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Wahlprogramme im Überblick : Sport als Anhängsel

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Auch wenn sich Armin Laschet als Fußball-Fan zeigt: Sport kommt im Union-Programm nur als Anhängsel vor Bild: Frank Röth

Welche sportpolitischen Akzente wollen die derzeit im Bundestag vertretenen Parteien setzen? Ein Blick in die Wahlprogramme zeigt: ausgiebig haben sich vor allem die Grünen mit dem Thema auseinandergesetzt.

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          CDU / CSU: Der Sport gehört nicht zu den elf wichtigsten Vorhaben der Union, die sie im Internet vorstellt – man muss das gesamte Programm (140 Seiten) herunterladen. Der Sport ist dort lediglich ein Anhängsel (ab Seite 138). Aufgeführt ist er als letzter Punkt der letzten Rubrik unter dem Titel: „Neue Lebensqualität in Stadt und Land – aus Liebe zu unserer Heimat“. Unter „Engagierte Sportförderung“ wird dann mit Verweis auf die gesellschaftliche Bedeutung des Sports unter anderem erwähnt, dass „der aufstrebende E-Sport“ in Deutschland stärker unterstützt werden soll, dass eine bessere Basis für Leistungs- und Spitzensport gelegt werden soll und dass die Bewerbungen für internationale Großereignisse unterstützt werden – sofern die dafür erwähnten Rahmenbedingungen stimmen und die Bevölkerung nicht dagegen ist. Dies gelte auch für Olympische Spiele.

          Hier kann das Wahlprogramm von CDU und CSU nachgelesen werden.

          SPD: Die SPD samt Spitzenkandidat Olaf Scholz nennt ihr Wahlprogramm gleich mal „Zukunftsprogramm“. Es gibt drei Fassungen: Die lange, die kurze und jene in „leichter Sprache“. Bei der langen (66 Seiten) kommt der Sport unter „Eine Gesellschaft des Respekts“ im Kapitel 3.10 „Demokratie stärken“ (Seite 47) vor. Auch die SPD betont die „zentrale“ Bedeutung des Sports für den „sozialen Zusammenhalt der Gesellschaft, für Inklusion, Integration und gegen Diskriminierung“. Sie versichert im Allgemeinen: „Breiten- und Leistungssport werden wir fördern“, gleiches gelte für den Spitzensport. Auch steht dort: „Bund, Bundesländer und Kommunen sind gleichermaßen aufgefordert, die Basis des Sports bei der Überwindung der pandemiebedingten Probleme in besonderer Weise zu unterstützen.“

          Das Wahlprogramm der SPD zum Nachlesen.

          Alle sechs im Bundestag vertretenen Parteien setzen eigene Akzente in der Sportpolitik.
          Alle sechs im Bundestag vertretenen Parteien setzen eigene Akzente in der Sportpolitik. : Bild: Picture-Alliance

          AFD: „Deutschland. Aber normal.“ heißt das Wahlprogramm. Es umfasst 210 Seiten. Das Inhaltsverzeichnis erstreckt sich über 8 Seiten. Das Wort „Sport“ oder ein Hinweis darauf kommen dort nicht vor. Wer sucht, der findet den Sport zweimal: Die AfD spricht sich demnach gegen eine Befreiung von Muslimen vom Sport- und Schwimmunterricht in den Schulen aus. Und sie ist gegen Verschärfungen des Waffengesetzes, die auch Sportschützen betreffen. Sonst? Nichts.

          Das Wahlprogramm der AFD in der Übersicht.

          FDP: Die Freien Demokraten behaupten: „Nie gab es mehr zu tun“. Was aus ihrer Sicht zu tun ist, beschreiben sie auf 68 (ziemlich kleingedruckten) Seiten, ab Seite 42 kommt der Sport vor. Es gibt vier Punkte, die dort aufgeführt und kurz erläutert werden: 1. „Werte im Sport schützen“, 2. „Sport-Großveranstaltungen“ (an Bewerbungen für die Ausrichtung von Sport-Großveranstaltungen will die Partei von IOC-Präsident Thomas Bach festhalten), 3. „E-Sports anerkennen und unterstützen“, 4. „Doping bekämpfen – Schutz für Kronzeugen und Whistleblower“. In diesem Punkt sind sich die Freien Demokraten einig mit der Partei Bündnis 90/Die Grünen. Für Menschen, die das Angeln, Fischen und Jagen als Sport betrachten: ab Seite 61.

          Das Wahlprogramm der FDP kann hier nachgelesen werden

          DIE LINKE: Es ist „Zeit zu handeln“ findet die Linke. Ihr Wahlprogramm umfasst 168 Seiten - und es ist durchaus konkret, was den Sport angeht. Sie fordert u.a.: „Die Vielfalt des Sports muss im Programm abgebildet werden“ (soll wohl heißen: im TV-Programm), „weil Sport mehr ist als Fußball, Skisport und Großereignisse wie Olympia“. Und: Sie will die Erlöse aus den Übertragungsrechten von Sportveranstaltungen neu regeln: Die Millionen aus dem Fußball etwa sollen gerecht unter den Vereinen und unter den Geschlechtern verteilt werden. Konkret will die Linke zudem in baufällige Infrastruktur wie Hallen, Sportplätze und Schwimmbäder investieren. Den Sanierungsbedarf sieht sie bei 31 Milliarden Euro.

          Das Wahlprogramm der Linken zum Nachlesen.

          BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Die Grünen bieten zahlreiche Versionen ihres Wahlprogramms an. „Deutschland. Alles ist drin“ umfasst in der Langversion 272 Seiten, allerdings auch mit einem Stichwortverzeichnis, das darauf hinweist, dass der Sport u.a. auf den Seiten 199 (“Schutz für Whistleblower*innen im Zusammenhang mit Doping“) und ab 209ff vorkommt. Die Grünen legen einen umfangreichen „Entwicklungsplan für den Sport“ vor, der dem „größten Träger der organisierten Zivilgesellschaft und des freiwilligen Engagements“ gerecht werden soll. Besondere Bedeutung wird dort dem Breitensport beigemessen, vor allem auch im Osten. Betont wird auch: „Ein starker Breitensport braucht Vorbilder. Im Leistungssport muss es um die bestmögliche Förderung von Talenten gehen und nicht allein um die Fixierung auf eine bestimmte Medaillenanzahl.“

          Hier kann das Wahlprogramm der Partei BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN nachgelesen werden.

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