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Champions League : DFL stellt sich gegen Reformpläne

Auf Konfrontationskurs: Die DFL mit Geschäftsführer Seifert opponiert gegen Reformpläne. Bild: dpa

Bundesligavertreter drohen mit Rückzug aus der europäischen Klubvereinigung, wenn die Pläne für eine neue Champions League weiter verfolgt werden. Die Vereine beschließen die Einführung des Videoschiedsrichters in Liga zwei.

          Die umstrittene Reform der Europapokalwettbewerbe führt innerhalb der Fußball-Bundesliga zu weiterer Unruhe. Während eines Treffens in Offenbach der Vereine, die Mitglieder in der europäischen Klubvereinigung ECA sind (derzeit 13), soll nach Informationen von FAZ.NET eine Mehrheit der Vertreter einen Rückzug aus der ECA ins Spiel gebracht haben, wenn die von der Klubvereinigung und vom europäischen Fußballverband Uefa angedachten Reformpläne umgesetzt würden. Befürchtet wird eine Entwertung der Bundesliga. Zudem sei die Hinterzimmer-Politik der ECA kritisiert worden, die derzeit vom Präsidenten des italienischen Vereins Juventus Turin, Andrea Agnelli, geführt wird. Der Direktor für Recht des FC Bayern, Michael Gerlinger, gehört ebenfalls dem ECA-Vorstand an.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Er hatte zuvor auf einer Ligaversammlung der 36 Profiklubs aus erster und zweiter Liga die Reformideen vorgestellt. Danach sagte der Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga (DFL), Christian Seifert, dass alle Ligamitglieder das vorliegende Reformkonzept rundweg ablehnten. „Dieses hätte fatale und nicht akzeptable Konsequenzen, weil es mittel- bis langfristig die Existenz der nationalen Ligen gefährden würde.“ Er appellierte daher an den Uefa-Präsidenten Aleksander Ceferin (Slowenien), den weiteren Prozess mit Weitsicht zu moderieren. „Bei allen Diskussionen sind zwei Punkte von entscheidender Bedeutung: die Anzahl der Spieltage im Rahmenterminkalender und vor allem der Zugang zu den internationalen Wettbewerben. Veränderungen an diesen beiden Stellen dürfen nicht dazu führen, dass die Relevanz und Zukunft der nationalen Ligen in Europa gefährdet wird“, sagte Seifert.

          Pläne mit Auf- und Abstieg

          Bisher aus den Plänen publik geworden ist, dass von der Saison 2024/25 an im Europapokal ein Pyramidensystem mit drei Ligen sowie Auf- und Abstieg umgesetzt werden könnte. In der höchsten, der Champions League, würden die 24 besten der 32 Mannschaften für die Folgesaison ihren Platz behalten können. Vier Klubs stiegen aus der Europa League 1 (32 Klubs) auf, und nur vier kämen als Qualifikanten aus nationalen Ligen (wahrscheinlich aus den vier aktuell stärksten Ligen). In einer Europa League 2 würden 64 Teams in vier regionalen Zonen spielen. Kleinere Vereine erhoffen sich hieraus etwas mehr Einnahmen, aber vor allem einen Qualitätsschub.

          Statt acht Vierergruppen gäbe es in der Champions League vier Achtergruppen, womit für jeden Teilnehmer 14 statt sechs Vorrundenspiele garantiert wären. Dass sich danach jede Spielzeit nur noch wenige Vereine zu Hause für die internationalen Wettbewerbe qualifizieren müssten, sorgt in Ligen wie der Bundesliga für Kritik, weil es zu einem Spannungsverlust in der Meisterschaft führen könnte. Aus Uefa-Kreisen ist zu hören, dass nach einer solchen Reform statt der bisher 3,2 Milliarden Euro vielleicht vier Milliarden oder mehr an Vermarktungseinnahmen in den internationalen Wettbewerben eingespielt werden könnten. Die Pläne sind nicht abgeschlossen.

          Bayern-Manager Gerlinger hatte gegenüber der F.A.Z. angeführt, dass durch das neue System die nationalen Ligen nicht entwertet werden dürften. „Der Anteil der Vereine, die sich über eine Meisterschaft für den Europapokal qualifizieren, sollte nicht zu klein sein. Ich bin optimistisch, dass die deutsche Position auf Uefa-Ebene geltend gemacht werden kann und gehört wird.“ Es wird sich zeigen, ob die deutschen Klubs am Ende auf europäischer Ebene nicht doch kompromissbereit sein müssen.  

          Videoschiedsrichter in Liga zwei

          Auf ihrer Tagung beschlossen die Klubs weitere Dinge: Der Videobeweis wird nach der Bundesliga ab der kommenden Saison auch in der zweiten Bundesliga zum Einsatz kommen. Dies haben die 18 Vereine des Unterhauses am Mittwoch auf der Mitgliederversammlung beschlossen. In der Bundesliga wird bereits seit der Saison 2017/18 auf das technische Hilfsmittel zurückgegriffen. „Es sind alle notwendigen Maßnahmen getroffen worden, damit die notwendige Technologie zum Saisonstart zur Verfügung steht“, sagte DFL-Präsident Reinhard Rauball.

          Im Streit um die Beteiligung an zusätzlichen Polizeikosten bei Hochrisikospielen gibt die Deutsche Fußball Liga (DFL) trotz der Niederlage vor dem Bundesverwaltungsgericht Leipzig nicht klein bei. „Wir werden alle Rechtsmittel ausschöpfen. Der Gang vor das Bundesverfassungsgericht ist noch möglich“, sagte DFL-Präsident Reinhard Rauball. Es wurde eine Arbeitsgruppe gebildet, die sich vertiefend mit den Gebührenbescheiden der Hansestadt Bremen befassen wird. Neben der DFL und Werder Bremen gehören dem Gremium auch Vertreter von Eintracht Frankfurt, Hannover 96, Borussia Mönchengladbach und dem Hamburger SV an, die als Gästemannschaften bei den betreffenden Spielen involviert waren.

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