https://www.faz.net/-gtl-9q1u0

Sport in Nahost : Hände gebunden, Taschen gefüllt

Hand drauf: Promoter Eddie Hearn (links) und Omar Khalil, Manager der Veranstalter in Saudi-Arabien Bild: dpa

Die Regierung in Saudi-Arabien ist höchst spendabel, wenn es darum geht, Aufsehen erregende Sportveranstaltungen einzukaufen. Die Verletzung von Menschenrechten interessiert nicht.

          2 Min.

          Nicht alles im Sport ist eine Frage des Geldes, noch nicht einmal im Nahen Osten. Im Boxen allerdings schon. Dass der Rückkampf um drei Weltmeistertitel im Schwergewicht zwischen dem Briten Anthony Joshua und dem Kalifornier Andy Ruiz jr. am 7. Dezember am Stadtrand der saudi-arabischen Hauptstadt Riad stattfindet, ist eine Frage des Geldes. Beziehungsweise des Geldgebers. „Clash on the Dunes“ steht auf den Plakaten zum Kampf, und über den Köpfen der Boxer ist unter anderem das Logo der General Sports Authority zu sehen, der für den Sport zuständigen Regierungsbehörde des Königreichs.

          Die ist höchst spendabel, wenn es darum geht, Aufsehen erregende Sportveranstaltungen einzukaufen. Menschenrechtsverletzungen? Die Zerstückelung des Journalisten Jamal Khashoggi im saudischen Konsulat in Istanbul im vergangenen Jahr durch saudischen Agenten, zum Beispiel? Interessieren nun auch Box-Promoter Eddie Hearn nicht. In Riad hätten jüngst erst großartige Konzerte westlicher Stars stattgefunden, sagte er der Associated Press.

          Zaires Diktator Mobutu hatte 1974 dem „Rumble in the Jungle“, für den Muhammad Ali und George Foreman nach Kinshasa kamen, auch ein dreitägiges Musikfestival vorangehen lassen. Promotet von Don King übrigens, von dem Hearn also offenbar in Sachen Kaltschnäuzigkeit noch ein bisschen was lernen kann. Dafür hat sich Hearn etwas anderes versprechen lassen: Jeder Käufer einer Eintrittskarte bekommt automatisch ein Einreisevisum ins Königreich Saudi-Arabien. Alle – es sei denn, sie kommen aus Israel. Israelis bekommen kein Visum für Saudi-Arabien, daran ändert auch die politische Annäherung der vergangenen Jahre bislang nichts.

          So ist das eben im Sport. Die sogenannte Verfassung der World Boxing Organization, um deren Titel in Riad unter anderem gekämpft wird, ruft dazu auf, ihren Sport dazu zu nutzen, „ausgewogene Persönlichkeiten zu formen, physisch wie moralisch, die dadurch besser dazu in der Lage sind, unserer Gesellschaft zu helfen und sie zu verbessern“. Aber am Einreiseverbot für Israelis könne er als Sportpromoter nun wirklich nichts ändern, wird Hearn zitiert. Hände gebunden, Taschen gefüllt. Aber wie gesagt: nicht alles ist eine Frage des Geldes, jedenfalls nicht vorrangig.

          Nicht mal im Fußball. Am Montagabend hat sich mit Zob Ahan Isfahan der letzte iranische Klub aus der asiatischen Fußball-Champions-League verabschiedet. Damit ist es dem asiatischen Verband AFC gelungen, eine weitere Saison im wichtigsten Vereinswettbewerb auf dem bevölkerungsreichsten Kontinent der Erde auszutragen, ohne irgendetwas am in Iran geltenden Stadionverbot für Frauen zu ändern. Diskriminierung auf Grundlage des Geschlechts wird mit Sperre oder Ausschluss bestraft, heißt es in den Statuten der AFC. Aber es wird schon einen Grund geben, warum Asiens Funktionären da weiterhin die Hände gebunden sind.

          Christoph Becker
          Sportredakteur.

          Weitere Themen

          Anti-Olympia-Proteste halten an Video-Seite öffnen

          Gegen Corona-Ausbreitung : Anti-Olympia-Proteste halten an

          In Tokio sind am Sonntag erneut etwa Hundert Menschen auf die Straße gegangen, um gegen die Ausbreitung zu demonstrieren. Die Zahl der positiven Tests steigt weiterhin stetig an.

          Topmeldungen

          Die Fassade des Bundeskanzleramtes spiegelt sich in der Fassade des Paul-Löbe-Hauses des Bundestages

          Debattenkultur in Deutschland : Dieser Wahlkampf macht dumm

          Wir könnten – und müssten – bis zur Wahl über die Themen der Zukunft reden. Stattdessen gibt es ständig neue Debatten über Nebensächlichkeiten. Schluss damit!
          Was einmal der Friedhof in Bad Neuenahr-Ahrweiler war, ist nach dem Hochwasser ein einziges Trümmerfeld.

          Katastrophenschutz : Wie wir uns gegen die Fluten schützen können

          Starkregen, Überflutungen, aber auch Hitzewellen: Höchste Zeit, dass sich Städte und Kommunen richtig auf den Klimawandel vorbereiten und die Menschen besser schützen. Wie das gelingen kann? Wissenschaftler haben dafür bereits geeignete Konzepte entwickelt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.