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Rainer Seele (rse.)

Kommentar : Ja, so ist der Chinese halt

  • -Aktualisiert am

Recht verwirrend: Die Tour wird ein bisschen chinesisch Bild: dpa

China kauft sich im Sport ein. Nun hat sich ein Milliardär die Tour de France gesichert, der Fußball ist auch schon im Visier. Das kommt einem recht süß-sauer vor.

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          Herrschaftszeiten, wie die Zeit wieder rast und die Welt sich verändert und mit ihr der Sport! Wer kommt da noch mit? Und wer kann schon noch guten Gewissens sagen, wer wirklich die Macht hat im Sport? Und (oder) das meiste Geld. War ja bisher so, dass da zuallererst an irgendwelche russische Oligarchen gedacht wurde oder an einen der Scheichs aus dem Morgenland. Und jetzt? Bitte schleunigst umdenken!

          Die ganze Geschichte ist geprägt von einem grundlegenden Wandel: Achtung, die Chinesen kommen, stärker denn je! Was irgendwie auf der Hand liegt, wenn man bedenkt, dass nach dem chinesischen Horoskop das Jahr des Feuer-Affen bevorsteht, über den zu lesen ist: „Ein geschickter Typ, der voller Raffinesse steckt und stets seinen Vorteil im Auge hat.“

          Eine Affen-Offensive also, ausgehend vom Reich der Mitte. Da herrscht zwar manchmal ein ziemlicher Mangel an guter Luft, aber es ist auch ein wahres Kohle-Revier, soll heißen: ein reiches Land. Zumindest gibt es dort Menschen, die gar nicht zu wissen scheinen, wohin mit all dem Mammon. Vor ihnen ist offenbar niemand sicher, auch nicht das größte Spektakel des Radsports.

          Wie gerade zu erfahren war, will Wang Jianlin, Chef des Mischkonzerns Wanda Group, die Tour de France in seinen Besitz bringen und vielleicht noch ein paar andere Radrennen. Wobei die Chinesen zwar im Allgemeinen ein Volk der Radler sind, aber im Profiradsport noch ein bisschen hinterherhinken. Wie Ji Cheng, der die Tour 2014 als Allerletzter beendet hatte und darüber hinaus mit der Bemerkung auffiel, dass er gerne Huhn in Cola koche.

          Sport süß-sauer

          Wang dürfte das schnuppe sein, er hat ein Vermögen von angeblich 31 Milliarden Dollar und will sein Imperium kräftig ausbauen. Ihm soll so etwas in der Größenordnung wie Disney vorschweben, und da kommt ihm die Boombranche Sport gerade recht. Er hat auch schon den Sportrechtehändler Infront erworben, die Ironman-Triathlonserie, seine Gruppe sicherte sich Anteile an Atlético Madrid. Andere Chinesen kauften sich kürzlich bei Manchester City ein, wiederum andere Chinesen haben Pavia Calcio übernommen - Italien, dritte Liga. Muss ein Geheimtipp gewesen sein.

          Alles recht verwirrend im Moment. Wang, Wanda, Pavia, Panda... China scheint in jedem Fall den Sport, vor allem den Fußball, auf den Kopf stellen zu wollen. Und man ist fast geneigt, sich vorzustellen, dass gewisse Herren irgendwann - sollten sie wieder mal auf Märchenjagd gehen - sich auf ganz neue Geschäftspartner einstellen müssten. Der Bayer F. R. etwa käme dann als Strippenzieher wohl nur noch in gepflegtem Mandarin weiter. Und F. B. - der Bayer schlechthin - sollte als leuchtende Galionsfigur und Stimmenfänger ertragen können, von lauter freundlichen, aber sehr selbstbewussten Leuten umwuselt zu werden. Ja, würde er dann vielleicht grummeln, so ist der Chinese halt. Scheint in jedem Fall kein Halten mehr zu geben. Die Welt muss sich einstellen auf Sport süß-sauer.

          Rainer Seele
          Sportredakteur.

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