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Bundesliga-Pause wegen Corona : Geisterspiele als einzige Option fürs Überleben

Seifert strich heraus, dass es bei Fragen der wirtschaftlichen Relevanz von Spielen nicht allein um die Einnahmen der Profis auf dem Platz ginge. Hinter den Ligen steckten 56.000 Arbeitsplätze. Er hoffe, der „Tag X“, an dem der Liga-Betrieb wieder aufgenommen werden könne, sei „hoffentlich nicht so weit weg, dass ihn alle erreichen“. Es sei der Zeitpunkt gekommen, an dem deutlich gesagt werden müsse, dass „wir ein Produkt herstellen und wenn es das Produkt nicht mehr gibt, gibt es uns nicht mehr“. Einen Versicherungsschutz für den eingetretenen Pandemiefall habe die DFL nicht, er wisse auch nicht von Ligen, die eine entsprechende Police abgeschlossen hätten, sagte Seifert: „Die Prämien hätten uns abgeschreckt.“

Darüber hinaus beschloss der Ligaverband die Einführung eines Notfallparagraphen, um die Entscheidungsfindung künftig, etwa bei der Einschränkung von Reisemöglichkeiten, zu erleichtern. Konkretere Schritte konnten angesichts der dynamischen Entwicklung der Pandemie bei der Sitzung in einem Hotel am Frankfurter Flughafen, an der auch Fritz Keller, der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und DFB-Generalsekretär Friedrich Curtius als Gäste teilnahmen, nicht beschlossen werden. Die Kritik am Bild, das die DFL in der vergangenen Woche abgegeben hat, nehme er „total an“, sagte Seifert. Der 26. Spieltag war bis Freitagmittag mit Spielen ohne Zuschauer angesetzt, und wurde dann, wenige Stunden vor seinem geplanten Beginn, nach Bekanntwerden erster Covid-19-Erkrankungen bei mehreren Vereinen, abgesagt. Die DFL habe stets im Einklang mit dem Bundesgesundheitsministerium und den örtlichen Gesundheitsämtern entschieden. Er verstehe, dass es „von außen so aussah, als wären wir von Sinnen“, sagte Seifert.

Das Gefühl der Unsicherheit werde die Liga-Verantwortlichen weiter begleiten. „Es wird nicht die letzte Entscheidung gewesen sein, die wir revidieren“, sagte Seifert. Er können jedoch Bewertungen und Entscheidungen nur in dem Moment treffen, in dem sie anstehen. Das Unterlagen im Ausschreibungsverfahren für die TV- und Medienrechte ab der Saison 2021/22 seien wie geplant verschickt worden, sagte Seifert. „Viele Bewerber“ wollten am gesteckten Zeitplan festhalten, der eine Vergabe bis 8. Mai vorsieht. Der Plan sei aber nicht „das Drängendste“ auf der Agenda des Ligaverbands derzeit.

Nach der Sitzung der DFL berief der DFB eine Telefonkonferenz mit Vertretern der 20 Klubs der Dritten Liga ein. Dort wurde die Aussetzung des Spielbetriebs bis zum 30. April beschlossen. Noch stehen elf Spieltage aus. Durch die Unterbrechung müssten acht Termine nachgeholt werden. Dies könnte durch Englische Wochen sowie eine Ausweitung der ursprünglich bis 16. Mai laufenden Saison möglich sein. Bis 30. Juni muss die Spielzeit beendet werden, da auslaufende Verträge an diesem Tag ihre Gültigkeit
verlieren. Klubs der dritten Liga sind bei „Geisterspielen“ angesichts ausbleibender Einnahmen durch den Ticketverkauf wirtschaftlich noch härter betroffen. Nach Darstellung des Arbeitsrechtlers Johan-Michael Menke hätten sich mehrere Regionalliga-Klubs bereits mit der Einführung der Kurzarbeit in ihren Vereinen beschäftigt.

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