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Der Sport und die Finanzhilfen : „Wir überstehen den Winter nicht“

Milliardenverluste der 90.000 Vereine durch die Corona-Krise: Der Hilferuf von DOSB-Präsident Alfons Hörmann wurde ignoriert. Bild: dpa

Auch der Sport wird unterstützt durch das Konjunkturpaket. Das Finanzierungsangebot des Bundes für untere Ligen muss aber aus Sicht der Funktionäre nachgebessert werden.

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          Was, bitteschön, sind „Profisportvereine der unteren Ligen“? Die Frage ist insofern wichtig, als diese Vereine an Überbrückungshilfe mit einem Gesamtvolumen von 25 Milliarden Euro partizipieren sollen, die der Koalitionsausschuss in der Nacht zum Donnerstag beschlossen hat. Allerdings: Das Programm für notleidende Unternehmen wird den Klubs nicht viel nützen. Gemeinsam mit Hotels und Gaststätten, Jugendherbergen, Schullandheimen, Reisebüros, Schaustellern, Messen und Veranstaltungslogistik sollen sie sich um Erstattung von maximal 150.000 Euro für drei Monate bewerben dürfen, sofern sie im April und Mai coronabedingt mindestens sechzig Prozent ihres Umsatzes verloren haben und im Juni fünfzig Prozent. Haben sie bis zu fünf Beschäftigte, sollen im Regelfall höchstens 9000 Euro fließen, haben sie bis zu zehn, gibt es maximal 15.000 Euro.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Die Formulierung sei ein bisschen unglücklich gewählt, sagt Andreas Michelmann, Präsident des Deutschen Handball-Bundes und Oberbürgermeister von Aschersleben, über die Profisportvereine der unteren Ligen. Er spricht für die Arbeitsgemeinschaft der Teamsportarten mit Profi-Ligen, die vermutlich gemeint sind: denen von Handball und Basketball, Volleyball und Eishockey. Für diese jedenfalls hatte er sich eingesetzt und den Sportausschuss davon überzeugt, diesen Ligen ein Hilfsprogramm mit einem Volumen von 100 bis 200 Millionen Euro angedeihen zu lassen. Am Donnerstag bemühte sich Michelmann um eine positive Sichtweise auf das Ergebnis: „Das Gute ist, dass die Politik erkannt hat, dass wir unter irgendeinen Rettungsschirm gehören“, sagte er: „Ich hoffe, dass bei der Umsetzung des Programms im parlamentarischen Prozess noch eine Nachsteuerung möglich ist.“

          Die Sportklubs nach demselben Maßstab zu bewerten wie Unternehmen, sei nicht passgenau. Im Gegensatz zur Wirtschaft sei nicht die aktuelle Lage, sondern die Perspektive das größere Problem. Wenn im Herbst die neue Saison beginne, sei es den Teams – wenn überhaupt – nur erlaubt, ohne Publikum zu spielen. „Den Sommer überstehen wir ohne Hilfe“, hatte Michelmann wie ein Mantra wiederholt, „aber nicht den Winter.“ Unklar ist, ob das Programm auch unterklassigen Fußballvereinen Hilfe gewähren soll.

          Bau von Sportstätten

          Auch die SPD-Abgeordnete Dagmar Freitag, Vorsitzende des Sportausschusses im Deutschen Bundestag, weiß, dass zwischen gut gemeint und gut gemacht ein Unterschied besteht. „Mit dem vorliegenden Konjunkturprogramm wird auch den existenziellen Sorgen der Vereine in (semi-)professionellen Mannschaftssportarten Rechnung getragen“, teilte sie mit. „Die Sportpolitiker*innen der Koalition sind bereits mit ihren jeweiligen Fraktionsspitzen im Gespräch über Präzisierungen. Wichtig ist, den betroffenen Vereinen außerhalb des Profifußballs die Sicherheit zu geben, dass wir mit Überbrückungsmaßnahmen ihre wirtschaftliche Existenz sichern wollen.“

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          Der Koalitionsausschuss ignorierte, dass der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) in Person seines Präsidenten Alfons Hörmann in der vergangenen Woche im Sportausschuss des Bundestages Milliardenverluste der 90.000 Vereine durch die Corona-Krise prognostizierte.

          Auch mit Sanierung und Bau von Sportstätten soll der Sport unterstützt werden. Der entsprechende Etat des Innenministeriums wird für 2020 und 2021 um 150 Millionen auf 260 Millionen aufgestockt. Dies ist nur ein Bruchteil dessen, was von dem neuen „Goldenen Plan“ erwartet worden war, den Innenminister Horst Seehofer im Dezember versprochen hatte. Dabei sollte der Bund auf lange Zeit eine Milliarde Euro jährlich zur Verfügung stellen; die Summe sollte durch Beiträge von Ländern und Gemeinden verdreifacht werden. Nun ist von der Ergänzung keine Rede.

          Noch am Dienstag hatte sich Hörmann in einem Brief an Finanzminister Olaf Scholz gewandt. Neben einem kommunalen Investitionsprogramm hatte er darin „ein Schutzprogramm für den vereinsbasierten Leistungssport in den Bundesligen aller Sportarten (ohne erste und zweite Fußball-Bundesliga)“ gefordert. Das Programm für den vereinsbasierten Leistungssport gelte Vereinen im semiprofessionellen Bereich, schrieb er, die von Veranstaltungen lebten. Möglicherweise verwirrte er die Politik, die den Profiklubs helfen sollte, indem er behauptete: „In den Bundesligen handelt es sich ausdrücklich nicht um hochbezahlte Profis, sondern um Hunderte junge Menschen, die sich aus Leidenschaft dem Leistungssport verschrieben haben.“ Mit seinem Brief konterkarierte Hörmann ein Schreiben des Bundestagsabgeordneten und Präsidenten des Handball-Bundesligaklubs Füchse Berlin, Frank Steffel. Der CDU-Politiker hatte sich vier Tage zuvor mit einem „dramatischen Hilferuf des Sports“ an Bundeskanzlerin Angela Merkel gewandt. Steffel forderte unter Berufung auf die Existenznot Hunderter von Sportvereinen finanzielle Unterstützung für die professionellen Top-Ligen im Handball, Basketball, Volleyball und Eishockey.

          Der Koalitionsausschuss ist bereit, 130 Milliarden Euro für die Belebung der Konjunktur auszugeben. Die Profi-Vereine drohen leer auszugehen.

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