https://www.faz.net/-gtl-a0xm5

Mehr als eine Milliarde : Hilfspaket für den Sport

Milde Gabe: Der Bund greift auch dem Handball unter die Arme. Bild: dpa

Staatliche Unterstützung in der Corona-Krise: Bis auf die beiden obersten Fußballligen unterstützt der Bund alle Profisportarten in Deutschland. Selbst Wasserballer und Ringer dürfen auf Abhilfe für ausbleibende Zuschauereinnahmen hoffen.

          2 Min.

          Mehr als eine Milliarde Euro für den Sport – auf diese Summe belaufen sich die Hilfs- und Überbrückungsprogramme, mit denen der Bund dem Sport in dessen coronabedingter Krise helfen will. Der Haushaltsausschuss des Bundestages will sie an diesem Mittwoch beschließen, das Parlament soll sie am Donnerstag verabschieden. „Dies ist vielleicht das größte Paket, das je für den Sport geschnürt wurde“, sagte der SPD-Abgeordnete Martin Gerster am Dienstag.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          200 Millionen Euro werden besonders Teamsportarten wie Basket-, Hand- und Volleyball sowie Eishockey zur Verfügung gestellt sowie Klubs der Fußball-Frauen-Bundesliga und der dritten Liga der Männer, die durch den Ausfall von Zuschauereinnahmen in wirtschaftliche Schieflage geraten sind. Die kurzfristige Aufnahme der dritten Fußball-Liga – erste und zweite Bundesliga mit ihren Fernseheinnahmen werden nicht bedacht – wird als Geste gegenüber dem Osten betrachtet. Während aus der einstigen DDR-Oberliga in der ersten Liga allein Union Berlin und in der zweiten lediglich Erzgebirge Aue vertreten sind, spielen oder spielten in der dritten sieben Traditionsklubs des Ostens: Zweitliga-Absteiger Dynamo Dresden sowie Hansa Rostock, Hallescher FC, 1. FC Magdeburg, Chemnitzer FC, FSV Zwickau und Drittliga-Absteiger Carl Zeiss Jena.

          Die Förderung ist ausgeschrieben für Vereine, Verbände und Unternehmen in professionellen und semiprofessionellen Wettbewerben für olympische und paralympische Sportarten. Die Fördersumme wird aus dem Budget des Wirtschafts- in das des Innenministeriums übertragen, welches für Sportförderung zuständig ist. Die im Einzelfall bis zu 800.000 Euro umfassende Überbrückungshilfe für April bis Dezember 2020 soll auch in Einzelsportarten vergeben werden.

          Die Online-Flatrate: F+
          FAZ.NET komplett

          Zugang zu allen exklusiven F+Artikeln. Bleiben Sie umfassend informiert, für nur 2,95 € pro Woche.

          Jetzt 30 Tage kostenfrei testen

          Ursprünglich hatte die Koalition aus CDU/CSU und SPD den Profisport am Wirtschaftsförderprogramm mit dem Gesamtvolumen von 25 Milliarden Euro partizipieren lassen wollen und diesen, in Abgrenzung zu den Fußball-Bundesligen, „Profisportvereine der unteren Ligen“ genannt. Der Sport und seine Lobby forderten allerdings eine Förderung, die auf ihre Schwierigkeiten zugeschnitten ist: Umsatzeinbruch nicht sofort, sondern existentielle Probleme im Laufe des Jahres. Auch um die Ansprüche von Sponsoren und Fernsehpartnern zu befriedigen, hat die Basketball-Bundesliga gerade ein dreiwöchiges Turnier um die Meisterschaft ohne Zuschauer in der Halle ausgetragen.

          Der CDU-Abgeordnete Frank Steffel, ehrenamtlicher Präsident des Handball-Bundesligaklubs Füchse Berlin, sieht die Voraussetzung für seriöse Lizenzierungsverfahren in den Spielsport-Ligen gegeben. „Ich habe nun die große Hoffnung“, sagte er, „dass die kommende Saison ohne Insolvenzen zu Ende gespielt werden kann.“ Noch herrscht in allen Ligen Unsicherheit darüber, wie Publikum zugelassen werden darf und wann der Spielbetrieb beginnen kann.

          „Viele konstruktive Gespräche der Koalitionssportpolitiker und -politikerinnen im Sinne des Sports haben heute zu einer guten Lösung geführt“, teilte die Vorsitzende des Sportausschusses des Bundestages, Dagmar Freitag, mit. „Insbesondere die Vereine, die bereits in leeren Hallen spielen mussten und nicht wissen, wann und wie die neue Saison beginnen wird, können vorerst aufatmen: Wir werden ihnen helfen.“

          Für die Sanierung kommunaler Einrichtungen für Sport, Kultur und Jugend will die Koalition bis 2024 600 Millionen Euro zur Verfügung stellen. Damit wird ein Programm wiederbelebt, von dem seit 2016 gut vierhundert Maßnahmen mit insgesamt 740 Millionen Euro gefördert wurden. Die Länder, die den Sport mit eigenen Maßnahmen unterstützen, sind daran nicht beteiligt. Zusätzlich zu diesen Hilfen in Höhe von insgesamt 800 Millionen bestätigten die Abgeordneten die Aufstockung des Sportstättenbaus um 300 Millionen Euro. Für dieses und das nächste Jahr stehen demnach statt 130 jeweils 280 Millionen Euro zur Verfügung.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Ein provisorisches Krankenhaus für die Corona-Infizierten in der Stadt Lleida.

          Corona- und Wirtschaftskrise : Spaniens Kampf ums Überleben

          Das südeuropäische Land muss wegen des heftigsten Corona-Ausbruchs seit der Öffnung neue Ausgangssperren verhängen. Und auch wirtschaftlich sieht es düster aus: Ministerpräsident Sánchez kämpft um die Kredite und Zuschüsse der EU.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.