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Blatter gegen Platini : Schusswechsel unter Präsidenten

Fußballfreunde unter sich: Michel Platini (l.) und Joseph Blatter nebst Franz Beckenbauer Bild: AP

Uefa-Boss Platini und Fifa-Chef Blatter haben sich in einen persönlichen Kleinkrieg verstrickt. Ein Ende der Auseinandersetzung scheint nicht in Sicht. Das blockiert notwendige Reformen im Fußball.

          Als unlängst Michel Platini, der Präsident des Europäischen Fußball-Verbandes (Uefa), bei einer Zusammenkunft der Nationalverbände von einem Delegierten gefragt worden war, ob er sich denn eine Kandidatur für die Chefposition beim Internationalen Fußball-Verband (Fifa) vorstellen könne, hatte er unwirsch reagiert. Der ehemalige Profi soll kurz geraunzt und das Thema damit für erledigt erklärt haben.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Den unsouveränen Auftritt hinter verschlossenen Türen interpretierten Anwesende später als eine Zerrissenheit des Franzosen, der offenbar selbst unsicher ist, wie und wo er seine Macht in Zukunft einsetzen soll. Aber nicht nur das: Platini beweist auch immer mehr seine Unfähigkeit, dem angeschlagenen, durch unsaubere Machenschaften und eine latente Reformunwilligkeit belasteten Fußball einen Weg aus der Vertrauenskrise zu weisen.

          Erstarkt: Fifa-Chef Blatter befindet sich wieder im Angriffsmodus

          Seit Mittwoch sitzen die Granden in Zürich wieder zusammen im Fifa-Vorstand, zu dem auch der Uefa-Präsident gehört. Es wäre allerdings naiv, von diesem Gremium positive Zeichen zu erwarten. Am katastrophalen Bild, das die mächtigen Organisationen abgeben, wird sich nichts ändern. Es herrscht Stillstand und dazu ein Klima des Misstrauens. Vor wenigen Tagen wurde von der Fifa-Ethikkommission ein Vorstandsmitglied wegen einer bevorstehenden Untersuchung suspendiert (Fernando aus Sri Lanka).

          Weiterhin ziehen dubiose Funktionäre im höchsten Gremium die Strippen - noch unbehelligt vom neuen Ermittler der Ethikkommission. Am fragwürdigen Fifa-Präsidenten Joseph Blatter, dessen Vergangenheit bisher ebenfalls nicht aufgearbeitet wurde, perlt die Kritik weiterhin ab. Um seine Position zu stärken, ging der 77 Jahre alte Schweizer zuletzt ganz auf Konfrontationskurs zur Uefa und zu Platini. Blatter lästerte über die auf halb Europa verteilten Spiele der EM-Endrunde 2020 und nannte den Franzosen, den er einst brauchte, um den kritischen Uefa-Chef Lennart Johannson loszuwerden, einen „Noch-immer-Präsidenten“.

          Lächerliche Argumente

          Blatter und Platini haben sich aufeinander eingeschossen. „Die Auseinandersetzung befindet sich auf einer persönlichen Ebene und blockiert alle wichtigen Vorhaben, die jetzt eigentlich in Angriff genommen werden müssten“, sagt ein Fifa-Funktionär. Der belastende Kleinkrieg hat bizarre Formen angenommen: Während die Fifa die längst überfällige Torlinien-Technologie vorantreibt und bei der WM in Brasilien zur Einsatzreife bringen will, sperrt sich die Uefa mit einer lächerlichen Argumentation dagegen - und das im Jahr 2013. „Ich bin gegen Maschinen im Fußball“, sagt Platini.

          Wie einen Schlag traf es die seit 2011 verpflichteten Reformer um den Schweizer Anti-Korruptions-Experten Mark Pieth, als sich ausgerechnet die Uefa-Strategen als hartnäckige Bremser des dringend gebotenen Reformprozesses entpuppten. Die Uefa und ihre Mitgliedsverbände, zu denen auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) gehört, wollen keine Amtszeitbegrenzung für Fifa-Vorständler, keine zentrale Integritätsprüfung für Topfunktionäre und auch niemanden aus dem neugeschaffenen Audit- und Governance-Komitee als Beobachter in den Fifa-Vorstand setzen. Der Aufklärer Pieth sieht seither seine Felle davonschwimmen und schließt ein Scheitern seiner Mission nicht aus.

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