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Boykott von Putins WM? : Die Fifa hat sich verkauft

Und nun? Der Druck auf die Fifa und Präsident Blatter wegen der WM 2018 in Putins Russland wächst Bild: dpa

Die EU erwägt eine Boykott-Empfehlung für die Fußball-WM 2018. Die Diskussionen um ihr höchstes Gut hat sich die Fifa mit der Vergabe an Russland verdient. Der Druck auf den Weltverband wird wachsen.

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          Die Kommission der Europäischen Union denkt nach Informationen verschiedener Medien darüber nach, ihren Mitgliedsstaaten einen Boykott der Fußball-Weltmeisterschaft 2018 in Russland vorzuschlagen. In Brüssel wird stets viel erwogen. Dass es dazu kommt, ist also keineswegs gewiss, nicht einmal wahrscheinlich. Aber man kann sicher sein: das Thema Boykott wird so schnell nicht von der internationalen Fußball- und Sportagenda verschwinden.

          Nach der Weltmeisterschaft in Russland hat der Internationale Fußball-Verband (Fifa) die nächste Weltmeisterschaft nach Qatar für das Jahr 2022 vergeben; ein Land, das sich unter anderem gegen den Vorwurf wehren muss, die Terrororganisation „Islamischer Staat“ zu unterstützen. Den Konflikt in der Ostukraine, einen der drei großen weltweiten Krisenherde, würde ein Boykott der Fußball-WM in Russland nicht beeinflussen, geschweige denn beenden. Sportboykotte sind ohnehin ein denkbar ungeeignetes Instrument, um politische Konflikte zu lösen.

          Im Gegenteil: Sie können sogar als rein symbolische Handlungen dazu dienen, politische Initiativen zu unterlassen, weil man sein Gewissen mit einem Boykott ein bisschen beruhigt hat. Ganz abgesehen davon, dass Putin für seinen Kurs schon jetzt zu weit größeren Opfern bereit ist, als der Verlust einer Fußball-WM, der Schwimm-WM oder gar eines Formel-1-Rennens im kommenden Monaten in seinem Reich bedeuten würde. Ganz abgesehen von der Tatsache, dass heute politische Gegner ganz schnell zu Partnern von Morgen werden können (und umgekehrt) – wenn etwa der Westen im Kampf gegen die Terroristen des „Islamischen Staats“ vielleicht doch wieder auf die Hilfe von Assad zurück greift, der sich wiederum von Putin unterstützt sieht.

          Bis 2018 ist noch viel Zeit. Der Druck auf die Verbände, insbesondere des Fußballs, dürfte trotzdem wachsen. Schon nach dem Abschuss des malaysischen Passagierflugzeugs über der Ukraine im Juli hatte der stellvertretende Vorsitzende der Union-Fraktion, Fuchs, der Fifa die Frage zugespielt, ob es richtig sei, eine Weltmeisterschaft an ein Land zu vergeben, das nicht einmal sichere Luftwege garantieren könne.

          Das ist keine Aufforderung zum Boykott. Sondern ein Pass, der genau dahin zielt, wo er hin muss: zurück ins sportpolitische Feld an die Veranstalter aus dem Hause Blatter, die ihr höchstes Gut gleich an zwei fragwürdige Ausrichter vergeben haben. In diesen Tagen sieht sich der Fifa-Präsident nun genötigt, Russland und Qatar sein Vertrauen auszusprechen. Das wird auf Dauer nicht reichen. Denn die Diskussionen um die Standorte ihre sportlichen Großveranstaltungen, die sich nun auch die Fifa nach dem Internationalen Olympischen Komitee für die Vergabe von Olympia nach Sotschi (und zuvor Peking) einhandelte, hat sich der Weltverband ebenso verdient wie die Europäische Fußball-Union.

          Beide Verbände hatten und haben offenbar keine Bedenken, sich ihre Spiele nicht zuletzt auch noch von Gazprom, Putins wirtschaftspolitischem Kraftprotz auf dem internationalen Spielfeld, finanzieren zu lassen. Die vielen Millionen, gleichgültig aus welch fragwürdigen Quellen sie kommen und zu welch machtpolitischen Zielen sie eingesetzt werden, sind der großen internationalen Fußballfamilie immer noch mehr wert als jede ihrer Aktionen, mit denen sie in den Stadien fröhlich für Fairplay und Respekt werben.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

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