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Fußball-Weltverband : Compliance-Chef will Fifa-Exekutivkomitee auflösen

Ein Mann mit einem Konzept: Fifa-Compliance-Chef Domenico Scala Bild: AFP

Anregungen für den Reformprozess: Compliance-Chef Domenico Scala hat weitreichende Vorschläge für eine Neuordnung des Internationalen Fußballverbands Fifa vorgelegt. Dazu gehört auch die Schwächung der Kontinentalverbände.

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          In der seit Jahren geführten Diskussion um tiefgreifende Reformen beim krisengeschüttelten Internationalen Fußball-Verband (Fifa) hat der Vorsitzende der internen Compliance- und Audit-Kommission, Domenico Scala, am Donnerstag einen der bisher weitestreichenden Maßnahmenkataloge ins Spiel gebracht. Die Vorschläge des Scala-Reports gehen bis zur Auflösung des bestehenden Fifa-Vorstands (Exekutivkomitee) mit einer an Großunternehmen orientierten Neustrukturierung der Führungsebene in einen Aufsichtsrat und das geschäftsführende Management.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Zudem sieht sein Papier den Einflussverlust der bislang mächtigen Kontinentalverbände wie der Europäischen Fußball-Union vor, die nach den Statuten auch gar keine Mitglieder des Fifa-Verbunds sind. Diesen Status haben nur die 209 Nationalverbände wie der Deutsche Fußball-Bund (DFB). „Es besteht eine dringende Notwendigkeit, weitere Reformen vorzunehmen“, führte Scala an. Das größte aktuelle Einzelrisiko in der Fifa sei gegenwärtig die Stellung und Struktur des Exekutivkomitees sowie das Verhalten einzelner seiner Mitglieder. „Wenn sich die Fifa nicht bewegt, dann wird sich die öffentliche Meinung über sie nicht ändern.“

          Abgrenzung zur Reformarbeitsgruppe

          Der Schweizer Wirtschaftsmanager wurde 2011 vom Anti-Korruptions-Experten und Strafrechtler Mark Pieth aus Basel in die Fifa gebracht. Dieser führte über mehrere Jahre ein Reformgremium an und sorgte für erste Reformen beim Weltverband. Seither gibt es eine Ethikkommission mit eigenständigen Ermittlern und einer Spruchkammer. Scala ist weder dem Fifa-Vorstand oder dem Fifa-Präsidenten Joseph Blatter gegenüber in seiner Position als Compliance-Chef weisungsgebunden.

          Mit seinem aktuellen Vorstoß grenzt er sich nicht nur von der Fifa-Führung und der zuletzt gegründeten Reformen-Arbeitsgruppe ab, über deren ernsthafte Bemühungen inzwischen erhebliche Zweifel bestehen. Scala gibt nun vor allem einen hohen Soll-Wert vor, der die Gremien der Fifa, aber auch alle Kandidaten wie Michel Platini, die sich im Februar als Blatter-Nachfolger wählen lassen wollen, erheblich unter Druck setzen dürfte – und das in aller Öffentlichkeit.

          Mehr Transparenz

          Zu den verschärften Vorschlägen gehören weiterhin Maßnahmen, die schon zuvor angedacht wurden. So fordert Scala noch strengere Integritätsprüfungen für alle Funktionäre in den Fifa-Gremien als Wählbarkeitsvoraussetzung, aber auch Offizielle der höchsten Leitungsebenen in den Konföderationen (wie Europa, Asien oder Südamerika) und Nationalverbänden. Das gleiche gilt für eine Beschränkung der Amtszeiten auf drei Perioden von jeweils vier Jahren zur Verhinderung von gefährlichen Seilschaften.

          Insgesamt sollen die Konföderationen und Nationalverbände höhere Governance-Standards mit dezidierten Ethikregularien einführen. Insgesamt müssten die vielen Komitees innerhalb der Fifa (mehr als 30) für ihre stärkere Unabhängigkeit reduziert und durch Neubesetzungen mögliche Interessenkonflikte der Mitglieder sowie Vorsitzenden verhindert werden. Zudem sollten die Vergütungen des Fifa-Präsidenten, der Vorstandsmitglieder, des Generalsekretärs und mindestens der verschiedenen Kommissionsvorsitzenden detailliert im Finanzbericht offengelegt werden, der auch der Öffentlichkeit zugänglich ist.

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