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Brandbrief des DOSB : „Legen Sie einen Notfallfonds für den Sport auf!“

DOSB-Chef Hörmann: „Das Ausmaß ist aktuell noch nicht ansatzweise absehbar-“ Bild: dpa

Vor sterbenden Klubs durch die Corona-Krise warnt der DOSB in einem Brandbrief an Politiker in Bund und Ländern. Das Anliegen stößt nicht überall auf positive Resonanz.

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          Vor sterbenden Klubs durch die Corona-Krise warnt der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB), vor dem Verlust von Top-Athleten und dem Ende der Vielfalt des deutschen Sports. „Vereine und Verbände des gemeinnützigen Sports (können) nicht ohne die Unterstützung von Bund, Land und Kommune überleben“, heißt es in einem Brandbrief, den DOSB-Vorstandsvorsitzende Veronika Rücker und DOSB-Präsident Alfons Hörmann in der vergangenen Woche an Politiker in Bund und Ländern schickten.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Die gesellschaftlich unverzichtbaren Leistungen der 90.000 Sportvereine seien in Gefahr. In vielen Fällen könnten gravierende finanzielle Einbußen bei am Existenzminimum lebenden Sportlerinnen und Sportlern zum Abbruch von deren leistungssportlichen Karrieren führen.

          Rücker und Hörmann fordern, dass der organisierte und gemeinnützige Sport mit seinen Strukturen bei den verschiedenen Rettungspaketen berücksichtigt werde und unter den 50-Milliarden-Euro-Schutzschirm des Bundes mit seinen Hilfen für Solo-Selbständige und Kleinunternehmen schlüpfen dürfe. Darüber hinaus erwarten sie ein Hilfsprogramm. In ihrem Brief heißt es: „Legen Sie einen Notfallfonds für den Sport auf!“ Dieser Ton stößt nicht überall auf positive Resonanz, zumal der Sport weder für Vereine noch für Verbände, noch für die Landessportbünde den Bedarf beziffern kann. „Das Ausmaß ist aktuell noch nicht ansatzweise absehbar“, schreibt der DOSB.

          „Ich kann garantieren, dass die Förderung, die 2020 für den Spitzensport vorgesehen war, eins zu eins ausgezahlt wird“, sagt dazu die Bundestagsabgeordnete Dagmar Freitag, Vorsitzende des Sportausschusses des Parlaments. „Wir werden nicht kürzen, selbst wenn die Olympischen Spiele verschoben sind und derzeit nicht trainiert werden kann. Das gilt für Athleten genauso wie für Trainer und Leistungssportpersonal.“ Für die Vorbereitung auf die auf 2021 verlegten Sommerspiele von Tokio sollen nach ihrer Auffassung ebenso hohe Mittel zur Verfügung stehen wie in diesem Jahr. Die Spitzensportförderung des Bundes durch das Innenministerium beträgt in diesem Jahr 262 Millionen Euro.

          Die SPD-Abgeordnete macht jedoch auch deutlich, dass sie im Moment wenig von einem Hilfsprogramm allein für den Sport hält. Kurzarbeit und Zuschüsse, wie sie kleinen Unternehmen und Selbständigen zur Verfügung stünden, seien auch für Vereine und Verbände nutzbar. Sie sehe eine Aufgabe des DOSB auch darin, Vereine und Verbände bestmöglich über die gesetzlichen Fördermöglichkeiten zu beraten. In Anspielung auf den Solidarfonds in Höhe von einer Million Euro, den der DOSB am Montag aus Mitteln seiner Stiftung Deutscher Sport gegründet hat, lobte die Abgeordnete, dass Solidarität innerhalb des Sports ein richtiger Schritt sei. Die Stiftung ist mit Überschüssen der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 gegründet worden und verfügt laut DOSB bei 2,8 Millionen Euro Stiftungskapital über Restmittel von knapp 2,5 Millionen Euro. In den vergangenen Jahren hat sie neben anderem den Neubau des DOSB mit einer Million Euro, die Olympiabewerbung von Hamburg mit 300.000, den Fonds des Deutschen Sportschiedsgerichts mit 100.000 und den Kampf gegen sexuellen Missbrauch von Kindern mit 70.000 Euro unterstützt.

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          Beim DOSB ist man überzeugt, dass der Alarm, den der Brief auslösen sollte, gerechtfertigt ist. Bei den schnellen Entscheidungen zur Wirtschaftshilfe hätten Politik und Verwaltung nicht an gemeinnützige Strukturen gedacht. Dies bewusst zu machen, habe dazu beigetragen, dass acht der sechzehn Länder Verfahren geschaffen hätten, die es Vereinen ermöglichten, Hilfe zu beantragen. In den anderen Ländern könnten Vereine nicht Bundesmittel beantragen. Hamburg, Nordrhein-Westfalen, Berlin, Hessen und Bayern hätten eigene Hilfsprogramme für den Sport aufgelegt. Den Notfallfonds Sport solle der Bund für den Spitzensport auflegen.

          In seinem Brandbrief schlägt der DOSB einen pathetischen Ton an. „Gerade im organisierten Sport werden wir unserer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht und vermeiden konsequent physische soziale Kontakte“, lässt sich darin Hörmann zitieren. Dies erfordere leider auch, den Spiel-, Trainings- und Wettkampfbetrieb in allen Vereinen und Verbänden einzustellen. Durch die Verschiebung der Olympischen und Paralympischen Spiele um ein Jahr habe darüber hinaus auch die internationale Sportfamilie, so der DOSB, signalisiert, dass die Gesundheit der Weltbevölkerung oberste Priorität habe.

          Der DOSB hatte bis zur Verschiebung der Spiele Mitgliedern seiner Olympiamannschaft, die wie alle anderen von der Schließung von Sportanlagen und Kontaktverbot betroffen waren, angeboten, sie an Standorte in Deutschland zu vermitteln, an denen mit Ausnahmegenehmigungen trainiert werden durfte.

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