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Stützpunkte in Deutschland : „Das Ganze ist ein großes Mysterium“

Schöner Schein: Was nach einer runden Sache aussieht, kann hohl sein. Bild: Imago

Künftig soll es in Deutschland 21 Einrichtungen geben, die weiterhin auf Türschild und Briefkopf als Bundesstützpunkt ausgewiesen sind, die der Bund aber nicht finanziert. Die Zustimmung ist groß.

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          Potemkinsche Stützpunkte – so muss man den Stand der Spitzensportreform bei der Infrastruktur wohl nennen. Künftig soll es 21 Einrichtungen geben, die zwar weiterhin auf Türschild und Briefkopf als Bundesstützpunkt ausgewiesen sind, die der Bund aber nicht finanziert. Betroffen sind Gewichtheber und Rhythmische Sportgymnastinnen in Berlin, Turner in Cottbus, Triathleten in Neubrandenburg, Schützen in Dortmund, Trampolinturner in Bad Kreuznach und Segler am Bodensee und an der Ostsee. Die Straffung des Netzes von Stützpunkten ist seit Jahren Ziel der Spitzensportreform, die der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und sein größter Förderer, der Staat, ausgerufen haben. Die Zahl der Stützpunkte soll verringert werden, Athleten sollen konzentriert werden und an weniger Standorten in Konkurrenz miteinander intensiver trainieren. Allerdings: Es fehlt ein Konzept und damit Kriterien.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Innenminister Horst Seehofer hat den Streit, der daraus zwischen Sport und Staat entstanden ist, raffiniert beendet. Die 21 von 204 Bundesstützpunkten, an denen keine nennenswerte Zahl von Kader-Athleten oder mindestens zwei Bundestrainer beschäftigt sind und welche die Sportabteilung seines Ministeriums deshalb schließen will, liegen neuerdings im Interesse des Ressorts Heimat in seinem Ministerium. Es gelte, einen Beitrag zur Nachhaltigkeit und zur Strukturförderung der Region zu leisten. „Ich unterstütze die Spitzensportreform. Sogar mit mehr Geld“, sagte Seehofer am Dienstag auf seiner Pressekonferenz in Berlin. Laut dem Blog sportspitze.de fuhr er fort: „Ich habe die Pläne zur Schließung von Bundesstützpunkten gestoppt. Wir werden alle Bundesstützpunkte fortführen, auch die in Mecklenburg-Vorpommern beziehungsweise in den neuen Ländern. Das ist auch ein Beitrag zur Schaffung gleichwertiger Lebensverhältnisse. Man muss den Stützpunkten die Möglichkeit geben, Leistungssportler zu entwickeln.“

          Kein Stützpunkt werde geschlossen, verspricht Innen-Staatssekretär Markus Kerber deshalb. Doch gefördert werden nur noch 154 für Sommer- und 30 für Wintersportarten. Die 21, die übrig bleiben, sollen von den Ländern aufgefangen werden – zu deren Überraschung. Ein Teil der Stützpunkte fällt aus der Förderung, weil es Bundesstützpunkte für Nachwuchs künftig nicht mehr geben wird. Doch schließen will die Talentschmieden auch niemand.

          „Das Ganze ist ein großes Mysterium“, sagt Jens Kahl, der Sportdirektor des Deutschen Kanu-Verbandes bestätigt, dass die Organisationen des Sports bisher keinen Bescheid aus Berlin erhalten haben. Sollte der Bund neben den Betriebskosten seinen Anteil an der Finanzierung von Trainern an den betroffenen Stützpunkten streichen, müssten schleunigst die Länder einspringen, ein Prozess der zur Koordination Zeit benötigt und nicht bis zum Jahresende gelöst werden kann. „Zumindest zum Erhalt der Trainerstellen gibt es positive Signale aus Berlin“, sagt Kahl. „Als erfolgreicher Verband fühlt man sich schon als Verlierer der Leistungssportreform.“

          Eckhardt Rehberg, Haushaltspolitiker der CDU im Bundestag, hält sich zugute, zur Rettung der drei Stützpunkte seines Landes beigetragen zu haben, Kanu und Triathlon in Neubrandenburg sowie Segeln in Warnemünde. Die Bundesstützpunkte blieben bis mindestens 2020 erhalten, schreibt er in einer Pressemitteilung und fährt fort: „Das bedeutet auch, dass die Finanzierung der Trainer bis 2020 gesichert ist.“ Da weiß er mehr als die Betroffenen. Die für den Sport zuständige Bildungsministerin Birgit Hesse (SPD) forderte er auf, ein Entwicklungskonzept für den Erhalt der Standorte über das Olympiajahr hinaus zu erstellen, statt offene Briefe zu schreiben. Die Ministerin hatte Seehofer vor einem „verheerenden Rückschlag und Negativwirkungen auf Nachwuchsleistungs- und Spitzensport des Landes“ gewarnt. Was der Bund künftig finanziert und was nicht, hat sie noch nicht erfahren.

          „Alle drei Standorte sind elementar wichtig“

          Die Betriebskosten für Stützpunkte sollen, im Vergleich zu Personalkosten, relativ gering sein; nicht wenige der 21 Stützpunkte sind nicht Gebäude, sondern, wie es aus einem Landessportbund heißt: „Standort, Tradition, Trainer, Perspektive“. Deshalb findet der Plan, Bundesstützpunkte ohne Bundesförderung zu erhalten, breite Zustimmung. Die Anerkennung wirke selbst ohne Zuschuss vom Bund, heißt es, sie sei ein Wert an sich.

          „Die Anerkennung als Bundesstützpunkt ist ein Prädikat“, sagt Nadine Stegenwalner, die Sportdirektorin des Deutschen Segel-Verbandes (DSV). Mit diesem Label lasse sich Unterstützung einwerben. Zwei der vier Bundesstützpunkte ihrer Sportart standen auf der Kippe. In Kiel konzentriert der DSV seine Besten. Friedrichshafen, Berlin und Warnemünde sind Standorte, an dem Talente trainieren, bis sie ihr Abitur gemacht haben und nach Kiel wechseln. Erst dort steigen sie üblicherweise in die Nationalmannschaft der Erwachsenen auf. Als das Innenministerium überraschend die ständige Anwesenheit von fünf Athleten aus A- oder B-Kader zur Bedingung für die Förderung der Stützpunkte machte, war das Nachwuchskonzept der Segler gefährdet. Der Stützpunkt in Berlin geriet nur deshalb nicht auf die Streichliste, weil dort einige Junge aufgrund ihrer Erfolg bereits in den Bundeskader berufen wurden. „Alle drei Standorte sind elementar wichtig“, sagt Sportdirektorin Stegenwalner. „Wenn nur einer wegfällt, hat das Auswirkungen auf Kiel und auf die Perspektive Olympia 2024 und 2028.“ Nun sind die Länder gefordert, in diesem Fall Baden-Württemberg und Mecklenburg-Vorpommern.

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