allein auf den Sport zu konzentrieren. Er lässt sein BWL-Studium nach dem Bachelor ruhen; bei der Bundeswehr hat er eine Förderstelle. Luis Bonah, sein Trainingspartner in Dormagen, mit ihm in der Nationalmannschaft, die Dritte der Junioren-Weltmeisterschaft 2017 und Zweite der U-23-Europameisterschaft 2019 wurde, verlagert seinen Schwerpunkt. Er wird Doktorand am Institut für Astrophysik der Uni Köln. Er wird nicht Schluss machen, doch: Seine künftigen Experimente im Labor sind nichts für nebenbei. Kempf und Bonah, die Zimmer an Zimmer in einer Wohngemeinschaft leben, illustrieren Hoffnung und Sorge des Leistungssports in der Corona-Krise.

          Michael Reinsch
          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Der Shutdown im Frühjahr gab den beiden Anlass und Zeit zum Nachdenken. Die U-23-EM in diesem Jahr, bei der ihr Team Titelfavorit war, ist ausgefallen. Der Weltcup ist abgesagt. Keine Chance also, das zu tun, was für sie im täglichen Training dazugehört: die Etablierten Max Hartung und Matyas Szabo, die Welt- und Europameisterschaft gewonnen haben, herauszufordern. Einerlei, was auf der Planche in Dormagen passiert: Die Rangliste bleibt unverändert. Wer von den Jungen zu Olympia will, bereitet sich auf Paris 2024 vor, nicht auf Tokio 2021. Das sind lange drei Jahre für junge Menschen an einer Weggabel ihres Lebens.

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