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Ärger im deutschen Eishockey : „Viel populistischer Kokolores. Da hört der Spaß auf“

  • Aktualisiert am

Wann rutscht der Eishockey-Puck wieder in deutschen Hallen? Bild: Imago

Alle Spieler der Deutschen Eishockey Liga sollen vorerst auf 25 Prozent ihres Gehalts verzichten. Die Aufregung ist groß. Es fallen Begriffe wie „Erpressung“ oder „Nötigung“. Nun spitzt sich der Streit immer mehr zu.

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          Klubchef Lothar Sigl von den Augsburger Panthern wehrt sich gegen Kritik am erzwungenen Gehaltsverzicht der Spieler in der Deutschen Eishockey Liga (DEL). Dazu schimpfte der 63-Jährige deutlich über die Reaktion einiger Profis. „Das ist etwas aus dem Ruder gelaufen, da ist viel populistischer Kokolores erzählt worden. Was mich persönlich beleidigt, ist, wenn von Nötigung und Erpressung die Rede ist. Da hört der Spaß auf“, sagte Sigl der „Süddeutschen Zeitung“ (Freitag).

          Der Geschäftsführer der Panther beschwerte sich zudem über den Zeitpunkt der Ankündigung der Olympia-Silbergewinner Moritz Müller (Köln) und Patrick Reimer (Nürnberg), „ausgerechnet jetzt, in der größten Krise“ eine Spielergewerkschaft gründen zu wollen: „Das halte ich für fragwürdig.“ Müller und Reimer hatten indes schon länger angekündigt, eine Spielergewerkschaft gründen zu wollen – unabhängig vom Gehaltsverzicht, den die Liga zur Voraussetzung für eine Lizenzerteilung gemacht hatte.

          Sigl widersprach dem. „Das war kein Ausschlusskriterium. Dafür ist das ganze Thema zu wichtig, als dass man das an einer Formalität scheitern lässt“, sagte er. DEL-Chef Gernot Tripcke hatte allerdings selbst angekündigt, dass Lizenzen verweigert würden, wenn diese zwar einen ausgeglichenen Haushalt, aber keinen Gehaltsverzicht der Spieler nachweisen könnten.

          Um eine Lizenz zu erhalten, müssen die Klubs belegen, dass ihre Spieler auf 25 Prozent des Gehalts verzichten. Trainer und Funktionäre der Klubs sind davon ausgenommen. Augsburg ist neben Bremerhaven das einzige Team, das bislang offiziell eine Einigung erzielt hat. Nach Sigls Angaben haben auch Iserlohn und Wolfsburg die entsprechenden Unterschriften zusammen.

          Tripcke verteidigte als Geschäftsführer der DEL den zwingend erforderlichen Gehaltsverzicht der Profis für eine Lizenzierung der Vereine. „Für die Klubs gibt es zwei Hauptprobleme: Die neue Saison ist wirtschaftlich defensiver zu planen und die Klubs müssen auch die Zeit bei einem verzögerten Saisonstart oder gar Ausfall liquiditätsmäßig überbrücken können, ohne in Insolvenzgefahr zu geraten“, erklärte er im Interview des „Express“ (Donnerstag).

          Alle Profis sollen wegen der Corona-Krise ein Papier unterschreiben, womit sie vorerst auf 25 Prozent ihres Gehaltes verzichten. Viele Spieler weigern sich. „Eine ausgeglichene Wirtschaftlichkeit ist also nur gegeben, wenn die Klubs auch ihre Kosten reduzieren können“, erklärte Tripcke. Begriffe wie „Erpressung“ oder „Nötigung“ seien „unangebracht. Es ist eine wirtschaftliche Notwendigkeit, um die Klubs zu schützen.“

          Derzeit hätten fast alle Klubs Anträge auf Kurzarbeit gestellt und Bewilligungen bekommen. „Aber die Spieler müssen auch dem zustimmen. Für die Liquidität vieler Klubs bis Saisonbeginn ist das sehr wichtig“, sagte Tripcke, der weiter am geplanten Saisonstart im September festhält. „Wenn wir nicht ab dem 18. September mit Zuschauern spielen können, dann herrscht große Not.“

          Unter den aktuellen Rahmenbedingungen werde es keine Geisterspielsaison geben. „Das einzige, was ich mir vorstellen kann, ist eine kurze Überbrückungsphase. Nur wenn wir den Löwenanteil der Saison mit Zuschauern spielen können, wären ein paar Geisterspiele möglich“, sagte der DEL-Chef. Bei Geisterspielen hätten die Klubs weiter hohe Fixkosten und im Schnitt nur rund 20 Prozent Erlöse.

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