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Boykottdebatte : „Ich finde nicht gut, was hier läuft, absolut nicht“

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Seine Karriere kann ein Boykott nicht mehr knicken. Der Pistolenschütze aus Suhl, beim Pekinger Weltcup Vierter, war schon dreimal Olympiasieger. Diese Gelassenheit fehlt Sonja Pfeilschifter. "Wahnsinnig" mache sie die Boykottdiskussion, grantelt die Bayerin. "Wir Sportler sind es leid, die Sündenböcke für die Politik zu spielen. Die Leute meinen, wir müssen das ausbügeln, was Politiker vermasseln." Sonja Pfeilschifter will nach Peking, und sie will aufs Podium, endlich. In Athen reichte es nur zu Platz sechs.

Nur weg aus China, so schnell wie möglich

Eine andere Sportart, eine ähnliche Diskussion. Die Haltung zu Tibet und China stellt nicht nur den Teamgeist der deutschen Schützen auf eine Belastungsprobe. Auch die deutschen Degenfechterinnen müssen die politische Krise aushalten, zur gleichen Zeit in derselben Stadt. Die olympische Fechthalle ist Schauplatz der WM der nichtolympischen Mannschaftsdisziplinen. Peking ist Britta Heidemann vertraut, sie hat in China studiert, fliegt alle paar Monate ein, sie spricht die Sprache und ist wegen ihres sicheren Mandarin begehrter Gast in Fernsehshows. Zu Politik werde sie von chinesischen Journalisten nie befragt, nur zu ihrer Person: ob sie zugenommen habe, welche Bücher sie gerne lese, wie viel sie verdiene. Britta Heidemann, der Star der chinesischen Yellow Press.

Imke Duplitzer dagegen will nur weg aus China, nach Olympia so schnell wie möglich. Sie werde "die Gastfreundschaft des Landes nicht superlang beanspruchen". Kein anderer Olympiakandidat hat Chinas Tibet-Politik offener kritisiert, niemand hat sich früher auf einen Boykott der Eröffnungsfeier festgelegt, den Imke Duplitzer jetzt auch von den Fernsehzuschauern in Deutschland fordert.

Genervt von Schwarz-weiß-Malerei

Auch die Kollegin Heidemann kann Duplitzers China-Bild nicht verschönern, trotz vieler Gespräche und trotz eines gemeinsamen Abendessens mit Heidemanns Pekinger Freunden. Das verlief wohl nicht ganz so harmonisch, lassen beide Fechterinnen durchblicken. Dabei habe sie kein Problem mit den oft sehr freundlichen Menschen dieses Milliardenvolkes, betont Duplitzer: "Es hat ja nicht jeder Chinese zu Hause einen Tibeter im Schrank, den er abends zum Spaß prügelt. Was eine Regierung macht und was man als Sportler in der Halle macht, das sind zwei paar Stiefel."

Duplitzer spricht, Heidemann schweigt, zumindest zum Thema Politik und China. Dazu sei sie in den vergangenen Wochen allzu erschöpfend befragt worden, sagt sie, genervt von Schwarz-weißmalerei. Sie konzentriere sich auf den Sport. Es hat nicht geholfen. Im Halbfinale muss Britta Heidemann den letzten Treffer hinnehmen. Ausgerechnet China stoppt die deutschen Degendamen auf dem Weg zum WM-Sieg. Stunden später können sie wenigstens den Gewinn der Bronzemedaille feiern.

Auch Zou Zhe hat Grund zur Freude. Vor der Schwimmhalle pflanzt der schmächtige Arbeiter aus der armen Zentralprovinz Henan Bäume, letzte Feinarbeiten am Olympiapark. 50 Yuan, umgerechnet knapp fünf Euro, bekommt er dafür pro Tag. Das sei gut, sagt Zou, auf nichtolympischen Baustellen werde weniger gezahlt: "Ich bin sehr glücklich, hier arbeiten zu dürfen."

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