https://www.faz.net/-gtl-9aiqe

Schwarzer Boxer begnadigt : Trumps Ringen um Ansehen im Sport

  • Aktualisiert am

Präsident Donald Trump (Mitte) mit Schauspieler Sylvester Stallone (rechts daneben) und dem ehemaligen Schwergewichts-Champion Lennox Lewis (rechts). Ganz links: der derzeitige Champion Deontay Wilder. Bild: AP

Donald Trump hat den schwarzen Boxer Jack Johnson posthum begnadigt. Der amerikanische Präsident kämpft nach den jüngsten Debatten im Hymnen-Streit um sein Ansehen in der Sportwelt. Allerdings musste ihn ein berühmter Schauspieler an Johnsons Schicksal erinnern.

          Sylvester Stallone und der ehemalige Champion Lennox Lewis stehen artig hinter dem Schreibtisch und spenden höflich Applaus, als Donald Trump die Urkunde in die Höhe hält. Der amerikanische Präsident hat überraschend Jack Johnson, den ersten schwarzen Schwergewichts-Weltmeister der Box-Geschichte, rehabilitiert. Trump nannte Johnson mehr als 100 Jahre nach dessen historischem WM-Sieg „einen wirklich großen Kämpfer“, der ein „hartes Leben hatte“.

          Johnson, 1946 bei einem Autounfall ums Leben gekommen, hatte Zeit seines Lebens mit rassistischen Anfeindungen zu tun. 1908 gewann der Texaner die WM im Schwergewicht und verteidigte zwei Jahre später seinen Titel. Trump verriet, dass ihn Hollywood-Schauspieler Stallone angerufen habe und ihm von der Geschichte Johnsons erzählte.

          Johnson, Sohn von Sklaven aus Galveston in Texas, galt viele Jahre als spektakulärster Boxer seines Landes, bewegte sich zudem äußerst elegant im Ring und war lange vor Joe Louis und Muhammad Ali als Schwarzer Champion aller Klassen. 1913 wurde Johnson aber Opfer rassistischer Kräfte, als er im Zuge des sogenannten „Mann Acts“ zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr und einem Tag verurteilt wurde. Danach war es Männern in den Vereinigten Staaten verboten, mit einer weißen Frau über die Bundesstaatsgrenzen hinaus zu reisen, wenn es sich dabei um eine „unmoralische Beziehung“ handelte. Als Grund für die Verurteilung nannten die Richter Johnsons Beziehung zu der Weißen Lucille Cameron.

          Der erste dunkelhäutige Schwergewichts-Weltmeister der Box-Geschichte: Jack Johnson im Jahr 1932.

          Warum sich ausgerechnet der konservative Trump nun für Johnson einsetzte, verwunderte zunächst. Wahrscheinlich will Trump im von vielen Afroamerikanern geprägten amerikanischen Sport wieder an Ansehen gewinnen. Der Streit um die Kniefälle von Footballprofis aus Protest gegen Rassismus und sozialer Ungerechtigkeit und das Scharmützel mit Basketball-Star Steph Curry über eine Einladung ins Weiße Haus haben ihn im Sport auch viele Gegner eingebracht.

          Wohl ging es dem Präsidenten auch darum, seinem Vorgänger Barack Obama einen Seitenhieb zu versetzen. Der demokratische Präsident hatte in seiner Amtszeit eine Begnadigung für Johnson noch abgelehnt. „Sie konnten den Präsidenten nicht dazu bringen, es zu unterschreiben“, berichtete Trump bei der Unterzeichnung noch einmal und nutzte den Moment, sich als Kämpfer für Bürgerrechte zu inszenieren. Aus Obamas Umfeld wurde bekannt, dass dessen Justizministerium empfohlen hatte, einer Begnadigung nicht zuzustimmen, weil man vornehmlich Gnadengesuche unterstützen wollte, die sich positiv auf noch lebende Menschen auswirken würden. Außerdem soll es gegen Johnson auch Anschuldigungen wegen häuslicher Gewalt gegeben haben.

          Der derzeitige Box-Weltmeister im Schwergewicht, Deontay Wilder, der ebenfalls bei der Unterzeichnung im Weißen Haus dabei war, lobte Trump. Er habe den aktuellen Präsidenten zwar nicht gewählt, weil dieser zu wenig für die Dunkelhäutigen im Land tun wollte, doch durch die Begnadigung sei Trump in seinem Ansehen gestiegen. Wilder: „Das ist ein großer Schritt nach vorne, besonders für die schwarze Gemeinschaft, weil er es gar nicht hätte tun müssen.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Der Eingriff in die bundesweite Verteilung von Krankenhäusern muss mit chirurgischer Präzision ausgeführt werden – sonst leidet die Versorgungssicherheit vor allem auf dem Land schnell.

          Zu viele Hospitale : Der Patient Deutschland

          Die Deutschen lieben ihr Krankenhaus in direkter Nähe – mag es auch noch so schlecht ausgestattet sein. Daher hat auch die Politik kein Interesse an einem großflächigen Abbau der Hospitäler. Vernünftig ist das nicht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.