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Wirbel um Spiele in Tokio : Ist 2021 für Olympia noch zu früh?

Ahnungslose Vorfreude: Tokio bei der Abschlussfeier in Rio 2016 Bild: firo Sportphoto

Die Verschiebung der Olympischen Spiele sorgt für neue Probleme. Japans Ministerpräsident Shinzo Abe baut dabei auf die „technologische Stärke“ seines Landes. Doch worum geht es wirklich?

          2 Min.

          Seit mehreren Tagen herrscht in Tokio und sechs anderen Präfekturen Japans offiziell der Virus-Notstand. Die Infektionszahlen steigen vor allem in der Hauptstadt beschleunigt. Mehr als 2000 der mehr als 7000 japanischen Covid-19-Patienten entfallen auf Tokio. Infizierte mit leichten Symptomen werden von Krankenhäusern in angemietete Hotels gebracht, um Betten für schwererkrankte Menschen frei zu machen. Hat das Auswirkungen auf die Pläne, die verschobenen Olympischen Spiele im Sommer 2021 abzuhalten?

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          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Das Organisationskomitee der Spiele von Tokio legt sich nicht fest. Er glaube nicht, dass irgendjemand in der Lage sei, zu sagen, ob die Pandemie bis zum nächsten Juli unter Kontrolle zu bringen sei oder nicht, sagte der geschäftsführende Direktor des Komitees, Toshiro Muto, jetzt vor Journalisten. „Wir sind mit Sicherheit nicht in der Lage, Ihnen eine klare Antwort zu geben“, sagte Muto.

          Manche im Organisationskomitee hatten nach japanischen Medienberichten eine Verschiebung um zwei Jahre präferiert, um das Risiko einer länger andauernden Virus-Pandemie zu vermindern. Die Entscheidung, dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) eine Verschiebung um ein Jahr vorzuschlagen, gründete im Willen von Ministerpräsident Shinzo Abe. Das berichtete der Präsident des Organisationskomitees, Yoshiro Mori, vor wenigen Tagen in einem Gespräch mit der Zeitung „Asahi Shimbun“. „Ich hatte das Gefühl, dass er (Abe) mit 2021 zockte“, sagte der 82 Jahre alte Mori, der früher selbst wie Abe Ministerpräsident und Chef der Liberaldemokraten war. Mori beschrieb ein Gespräch mit Abe kurz vor dem Telefonat mit IOC-Präsident Thomas Bach im März, in dem Japan und das IOC sich auf die Verschiebung der Spiele bis Juli 2021 geeinigt hatten.

          Amtszeit des Präsidenten endet

          Wäre es nicht besser, die Spiele um zwei Jahre zu verschieben, fragte Mori nach eigenen Aussagen den Ministerpräsidenten. „Japans technologische Stärke hat nicht nachgelassen“, soll Abe geantwortet haben. „Eine neue Schutzimpfung wird verfügbar werden.“ Mori fragte Abe nach eigener Aussage auch, ob man den politischen Kalender berücksichtigen müsse. Das wird in Japan als einer der Knackpunkte hinter dem neuen Termin der Olympischen Spiele gesehen. Abes Amtszeit als Präsident der Liberaldemokraten endet im September 2021 und damit auch seine Amtszeit als Ministerpräsident. Eine Verschiebung der Olympischen Spiele um zwei Jahre hätte bedeutet, dass Abe sie nicht mehr in Amt und Würden hätte zelebrieren können. Darauf spielte Mori mit seiner Frage nach dem politischen Kalender an. Abe soll lächelnd geantwortet haben, darüber solle Mori sich nicht so viele Gedanken machen.

          Mori selbst begründete in dem Zeitungsgespräch die Verschiebung um ein Jahr mit dem Gedanken, dass es besser für das IOC sei, nicht zwei Olympische Spiele in einem Jahr abzuhalten. Für 2022 sind schon die Winterspiele in Peking gesetzt. Indem sie auf 2021 setzen, schieben die Organisatoren nun jeden Gedanken an eine lang andauernde Virus-Pandemie beiseite und fokussieren sich auf die Vorbereitung der Spiele. „Alles, was wir tun können, ist hart zu arbeiten, um die Spiele vorzubereiten. Wir hoffen, dass die Menschheit bis kommendes Jahr die Krise überwunden hat“, sagte der geschäftsführende Direktor Muto. Fragen nach alternativen Plänen weicht er vor Journalisten aus.

          Ebenso verschwiegen äußert Muto sich zu der Zukunft des olympischen Feuers, das in Japan schon angekommen war, bevor der Fackellauf aufs kommende Jahr verschoben wurde. Die Organisatoren hatten die Flamme vorerst in der Präfektur Fukushima ausgestellt, die 2011 von dem Tsunami und von der Kernschmelze im Atomkraftwerk Fukushima Daiichi besonders betroffen war. Doch nach der Ausrufung des Notstands in anderen Teilen Japans hat das Organisationskomitee die Zurschaustellung vorerst beendet. Wo das Feuer sich derzeit befindet, ist unbekannt.

          Olympia-Sprecher: „Haben keinen Plan B“

          Die Organisatoren der Olympischen Spiele von Tokio haben am Dienstag noch einmal klargestellt, dass sie keinen „Plan B“ für den Fall hätten, falls die Spiele wegen der Coronavirus-Pandemie noch über das Jahr 2021 hinaus verschoben werden müssten. Olympia-Sprecher Masa Takaya zufolge gehen die Organisatoren davon aus, dass die Sommerspiele am 23. Juli 2021 eröffnet werden. Die Paralympics folgen am 24. August. (dpa)

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