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Boykott der Paralympics in Sotschi : Wegbleiben, nicht wegsehen!

Wladimir Putin Bild: dpa

Ein Boykott der Paralympics in Sotschi wäre noch einmal eine Gelegenheit, Haltung zu zeigen und Solidarität zu demonstrieren in Zeiten der Krim-Krise.

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          Vor neun Tagen sind die Olympischen Spiele in Sotschi zu Ende gegangen, am Freitag beginnen die Paralympics. Keine zwei Wochen also, aber für den russischen Präsidenten Wladimir Putin genügend Zeit, sich alle Vollmachten für einen Kriegszug geben und die ukrainische Halbinsel Krim de facto besetzen zu lassen. Und nun zurück zum Sport, keine 500 Kilometer die Schwarzmeerküste entlang nach Südosten, wo es nach Auskunft des russischen Vizepremiers Dmitrij Kosak „keine Probleme“ gibt? Wohl kaum.

          Die Sportler, die in dieser Woche zu den Paralympischen Spielen reisen, haben sich vier Jahre darauf vorbereitet. Es ist für fast alle die einzige Gelegenheit, ihre sportlichen Leistungen vor den Augen der Weltöffentlichkeit zu zeigen, übertragen auf allen Kontinenten. Und nun - ein Boykott? Es ist verständlich, dass sie sich als Leidtragende einer solchen Entscheidung fühlen würden. Dass ihnen ein Höhepunkt ihres Sportlerlebens geraubt würde, ohne dass sich durch ihren Verzicht an der gesamtpolitischen Lage etwas ändert. Nur weil sie daheim bleiben, wird Putin die Krim kaum freigeben.

          Und doch ist ein Boykott richtig. Es geht nicht um die Frage, ob die Athleten in Sotschi sicher sind. Es geht um Haltung. Wer wegbleibt, lässt sich nicht instrumentalisieren von Wladimir Putins großer Show. Das Internationale Paralympische Komitee sollte es besser machen als das Internationale Olympische Komitee, das durch die völkerrechtswidrige russische Aggression noch nachträglich desavouiert wurde.

          Als hätten ausgebeutete Arbeiter, missbrauchte Umwelt und Verhaftungen von Menschenrechtlern noch während der Spiele nicht gereicht, um zu beweisen, dass die Vergabe an Russland der größte sportpolitische Fehler der jüngeren Geschichte war. Längst hat sich der Verzicht des Bundespräsidenten Joachim Gauck und anderer internationaler Politiker auf eine Reise nach Sotschi auch im Nachhinein als richtig erwiesen. Deshalb bleiben Prinz Edward und die britische Regierung nun daheim.

          450 Kilometer liegen zwischen der Krim und Paralympics-Ort Sotschi
          450 Kilometer liegen zwischen der Krim und Paralympics-Ort Sotschi : Bild: Bernd Helfert

          Wer wegbleibt, macht es auch besser als westeuropäische Fußballfunktionäre, die sich ihren Spielbetrieb vom russischen Staat via Gazprom finanzieren lassen. Schalke 04 etwa oder die Europäische Fußball-Union, in deren Champions League auch dank der russischen Sponsorenrubel so viel zu verdienen ist. Und wann hat man von Franz Beckenbauer etwas zur Krimkrise gehört? Der Sport-Botschafter des Verbandes russischer Gasproduzenten war während Olympia zusammen mit Gerhard Schröder im Deutschen Haus in Sotschi.

          Schröder polterte bei der Gelegenheit wider die Putin-Kritiker, der russische Präsident brauchte anschließend keine drei Wochen, um den ehemaligen Kanzler ad absurdum zu führen. Wieder einmal. Die Paralympics bieten noch einmal eine Chance, es besser zu machen. Ihr Boykott wäre noch einmal eine Gelegenheit, Haltung zu zeigen - und Solidarität zu demonstrieren. Und das ist, anders als die Komplizenschaft bei Putins großer Show, tatsächlich ein olympischer Wert.

          Christoph Becker
          Sportredakteur.

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