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Olympia-Kommentar : Gefährliche Korrektur für Hamburg

  • -Aktualisiert am

So sollen die Olympischen Spiele 2024 in Hamburg aussehen Bild: Picture-Alliance

Boston hat sich selbst aus der Bahn gekegelt im Kampf um Olympia 2024. Erhöht der Rückzug die Chancen Hamburgs auf die Sommerspiele? Die Antwort ist eindeutig.

          Boston ist aus dem Rennen. Noch vor einem halben Jahr galt diese Stadt als der aussichtsreichste Bewerber um die Olympischen Sommerspiele 2024. Er hat sich selbst aus der Bahn gekegelt mit seinem Wackelkurs, seinen unklaren Versprechungen und ständigen Wechseln in der Mannschaft. Hamburg ist diesen Konkurrenten nun los. Aber was heißt das? Ist es jetzt leichter geworden, beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) den Zuschlag zu erwirken? Die Antwort heißt: nein.

          Einmal abgesehen davon, dass Paris, Rom, Budapest und eventuell Toronto auch nicht leicht zu schlagen sind, könnte es sogar noch schwerer werden. Das amerikanische Nationale Olympische Komitee schaut sich jetzt nach einem Ersatzkandidaten um. Es könnte einer der drei Anwärter werden, die im Januar in der nationalen Ausscheidung zurückgeblieben sind, nämlich Los Angeles, San Francisco oder Washington. Aber auch andere Städte werden gefragt. Zwar ist eine amerikanische Bewerbung jetzt erst einmal mit einer Blamage verknüpft. Aber das Leben geht weiter.

          Wenn sich das Nationale Olympische Komitee der Vereinigten Staaten kurzfristig für den Favoriten Los Angeles entscheiden sollte, würde es nur einen Fehler korrigieren. Das hätte es gleich tun sollen, denn die Stadt an der Westküste ist dem IOC in angenehmer Erinnerung. Dass hier schon 1932 Olympische Spiele stattfanden, ist nicht so wichtig wie der immense Dienst, den die Stadt den Olympiern 1984 getan hat. Hier spielte sich eine olympische Zeitenwende ab, man könnte auch sagen: Los Angeles hat die Spiele aus einer tiefen Krise gerettet.

          Acht Jahre zuvor, 1976, hatte sich Montreal in ein finanzielles Debakel gestürzt, die Stadt und die Provinz Québec verschuldeten sich auf Jahrzehnte hinaus. So trat Los Angeles nach dem Rückzug von Teheran damals als einziger Bewerber für 1984 an. Die Spiele mussten zwar mit dem Boykott des Ostblocks leben – so wie Moskau 1980 mit dem Fernbleiben vieler westlicher Staaten.

          Doch die amerikanischen Organisatoren machten trotzdem ein Festival daraus und bewiesen, dass Olympische Spiele durchaus privatwirtschaftlich organisiert werden und einen Gewinn abwerfen können. Die Stiftung, die aus dem Überschuss der Spiele hervorging, existiert heute noch und hat in den vergangenen 30 Jahren 220 Millionen Dollar an den Sport zurückgegeben.

          Schön und gut, könnten die Konkurrenten jetzt sagen. Der neue Bewerber wäre vielleicht erstklassig, aber nur zweite Wahl. Und es dürfte für die Amerikaner nicht einfach sein, bis zum Stichtag 15. September eine fundierte Bewerbung auf die Beine zu stellen. Doch beim Zieleinlauf im Sommer 2017, wenn das IOC seine Entscheidung treffen wird, dürfte ein Stolperer noch vor dem Start längst vergessen sein. Aber nicht einschüchtern lassen. Natürlich hätte Hamburg auch gegen Los Angeles eine Chance. Und Los Angeles wäre bis dato sogar der Bewerber, gegen den Hamburg am ehesten verlieren dürfte. Nach Rom, Paris oder Budapest, also einem Sieger aus Europa, wäre es unwahrscheinlich, dass 2028 – die Hansestadt will sich notfalls zweimal bewerben – ein weiterer europäischer Bewerber das Rennen macht.

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