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Iranischer Ringer hingerichtet : Bundesregierung verurteilt Todesurteil auf das Schärfste

  • Aktualisiert am

Demonstrationen in Berlin gegen Irans Lynchjustiz: Nein zur Todesstrafe Bild: EPA

Die Hinrichtung des iranischen Ringers Navid Afkari trotz internationaler Proteste wird von der Bundesregierung scharf verurteilt. Irans Justizbehörde warnt vor europäischer Einmischung.

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          Das Auswärtige Amt hat die Hinrichtung des iranischen Ringers Navid Afkari scharf verurteilt. „Wir sind entsetzt darüber, dass die Todesstrafe gegen den Sportler Navid Afkari am vergangenen Samstag in Iran vollstreckt wurde“, erklärte eine Sprecherin des Ministeriums am Montag in Berlin. „Die Bundesregierung verurteilt diese Hinrichtung, die trotz internationaler Proteste und Bitten um Aussetzung durchgeführt wurde, auf das Schärfste.“

          Es habe erhebliche Zweifel an der Rechtsstaatlichkeit des Verfahrens gegeben, so die Sprecherin. Auch die Vorwürfe, dass Afkari erst unter Anwendung von Folter ein Geständnis abgelegt haben soll, würden sehr ernst genommen. Die Bundesregierung habe sich mehrfach und auf sehr hoher diplomatischer Ebene in Teheran für die Aussetzung des Todesurteils gegen Navid Afkari eingesetzt.

          Trotz internationaler Proteste war das Todesurteil gegen den 27-Jährigen nach Behördenangaben am Samstag im Gefängnis Adel-Abad in der südiranischen Stadt Schiras vollstreckt worden. Seine Familie durfte an der Beerdigung am darauffolgenden Tag nicht teilnehmen.

          Afkari hatte nach Angaben der iranischen Justiz bei einer Demonstration 2018 in Schiras einen Sicherheitsbeamten getötet. Der Sportler, seine Familie und Menschenrechtsorganisationen führten an, ein Geständnis sei durch Folter erzwungen worden.

          „Dem Recht auf freie Meinungsäußerung misst die Bundesregierung höchste Bedeutung bei. Auch zur Todesstrafe ist die Haltung der Bundesregierung eindeutig: Sie ist eine grausame und unmenschliche Form der Bestrafung, die wir unter allen Umständen ablehnen“, sagte die Sprecherin in Berlin. „Wir fordern ein rechtsstaatliches Verfahren für alle im Zusammenhang mit den Protesten in Iran inhaftierten Personen und dass weitere Todesstrafen weder verhängt noch vollstreckt werden.“

          Die iranische Justizbehörde hat europäische Botschaften in Teheran vor einer Einmischung gewarnt. „Ausländische Botschaften sollten nicht das Sprachrohr von iranischen Oppositionsgruppen werden und zumindest die diplomatischen Normen einhalten“, sagte Ali Bagheri, Vizechef der internationalen Abteilung in der Justiz, an diesem Montag.

          Der „Druck des Auslands“ könne weder die Autorität der iranischen Justiz noch die im Land geltenden islamischen Rechte untergraben, sagte Bagheri nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Irna. Er nannte weder Afkari beim Namen noch irgendwelche europäischen Botschaften, die die Hinrichtung des Sportlers kritisiert hatten. Der Iran hatte die Kritik zurückgewiesen und gesagt, dass das Ausland den Mord ignorieren und einen Mörder aus politischen Erwägungen „heiligsprechen“ würde. Afkari habe die Tat gestanden, hieß es.

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          Eine für diese Woche geplante Europa-Reise des iranischen Außenministers Mohammed Dschawad Sarif wurde abgesagt. Laut des iranischen Außenministeriums wegen der logistischen Probleme im Zusammenhang mit Corona. Auf den sozialen Medien wurde spekuliert, dass Sarif entweder ausgeladen wurde oder er unangenehmen Fragen der europäischen Medien über den Afkari-Fall vermeiden wollte. Sarif wollte in Berlin, Paris, Rom und London mit seinen Amtskollegen die Zukunft des Wiener Atomabkommens von 2015 besprechen.

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