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Russe bleibt Box-Präsident : Zombie von Putins Gnaden

Strahlen um die Wette: Umar Kremlew (rechts) und Wladimir Putin Bild: AFP

Nach einer sportpolitischen Farce darf Umar Kremlew aus Russland weiter Präsident der Box-Vereinigung IBA bleiben. Das IOC hält russischen Funktionären die Türen offen.

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          Wer sich keine Hoffnungen macht, wird auch nicht enttäuscht. Die Internationale Box-Vereinigung (IBA) hat mit ihrer außerordentlichen Vollversammlung am Wochenende in Eriwan eine sportpolitische Farce abgeliefert. Das war zu erwarten. Aber Erwartungen sind keine Hoffnungen – und auf etwas anderes als eine Farce, eine seriöse Veranstaltung zum Beispiel, brauchte nun wirklich niemand zu hoffen. Die IBA ist nicht erst seit diesem Wochenende ein Zombie des internationalen Sports, ein untoter Verband, der dank russischem Geld durch die Welt geistert.

          Zur Erinnerung: Seit gut drei Jahren ist der IBA die Anerkennung des Internationalen Olympischen Komitees entzogen, das olympische Boxturnier von Tokio vergangenes Jahr wurde vom IOC organisiert, für Paris 2024 steht das ebenfalls an, für 2028 droht das Aus als olympische Sportart. Im Weltverband, einst AIBA genannt, ist Korruption über Jahrzehnte ein maßgebliches Leitmotiv gewesen, dem als Mafiapaten beleumundeten Usbeken Gafur Rachimow folgte der Russe Umar Kremlew als Präsident und mit ihm die Sponsorenmillionen von Gazprom.

          Einer von „Putins Motorradrockern“

          Kremlew war Mitglied der Nachtwölfe, auch bekannt als „Putins Motorradrocker“. Anfang des Monats eröffnete Kremlew in Moskau ein Boxzentrum gemeinsam mit dem russischen Präsidenten. Wen wollte es da überraschen, dass unter Kremlews Führung am Freitag gewissermaßen als Amuse-Gueule zum Leichenschmaus von Eriwan den ukrainischen Boxverband ausschließen ließ?

          Auch dazu äußert sich das IOC nun „äußerst besorgt“, wie über den Ablauf der weiteren Programmpunkte auch. Man werde sich auf der nächsten Sitzung der IOC-Exekutive damit befassen. Kremlew war zu der Veranstaltung in Eriwan überhaupt nur gezwungen worden, weil seine Wiederwahl im Frühjahr in Istanbul mit dem Makel behaftet war, dass er den Gegenkandidaten Boris van der Vorst aus den Niederlanden hatte ausschließen lassen. Van der Vorst rief das Internationale Sportschiedsgericht (CAS) an und bekam dort recht. Also musste Kremlew seine Gefolgschaft noch einmal antanzen lassen.

          In Armeniens Hauptstadt nun bestimmten knapp 75 Prozent der Delegierten, dass eine neuerliche Wiederwahl gar nicht nötig sei. Es bleibt festzuhalten, dass das russische Verständnis von Demokratie den internationalen Boxfunktionären nicht ähnlich gewaltsam aufgezwungen werden muss wie den Ukrainern, die sich in Cherson, Saporischschja und anderenorts Putins Reich anschließen müssen. Van der Vorst und seine Unterstützer verließen die Veranstaltung unter Protest, der Niederländer sagte anschließend gegenüber dem Portal „Inside the Games“, er werde auch außerhalb der IBA für eine olympische Zukunft des Boxens kämpfen.

          Eine Antwort auf die Frage, warum das überhaupt sein muss, warum einer wie Kremlew drinbleibt, während einer wie van der Vorst nun sehen muss, wie so etwas wie eine olympische Perspektive gestaltet werden kann in einer Sportart, die auf dem gesamten Globus populär ist, liefert nicht zuletzt das IOC. Das hat und hatte die Funktionäre aus Putins Reich auch nach dessen Angriffskrieg gegen die Ukraine nicht ausgeschlossen. Ohne olympische Anerkennung wäre ein solcher Ausschluss zwar einstweilen für die IBA theoretisch ohne Belang gewesen. Aber: „Wir haben den Ausschluss russischer Amtsinhaber nie empfohlen“, sagte IOC-Sportdirektor Kit McConnell erst vor wenigen Tagen. Für die Botschaft, die damit aus Lausanne gesendet wird, haben nicht nur Boxfunktionäre ein höchst vitales Gespür.

          Christoph Becker
          Sportredakteur.

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