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Lockdown-Folgen im Sport : „Die Zahlen zeigen bereits jetzt das verheerende Bild“

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Abgemeldet: Der Lockdown hat gravierende Folgen für die Sportvereine in Deutschland. Bild: Picture-Alliance

Mit dem Dauer-Lockdown verlieren die Vereine zahlreiche Mitglieder und ehrenamtliches Personal. Der Sport befürchtet irreparable Folgen – vor allem für Kinder und Jugendliche.

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          Lockdown, Vakzin, Inzidenz oder Lockerung, es gibt allerlei Begriffe, die während der pandemischen Monate fester Bestandteil der Alltagssprache geworden sind. Auch „existenzbedrohende Lage“ ist so ein Schlagwort, das derzeit ständig auftaucht. Im Sport zunächst im Kontext mit dem FC Schalke 04 und nun auch zur Beschreibung der Zustände an der Basis.

          Schalke wird wohl sogar im Falle eines Abstiegs überleben, dafür aber fürchten nun 52,4 Prozent der 90.000 kleineren Sportvereine in Deutschland, im Verlauf des Jahres 2021 in „eine existenzbedrohende Lage“ zu geraten. Der zweite Lockdown, der am Mittwochabend bis mindestens zum 7. März verlängert worden ist, schlägt noch härter zu als der Stillstand im Frühjahr 2020, haben Forscher der Deutschen Sporthochschule Köln (DSHS) herausgefunden. Und zwar weniger, weil das Geld fehlt, „die größten Probleme werden im Bereich der Mitgliederzahlen erwartet“, sagt Studienleiter Professor Christoph Breuer.

          Ein hochsensibles System

          Auch der Rückgang an ehrenamtlichen Mitarbeitern bereitet den Vereinen Sorgen, denn anders als ein finanzieller Engpass lässt sich der Verlust von Menschen nicht einfach mit ein paar Staatshilfen bekämpfen. Der Breitensport ist ein hochsensibles System, das von Engagement lebt, und gerade in jenem Segment, wo der Sport eine besonders große gesellschaftliche Bedeutung hat, sind die Pandemiefolgen erkennbar: im Jugendbereich.

          Anfang des Monats hat der Landessportbund Sachsen mitgeteilt, dass der Mitgliederschwund bei rund drei Prozent liege, das sind 20.000 Sporttreibende weniger als Ende 2019. Drei Prozent Abweichung klingt erst mal moderat, doch etwa 12.000 der Abmeldungen fallen in die Gruppe der Kinder und Jugendlichen bis 14 Jahre. „Die Zahlen zeigen bereits jetzt das verheerende Bild, dass sich vor allem Kinder und Jugendliche vom Sport abwenden“, sagt der sächsische LSB-Generalsekretär Christian Dahms.

          Dieser Befund deckt sich mit den Daten der Sporthochschule. „Die Bestandszahlen zeigen, dass vor allen Dingen die Jugendabteilungen und der Kindersport vom Mitgliederschwund betroffen sind, und gerade da sind die sozialen Leistungen der Sportvereine am größten“, sagt Breuer, der vor irreparablen Folgen warnt: „Im Hinblick auf Bewegungstechniken oder auch auf Führungsqualitäten innerhalb von Mannschaften, die vermittelt werden, wird eine Lücke bleiben. Ähnliches gilt für die Anzahl der Sportarten, die ein Kind ausprobiert, um seine Sportart zu finden.“

          Weitreichende Folgen befürchtet

          Aber nicht nur aus diesem Grund fürchten die Vereine schon bei insgesamt überschaubaren Austrittszahlen weitreichende Folgen. In vielen Mannschaftssportarten führt bereits die Abkehr von zwei, drei Spielerinnen oder Spielern dazu, dass ganze Teams verschwinden, weil der Kader plötzlich zu klein ist. Eine im Dezember vom Bayerischen Fußball-Verband initiierte Umfrage ergab, dass weniger Klubs sich mit finanziellen Sorgen herumplagen als während des ersten Lockdowns.

          Dafür fürchten 79,4 Prozent der Vereine, viele Kinder und Jugendliche als aktive Spieler zu verlieren. 44,6 Prozent der Klubs gaben an, dass ganze Mannschaften wegfallen könnten. Auf der Seite der Austritte sind die Unterschiede zu normalen Jahren gar nicht so prägnant, was aber fast komplett fehlt, sind Neuaufnahmen. Da verwundert es nicht, dass die Entwicklungen auf Funktionärsebene ganz unterschiedlich interpretiert werden. Es gebe „Landessportbünde, die auf Schwierigkeiten hinweisen wie Sachsen oder Hamburg“, sagt der Forscher Breuer. „Der LSB NRW deutet die Zahlen eher dahingehend, dass die Krise recht gut gemeistert wird“, weil es keine Massenaustritte gebe.

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