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Claudia Pechstein im Interview : „Der Tag meiner Rehabilitierung wird kommen“

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Claudia Pechstein: „Jeder kämpft für sich allein“ Bild: picture alliance / dpa

Stimmungsumschwung nach dem Cas-Urteil: Eisschnellläuferin Claudia Pechstein spricht im F.A.Z.-Interview über ihre Rehabilitierung, fehlende Unschuldsvermutung bei Sportlern – und ihre Pläne für 2018.

          Es scheint einen Stimmungsumschwung zu geben, was den Umgang mit Ihnen angeht. Bei der Goldenen Sportpyramide hatten Sie viele renommierte Gesprächspartner.

          Ja, sehr viele. Unter anderem Werner Klatten, der Aufsichtsratsvorsitzende der Sporthilfe. Er hat sich von seinen früheren Aussagen über mich distanziert.

          Er hatte nach dem Urteil des Internationalen Sportgerichtshofs (Cas) von 2009 gefordert, der Kampf gegen Doping müsse radikal geführt werden, und Sie, wie viele andere, als Doperin bezeichnet.

          Das hat er zurückgenommen und sich dafür bei mir persönlich im Beisein anderer Gäste entschuldigt.

          Ist das ein Anfang?

          Ja sicher. Meine Rehabilitierung durch den Sport, die Anerkennung, dass mir Unrecht geschehen ist, ist mir wichtiger als jeder Sieg in meiner Karriere.

          Sie haben mit Thomas Bach gesprochen, als er noch Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) war. War er der Meinung, Sie hätten nicht verurteilt werden dürfen?

          Wir haben uns mehrfach ausgetauscht. Mein Manager, mein Anwalt und mein Lebenspartner waren auch zu größeren Runden ins Büro des DOSB in Berlin geladen. Man hat uns klargemacht, dass der DOSB sich offiziell an das Urteil gebunden fühlt. Über das, was darüber hinaus intern gesprochen wurde, haben wir Stillschweigen vereinbart.

          Wie soll Ihre Rehabilitierung aussehen?

          Der neue DOSB-Präsident Alfons Hörmann nimmt sich viel Zeit für uns Athleten. Er hat sich intensiv mit den Hintergründen meiner Sperre beschäftigt. In seiner Kölner Sportrede Ende Mai hat er angekündigt, dass es in meinem Fall eventuell eine deutliche Korrektur geben müsse. Er könne es nicht mittragen, dass man Unrecht Unrecht bleiben lasse. Ich habe mit meinem Team immer dafür gekämpft, dass ich öffentlich rehabilitiert werde. Viele haben darüber müde gelächelt. Aber ich habe die Hoffnung nie aufgegeben und werde das auch zukünftig nicht tun. Ich bin optimistisch, dass der Tag meiner Rehabilitierung kommen wird.

          Das würde das Rechtssystem des Sports ins Wanken bringen.

          In meinem Fall hat es versagt. Die medizinischen Erkenntnisse der letzten vier Jahre sind eindeutig. Der deutsche Sport kann sich nicht weigern, sie anzuerkennen.

          Sie fordern dreieinhalb Millionen Euro Schadensersatz. Bleibt es dabei?

          Das ist nur der materielle Schaden. Irgendwer muss ihn begleichen. Mir ist egal, wer das tut, Hauptsache die Gerechtigkeit siegt. Ich verstehe gar nicht, dass die ISU...

          ... der Weltverband der Eisschnellläufer...

          ... den Zug so weit hat fahren lassen. Deren Gutachter, der Hämatologe Alberto Zanella aus Italien, ist inzwischen derselben Überzeugung wie alle anderen Experten, die sich mit meinem Blutbild befasst haben. Meine Retikulozytenwerte stammen von einer Blutanomalie, die mir mein Vater vererbt hat. Die medizinische Diagnose von Stefan Eber aus München ist eindeutig. Trotzdem sagt die ISU: The case is closed, der Fall ist abgeschlossen.

          Dabei zeigen Sie sich ständig selbst an.

          Drei Mal inzwischen. Meine Blutwerte sind dieselben wie die, für die ich bestraft wurde, aber nun unternimmt der Verband nichts. Ich erwarte, dass die Funktionäre der ISU zugeben, dass sie Fehler gemacht haben. Aber sie werden das nicht tun. Der Druck reicht noch nicht aus. Zwar steht die Deutsche Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG), insbesondere Präsident Gerd Heinze, in dieser Angelegenheit an meiner Seite, doch das interessiert die Bosse des Weltverbandes nicht. Deshalb setze ich auf den deutschen Sport.

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