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Chemnitzer Widersprüche : Leichtes Spiel für Nazis und Hooligans

Fans des Chemnitzer FC zünden Pyrotechnik und zeigen ein Banner mit dem sie einem verstorbenen Rechtsextremen gedenken. Bild: dpa

Nach den Beileidsbekundungen für einen Rechtsextremen verstrickt sich der Chemnitzer FC in seiner Reaktion in Widersprüche. Es scheint, als ob Fans und Verein in zu großen Teilen mit der rechten Szene identisch sind.

          Wie viele Chemnitzer Fußballvereine haben am vergangenen Wochenende eigentlich in der Regionalliga Nordost gespielt? Inzwischen kann der Eindruck entstehen, dass es wenigstens zwei waren. Zum einen der Chemnitzer FC, der noch am Sonntagmorgen unter Verweis auf ein angebliches „Gebot der Mitmenschlichkeit“ in „Übereinstimmung mit Abwägungen, die von den Sicherheitsbehörden getroffen worden waren“, die Trauerbekundungen für einen verstorbenen stadtbekannten Nazi- und Hooligan-Anführer vor Anpfiff der Partie gegen Altglienicke verteidigte, für die er Lautsprecher und Anzeigetafel zur Verfügung stellte. Und der Chemnitzer FC, der, konfrontiert mit der hellen Empörung, die sich angesichts der Aufnahmen der kondolierenden Sympathisanten auf den Rängen, in der Mannschaft und unter den Betreuern bundesweit breitmachte, am Montag einerseits Strafanzeige gegen unbekannt stellte, da mit „massiven Ausschreitungen“ gedroht worden sei. Mutmaßlich für den Fall, dass die Trauerbekundung nicht im gewünschten Format stattfinden könnte, auch wenn die Pressemitteilung des Vereins das, zufällig oder nicht, offenlässt. Der Chemnitzer FC also, der nun wissen will, dass „einschlägig bekannte Personen aus der rechtsextremen Szene für diesen Tag nach Chemnitz und Sachsen gereist sind“. Der Chemnitzer FC, der nun aber andererseits auch den Stadionsprecher, einen Mitarbeiter der Presseabteilung und die Fanbeauftragte von ihren Aufgaben entband.

          Wer da tatsächlich gespielt, zugeschaut und einer extrem rechten Szenegröße kondoliert hat, erschließt sich schon eher aus den Informationen der Chemnitzer Polizeidirektion, die sie der F.A.Z. mitteilte: Die Polizei hatte demnach vorab „im Wissen um die Person und die Vergangenheit des Verstorbenen Bedenken geäußert“. Und: „Im Vorfeld wurden uns gegenüber derartige Drohungen durch Vereinsverantwortliche auch nicht thematisiert.“

          Es spricht also nicht gerade viel dafür, dass die Chemnitzer Nazi-Szene, bekannt für ihre Präsenz in der Fankurve des Chemnitzer FC, bekannt für ihre Rolle etwa bei den rassistischen Ausschreitungen im vergangenen Spätsommer, mit Gewalt drohen musste. Und wer sich die Aufnahmen vom Samstag anschaut, sieht Hunderte junge und alte Fans, die mitmachen beim Gedenken an den Gründer der Vereinigung von „Hooligans, Nazis, Rassisten“ (HooNaRa), die ihre Schals hochhalten. Und der sieht schließlich, wie Stürmer Daniel Frahn das T-Shirt mit der Aufschrift „Support your local Hools“ von einem Betreuer gereicht bekommt, um es Richtung Kurve zu recken.

          So entsteht der Eindruck, dass sich Verein und Anhang nicht nur gemeinmachen mit der extrem rechten Szene, mit Gewalttätern und Rassisten, sondern in zu großen Teilen identisch sind. Es wundert nicht, dass Sponsoren des Vereins nach Möglichkeiten suchen, auszusteigen aus ihrem Engagement. Tatsächlich erschrecken aber muss, wie leicht es Nazis und Hooligans haben, ihre Themen zu setzen. Dass nicht nur in Chemnitz „getrauert“ wurde, sondern auch in Cottbus ein Plakat hing. Dass, so der Pressesprecher von Energie Cottbus, „den Verantwortlichen nicht bekannt war, um welche Person es sich hierbei handelte“.

          Nun distanziert sich der Deutsche Fußball-Bund „in aller Deutlichkeit von den Vorkommnissen“, und der Nordostdeutsche Fußball-Verband „tritt rassistischen, verfassungs- und fremdenfeindlichen sowie menschenverachtenden Verhaltensweisen entschieden entgegen“. Nach allem, was am Samstag in Chemnitz zu sehen war: Das reicht nicht.

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